China: Immer mehr Missbildungen durch Umweltverschmutzung

China : Immer mehr Missbildungen durch Umweltverschmutzung

Peking (RPO). Sechs Prozent der Kinder in China werden mit Missbildungen wie Gaumenspalten oder zusätzlichen Fingern geboren. Seit 2001 ist die Zahl der Kinder, die mit einer Behinderung zur Welt kommen, um 40 Prozent gestiegen. Experten sind überzeugt: Dieser Anstieg ist auch auf die Umweltverschmutzung zurückzuführen.

Einer am Montag veröffentlichten Statistik zufolge würden in China jedes Jahr zwei bis drei Millionen behinderte Kinder geboren, berichtet britische Tageszeitung "Times". Bei mehr als zwölf Millionen zeigten sich die Defekte im Laufe ihrer Kindheit.

Wo die Ursachen für die steigende Zahl der Fälle liegen, lässt sich nur vermuten. Die chinesischen Behörden gehen davon aus, dass ein Teil des Anstiegs auf eine genauere Datenerfassung zurückzuführen ist. Zudem hätten Eltern heute weniger Hemmungen, Behinderungen ihrer Kinder anzugeben, als noch vor einigen Jahren. Doch auch Umwelteinflüsse sind als Ursache nicht von der Hand zu weisen.

In Regionen des Landes, die durch Kohleförderung besonders stark verschmutzt sind, ist die Zahl der behinderten Kinder deutlich höher als anderswo. An Huanxiao, Chef der Familienplanungsbehörde in der kohlereiche nördlichen Provinz Shanxi, glaubt an Umweltverschmutzung als Grund für die Defekte: "Die steigende Zahl der Behinderungen hängt mit der Verschmutzung zusammen. Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Fälle in den acht großen Kohleabbauregionen in Shanxi deutlich über dem nationalen Durchschnitt liegt."

Gaumenspalten, Herzfehler, Wasserköpfe

Besonders häufig litten Babys in China unter Gaumenspalten, Schädigungen des Neuralrohrs im embryonalen Stadium, angeborenen Herzfehlern, zusätzlichen Fingern oder Zehen und Wasserköpfen, schreibt die "Times".

In wie weit diese Krankheiten durch Umwelteinflüsse bedingt sein können, ist bisher kaum bekannt. Auch die chinesischen Behörden wollen darüber noch keine Aussage treffen. "Wir brauchen Zeit, um herauszufinden, welche Art von Verschmutzung zu welchem Defekt führen kann", sagte Li Weixiong, Direktor der chinesischen Bevölkerungs- und Familienplanungskommission, der "Times".

Erst kürzlich hatte die Weltbank eine Studie veröffentlicht, derzufolge jährlich rund 460.000 Chinesen an den Folgen von verschmutzter Luft und verschmutztem Trinkwasser sterben. Die chinesische Regierung bemüht sich darum, die Luftverschmutzung bis zu den Olympischen Spielen im Sommer 2008 deutlich zu reduzieren.

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