Präsident Medwedew: "Hintermänner werden vernichtet"

Präsident Medwedew: "Hintermänner werden vernichtet"

Moskau (RPO). Nach dem Doppelanschlag mit mindestens 38 Toten in der Moskauer U-Bahn hat die russische Regierung einen harten Kampf gegen den Terrorismus angekündigt. Der russische Präsident Medwedew legte am Abend rote Rosen für die Opfer an einem der betroffenen U-Bahnhöfe nieder und versprach, die Hintermänner zu finden und zu "vernichten".

Auch Regierungschef Wladimir Putin hatte zuvor erklärt, er wolle die mutmaßlichen Hintermänner "fangen und vernichten". Medwedew sagte laut russischen Nachrichtenagenturen bei einer Krisensitzung, Russland werde den Kampf gegen Terrorismus "ohne Zögern und bis zum Ende" fortführen.

Merkel: Bestürzung und Abscheu

Die internationale Gemeinschaft zeigte sich entsetzt: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte nach den Worten eines Regierungssprechers "mit Bestürzung und Abscheu". Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschläge "auf das Schärfste".

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte in New York, die demokratischen Länder müssten gemeinsam gegen den Terrorismus kämpfen. Obama sprach von "schrecklichen terroristischen Akten". UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte die Hoffnung, dass die Hintermänner bald gefasst würden.

Zwei Selbstmord-Attentäterinnen hatten am Morgen in der U-Bahn im Moskauer Zentrum mindestens 38 Menschen mit in den Tod gerissen. Weitere 64 Menschen wurden laut Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu verletzt, als die Bomben an den Stationen Park Kultury und Lubjanka detonierten. Über der Station Lubjanka liegt die Zentrale des Geheimdienstes FSB.

Attentäterinnen trugen Bomben am Körper

  • Fotos : Chronik der U-Bahn-Anschläge in Russland

Die erste Explosion ereignete sich im Berufsverkehr gegen 07.57 Uhr (Ortszeit, 05.57 Uhr MESZ) in einem U-Bahnzug in der Station Lubjanka. Etwa eine halbe Stunde später detonierte eine zweite Bombe in einem Zug in der Station Park Kultury. Augenzeugen berichteten von Panik unter den Fahrgästen. Die Polizei riegelte mehrere U-Bahn-Durchgänge ab. Der Verkehr auf den betroffenen Linien wurde zwischenzeitlich eingestellt, am Abend eröffnete die Station Lubjanka wieder. Täglich nutzen rund 8,5 Millionen Menschen die Moskauer U-Bahn.

Ein FSB-Sprecher sagte, nach ersten Erkenntnissen sei der Doppelanschlag von zwei Selbstmord-Attentäterinnen verübt worden. Die beiden Frauen hätten den Sprengstoff vermutlich am Körper getragen, sagte Chefstaatsanwalt Juri Sjomin. Aufnahmen von Sicherheitskameras zeigten sie in Begleitung von zwei weiteren Frauen, nach denen gefahndet werde.

Rebellenchef Doku Umarow im Visier

Nach Einschätzung des auf die Beobachtung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmens IntelCenter deutet vieles darauf hin, dass die Gruppierung Kaukasus-Emirat des tschetschenischen Rebellenchefs Doku Umarow hinter dem Doppelanschlag steckt.

Umarow will im Nordkaukasus einen islamischen Staat errichten und hatte sich zu dem Anschlag auf den "Newski-Express" bekannt. Der Schnellzug war Ende November auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg durch eine Explosion entgleist. Es wurden 28 Menschen getötet.

(AFP/csi)