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"Humans of New York": Brandon Stanton in Pakistan und dem Iran

"Humans of Pakistan and Iran" : "Ich bin der glücklichste Mensch in Pakistan"

Fotograf Brandon Stanton hat mit seinem Blog "Humans of New York" Menschen im Big Apple porträtiert und ihre anrührenden Geschichten erzählt. Jetzt weitet er sein Projekt auf den Iran und Pakistan aus – mit überraschenden Ergebnissen.

Fotograf Brandon Stanton hat mit seinem Blog "Humans of New York" Menschen im Big Apple porträtiert und ihre anrührenden Geschichten erzählt. Jetzt weitet er sein Projekt auf den Iran und Pakistan aus — mit überraschenden Ergebnissen.

Krieg, Terror und Naturkatastrophen. Armut, Korruption und Leid. So werden Pakistan und auch der Iran von vielen Menschen in Europa und Nordamerika gesehen, weil es eben oft auch genau diese Bilder sind, die sie zu sehen bekommen. Fotograf Brandon Stanton hat sich auf die Fahnen geschrieben, unsere Stereotypen zu durchbrechen. Die Menschen jenseits der Schlagzeilen zu zeigen, und sie ihre Geschichte erzählen zu lassen.

Damit hat Stanton schon in einem anderen Teil der Welt große Erfolge gefeiert. Mit seinem Projekt "Humans of New York" feierte er im Internet einen viralen Hit. Der dazugehörige Blog kommt auf mehr als 14,5 Millionen Likes bei Facebook. Mehr als 5000 der acht Millionen Einwohner von New York City hat Brandon Stanton schon fotografiert, sich mit ihnen unterhalten.

Die Menschen, die Stanton auf New Yorks Straßen trifft, sind dabei erstaunlich offen. Sie erzählen von den traurigsten und schönsten Momenten in ihrem Leben, von Problemen, Zielen oder dem jungen Glück. Nicht nur im Internet werden die Aufnahmen gefeiert, auch einige Bücher hat der Fotograf mittlerweile veröffentlicht.

Jetzt wendet sich Stanton mit der selben Formel Pakistan und dem Iran zu. Auch hier geht sein Plan voll auf: Die Menschen unterhalten sich mit ihm, lassen sich bereitwillig fotografieren. Manche Schicksale unterscheiden sich dramatisch von denen der Einwohner New York Citys, andere sind ganz ähnlich.

"He's my only grandchild. Every time he does anything, I enjoy it. The other day he pulled down the TV set. I didn't even mind.”(Karachi, Pakistan)

Stanton beschreibt ganz alltägliche Begegnungen wie diese. "Er ist mein einziges Enkelkind", sagt ein Mann in weißem Gewand und Sandalen in den Straßen Karachis, Pakistan. Vor ihm sitzt ein kleiner Junge. "Jedesmal, wenn er irgendetwas macht, habe ich Spaß daran. Neulich hat er den Fernseher heruntergerissen. Mich hat es nicht einmal gestört."

Aber auch dramatische Momente hält er fest. "Ich bin aus einer gewaltsamen Beziehung geflohen und weiß nicht, wohin", sagt eine Frau in Lahore, Pakistan. Sie trägt ein gelbes Kleid, ein Kind auf dem Arm. "Ich habe Hepatitis C, niemand lässt mich hinein. Ich weiß nicht, wie lange ich noch leben wollte. Ich habe versucht, sie zur Adoption freizugeben, so dass sie ein gutes Zuhause hat. Aber als ich dort angekommen bin, konnte ich es nicht über mich bringen."

We have located the woman from yesterday's post, and are in contact with her. We also have someone in Lahore who is...

Fast 500.000 Menschen haben Anteil an der Geschichte genommen, über 30.000 Mal ist sie bei Facebook geteilt worden. Eine Spendenadresse wurde eingerichtet. "Hoffentlich können wir bei ihrer Heilung helfen und dass sie zurück auf ihre Füße kommt", schreibt Stanton.

Andere Begegnungen lassen schmunzeln, das mehr als 5000 Kilometer entfernte Pakistan so nah wirken. "Wenn mir langweilig ist, rufe ich Radio Pakistan an und wünsche mir ein Lied, dann fange ich an zu tanzen. Ich tanze sogar an regnerischen Tagen", sagt ein freundlich dreinblickender Mann im Gebirge von Passu, Pakistan. "Es ist mein Weg zu zeigen, wie dankbar ich bin. Ich bin der glücklichste Mensch in Pakistan."

Hier geht es zu einer Auswahl von Brandon Stantons Geschichten aus Pakistan und dem Iran.