Holland: Verbot von Luftballons zum Schutz von Vögeln und Stränden

Tödlicher Plastikmüll : Niederländische Gemeinden verbieten Luftballons

Mit Helium gefüllte Luftballons sind in den Niederlanden in immer mehr Städten und Gemeinden verboten. Umweltschützer hierzulande würden das ebenfalls begrüßen.

Zu Hochzeiten oder Geburtstagen steigen sie zu Hunderten in den Himmel: mit Helium gefüllte Luftballons. Daran befestigt sind meist gute Wünsche – die jedoch oft nichts Gutes bewirken. Denn Vögel, Fische und andere Tiere könnten die Reste der Ballons fressen oder sich in den Schnüren verheddern.

Deshalb setzen sich niederländische Umweltschützer mit der Kampagne „Geen ballon meer in de Noordzee“ für das Verbot von Luftballons ein. Mit Erfolg: In 59 Städten und Gemeinden ist das Aufsteigenlassen von Ballons inzwischen bereits komplett verboten oder nur unter Auflagen erlaubt. Das berichten mehrere niederländische Medien übereinstimmend.

Wie eine interaktive Karte zeigt, dürfen Ballons unter anderem in den großen Städten Amsterdam, Den Haag und Utrecht nicht mehr gen Himmel steigen. Auch in Teilen von Zeeland, an vielen Küsten des Ijsselmeers oder auf den Nordseeinseln Texel und Ameland sind „Ballonoplatingen“ – so der niederländische Begriff – verboten.

Viele Städte und Gemeinden haben sich erst in jüngerer Vergangenheit für den Luftballon-Bann entschieden. Bei einer Abfrage der Umweltschützer von „Geen ballon meer in de Noordzee“ zeigte sich, dass sich der Anteil der Städte mit Luftballon-Verboten binnen eines Jahres auf 17 Prozent verdreifacht hat. Weitere 20 Prozent der Landesteile warnen vor den Gefahren, die das Ballonaufsteigen für Umwelt und Tiere bedeuten. Dort gibt es Auflagen und es drohen Strafen. Zu den betroffenen Orten zählen unter anderem die bei deutschen Urlaubern beliebten Strandregionen Katwijk, Noordwijk und Zandvoort.

Hintergrund des Verbots ist der Tod vieler Seevögel. Australische Forscher haben eine Studie veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen Luftballons und dem Sterben von Vögeln herstellt. „Ballons oder Ballonteile sind der tödlichste Müll im Meer“, schreibt Lauren Roman von der University of Tasmania. Ihre Studie zur Sterblichkeit von Seevögeln wurde Anfang März vom Fachblatt „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Darin untersuchten sie und ein Forscherteam 1733 tote Vögel, die in Australien und Neuseeland geborgen wurden. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass jeder dritte davon Plastik im Magen hatte. Die Todesursache bei vielen Vögeln waren Verstopfungen im Magen-Darm-Trakt und damit verbundene Komplikationen und Infektionen.

Besonders gefährlich ist laut der Studie das sogenannte weiche Plastik. Demnach ist für einen Vogel, der nur einen einzigen Luftballon-Fetzen frisst, das Sterberisiko 32 Mal höher als bei Formen von härterem Plastik. Insgesamt stirbt jeder fünfte Vogel, der ein Stück Plastikmüll frisst.

Dieses Problem gibt es nicht nur an den niederländischen Küsten, sondern auch in Nordrhein-Westfalen. „Das ist Verteilung von Müll in der Landschaft, wenn man einen Luftballon fliegen lässt“, sagt Birgit Königs, Pressesprecherin des Natuschutzbundes NRW (Nabu). Ein Verbot fordert der Nabu nicht. Trotzdem würde er es begrüßen, wenn auch hierzulande Gemeinden das Aufsteigen von Luftballons untersagen. „Das heißt ja nicht, dass man mit Luftballons keinen Spaß mehr haben kann. Es muss nur im Innenraum stattfinden“, sagt Königs. Das würde sicherlich auch das Nachbarland freuen. „Wenn wir hier in NRW einen Ballon aufsteigen lassen, kann der durch Wind oder Flüsse schnell an der Küste landen“, sagt Königs.

Ein generelles Verbot zeichnet sich jedoch weder in den Niederlanden noch in Deutschland ab. Erst im Dezember 2018 einigten sich EU-Parlament und Mitgliedsstaaten auf Verbote für viele Einweg-Plastikartikel wie Strohhalme oder Wattestäbchen. Der Antrag der Grünen, die „vorsätzliche Freisetzung in die Atmosphäre“ von Luftballons bei öffentlichen und privaten Anlässen komplett zu verbieten, fiel dabei schon im Vorhinein durch.

(kron)
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