Alarm in US-Anlage Oyster Creek Hurrikan Sandy und die Atomkraftwerke
New York · Stromausfälle, Überflutungen, brennende Häuser – der Hurrikan Sandy hat an der Ostküste der USA massive Schäden angerichtet. Auch zwei Atomkraftwerke melden Probleme, was Kernkraftgegnern Sorge bereiten dürfte. Aber wie gehen die Verantwortlichen mit dem Sturm um?
So schwer hat "Sandy" New York getroffen
Als es in Japan zum Atomunglück von Fukushima infolge des Tsunamis kam, setzte in vielen Ländern ein Umdenken hinsichtlich der Kernenergie ein. In Deutschland etwa wurde das Aus beschlossen, andere Länder beschlossen eine Überprüfung ihrer Anlagen. Anders in den USA. Dort setzte US-Präsident Barack Obama weiter auf die Atomkraft — und nach Jahrzehnten wurde im Februar der Bau von zwei Kernkraftwerken genehmigt.
In der vergangenen Nacht aber zog Hurrikan Sandy über die dichtbesiedelte Ostküste hinweg. Dort, wo auch die meisten Atomkraftwerke der USA stehen. Und der Sturm bereitete einigen Anlagen Probleme. So wurde etwa in der ältesten Anlage des Landes, im Kraftwerk Oyster Creek in New Jersey, wegen Hochwassers mittlerer Alarm ausgerufen.
Das AKW war allerdings wegen Wartungsarbeiten schon zuvor abgeschaltet worden. Wie die Atomregulierungsbehörde NRC mitteilte, war am Abend in dem AKW zunächst ein "ungewöhnliches Ereignis" ausgerufen worden, nachdem das Wasser eine bestimmte Höhe erreicht hatte. Später wurde der Alarm, die zweitniedrigste von vier Stufen ausgerufen.
15 Zwischenfälle im vergangenen Jahr
Sollten die Fluten weiter steigen, könnten die Wasserpumpen des Reaktors beeinträchtigt werden, die für das Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente genutzt werden. Notfalls könne aber Wasser aus dem Reservoir des Brandschutzes genutzt werden. Das Kraftwerk sei außerdem wasserdicht und könne Hurrikanen standhalten. "Wir sind darauf vorbereitet, unsere Anlage zu schützen, unserer Arbeiter und die Öffentlichkeit müssen sich keine Sorgen machen um das, was der Sturm zu uns bringt", zitiert "National Geographic den Vize-Chef der Anlage, Michael Massaro.
Es sind also eher beruhigende Signale, welche ausgerufen werden. Doch manch einer dürfte gerade der NRC skeptisch gegenüberstehen. Denn lange hatte diese die Parole ausgegeben, die AKW in den USA seien sicher. Im März dieses Jahres allerdings hat die Behörde selbst neue Sicherheitsmaßstäbe herausgegeben, die die Betreiber der Kraftwerke in den nächsten Jahren umzusetzen haben. Auch eine Überprüfung hinsichtlich Erdbeben und Überschwemmung ist noch geplant.
Zudem sei die Aussage, die Kraftwerke seien sicher, von Mitarbeitern der Behörde selbst in Frage gestellt worden, schrieb Spiegel Online damals. Ein Gutachten eines Forscherverbandes nährte zu dieser Zeit die Skepsis. 2011 habe es 15 bedrohliche Zwischenfälle in US-amerikanischen Kernkraftwerken gegeben. So sei etwa in einem Kraftwerk entdeckt worden, dass das Notkühlssystem nie funktionsfähig gewesen sei.
Schutzvorkehrungen vor Überschwemmungen
Die NRC aber gibt bezüglich Sandy in ihrer Mitteilung Entwarnung. Demnach wird erwartet, dass die Pegelstände in den nächsten Stunden sinken werden. Auch betont die Behörde, dass alle Anlagen sich in einem sicheren Zustand befinden würden, für den Notfall sei genügend Ausrüstung vorhanden, und auch Inspektoren der Behörde stünden den Kraftwerksbetreibern zur Seite. Zudem werde der Sturm und seine Folgen im Kontrollzentrum überwacht.
Auch gebe es in allen Kraftwerken Schutzvorkehrungen vor Überschwemmungen. Dieselgeneratoren stünden bereit, falls es zu einem Stromausfall komme. Zudem sei kein Kraftwerk in Folge des Sturmes heruntergefahren worden, heißt es vonseiten der NRC. Allerdings wurde in dem Kernkraftwerk Indian Point, 70 Kilometer von New York, ein Reaktor wegen externer Probleme des Stromnetzes abgeschaltet worden, ein zweiter Reaktor arbeite mit voller Leistung.
Wie National Geographic schreibt, werden in den USA generell die Kraftwerke heruntergefahren, wenn die Windgeschwindigkeiten 75 Meilen pro Stunde überschreiten. Und zwar aus der Sorge heraus, dass das Elektrizitätsnetz mit seinen vielen oberirdischen Leitungen dem Wind nicht standhalten könnte und dann Dieselgeneratoren eingesetzt werden müssten. So war auch Oyster Creek im vergangenen Jahr heruntergefahren worden, als Hurrikan Irene über die Küste hinwegfegte.
Bei Sandy ging zumindest in Bezug auf die Kernkraftwerke bislang alles gut. Dennoch wird Sandy wohl eine der bislang teuersten Naturkatastrophen in der Geschichte Amerikas. Denn schon jetzt beläuft sich die Schadensbilanz auf zehn bis 20 Milliarden US-Dollar.
mit Agenturmaterial