Schutzkleidung für Kinder: Im High-Tech-Panzer zur Schule

Schutzkleidung für Kinder : Im High-Tech-Panzer zur Schule

Tokio (rpo). In Japan macht eine Firma ein gutes Geschäft mit der Angst der Eltern um ihre Kinder. Die rüsten ihren Nachwuchs auf im Kampf gegen vermeintliche Messerstecher und Gewalttäter. Wer will, kann seine Kinder "vollgepanzert" zur Schule schicken - mit stich- und reißfester Kleidung. Oder den Kleinen einen Minisender mit auf den Weg geben, um sekundenschnell ihren Aufenthaltsort ermitteln zu können.

Dass besorgte Eltern wieder ruhiger schlafen können, dafür sorgt unter anderen Minoru Furuta. Er ist Chef der Firma Madre Security im südjapanischen Fukuoka. Von hier kommen T-Shirts, Pullover und Jacken, die sich äußerlich in nichts von herkömmlicher Kleidung unterscheiden. Das Geheimnis liegt im Material: Glasfasern und hochwiderstandsfähiges Spektra-Polyethylen, das die US-Technologiefirma Honeywell entwickelt hat, werden hier zum tragbaren und modischen "Schutzpanzer" verarbeitet.

Die Modelle für Grundschulkinder kosten bis zu 48.000 Yen (340 Euro). 20 bis 30 Aufträge gehen im Monat bei Furutas Firma ein - nicht nur aus Japan, sondern auch aus Europa, China und Südkorea. Aber viele Erwachsene bestellen auch in größeren Größen - für sich selbst. Wenn es nach Furuta geht, kommt bald auch eine spezielle Damenkollektion auf den Markt. Die Gespräche mit Designer-Labels liefen schon, sagt er.

Studie über Furcht

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der japanischen Regierung hat die Furcht vor Gewalt in der Öffentlichkeit erstmals seit sieben Jahren die Angst vor der schlechten wirtschaftlichen Lage von Platz eins verdrängt. Die Zahl der Übergriffe auf der Straße stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent und die der Entführungen gar um 18 Prozent, wie aus der neuesten Kriminalstatistik hervorgeht. Doch muss dabei auch die Tatsache beachtet werden, dass die Zahl der Verbrechen insgesamt um 7,2 Prozent zurückgegangen ist: Japan ist immer noch eines der sichersten Länder der Erde. Vor allem Medienberichte über schauerliche Vorfälle haben jedoch die Angst vor Gewalt in die Höhe getrieben.

So ist vielen Japanern bis heute der Amoklauf eines geistig Kranken vor vier Jahren im Gedächntnis: Der Mann hatte in Osaka acht Kinder in einer Grundschule mit einem Fleischermesser niedergestochen und zahlreiche weitere verletzt. Im Februar tötete ein 34-Jähriger in einem Supermarkt in Zentraljapan ein elf Monate altes Baby mit einem Messerstich. Der Schwester der Kleinen zerschnitt er das Gesicht. In Japan ist die Angst vor allem vor Messern groß; der Gebrauch von Schusswaffen ist geesetzlich stark eingeschränkt.

Schulranzen mit GPS-System

Zum Schutz vor solchem Horror gibt es in Japan längst Schulranzen, die mit satellitengestützten Systemen zur Standortbestimmung (GPS) ausgestattet sind. Schöpfen die Eltern Verdacht, kann jederzeit ermittelt werden, wo sich das Kind aufhält. In einem Feldversuch an einer Schule im Südwesten Japans testen 150 Schüler noch bis Ende Juli ein ähnliches System. Drückt das Kind im Notfall den Alarmknopf, werden sein Name und Standort automatisch an die Eltern und eine Sicherheitsfirma übermittelt. Selbst ein Spielzeughersteller will in dem Markt mitmischen: Die Firma Tomy verkauft Geräte in Form der beliebten Pokémon-Fuguren. Bei Gefahr kann das Kind der Figur den Kopf abziehen, woraufhin Alarm ausgelöst wird.

Wer bei dieser Fülle von Angeboten und Möglichkeiten den Überblick verliert, kann sich GK Investigation in Tokio anvertrauen, der japanweit ersten Firma, die eine spezielle Kindersicherheitsberatung anbietet. "Natürlich gab es schon immer Anfragen aus der wohlhabenden Bevölkerung", sagt Akira Kimoto. "Aber erst seit kurzem zeigen auch ganz gewöhnliche Leute Interesse an unseren Angeboten."

(afp)
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