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Hilfsorganisation ONE warnt: 130 Millionen Mädchen ohne Bildung

Hilfsorganisation : 130 Millionen Mädchen haben keinen Zugang zu Bildung

"Armut ist sexistisch" heißt der Bericht, den die Hilfsorganisation ONE zum Weltfrauentag am Mittwoch vorstellt: Demnach haben 130 Millionen Mädchen keinen Zugang zu Bildung. Die Folge sei Elend.

Zum Weltfrauentag drängt die Hilfsorganisation ONE auf gezielte Investitionen in die Bildung von Mädchen. "Wir werden extreme Armut niemals beenden, wenn wir der Bildung keine Priorität einräumen", heißt es in dem Bericht "Armut ist sexistisch", der in Berlin vorgestellt werden soll. In Zeiten von Terrororganisationen wie dem "Islamischen Staat" (IS) oder Boko Haram sei das Thema aktueller denn je.

700 Millionen Kinderehen im Jahr

Weltweit haben demnach rund 130 Millionen Mädchen keinen Zugang zu Bildung. Bei Mädchen, die keine Schule besuchten, sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie als Kinder verheiratet würden oder sich mit Krankheiten wie HIV ansteckten. Heute würden jährlich 700 Millionen Mädchen im Kindesalter verheiratet - bis 2030 könnten es laut ONE-Berechnungen bei anhaltendem Trend fast 950 Millionen sein.

Bildung sei nicht nur für den Lebensweg der betroffenen Mädchen der entscheidende Schlüssel, so die Organisation, sondern ganze Gesellschaften könnten davon profitieren. So könnte es das Leben von bis zu 1,2 Millionen Kindern retten, wenn alle Mädchen in den Subsahara-Ländern die Sekundarstufe abschließen würden: Bei besser ausgebildeten Frauen sinke das Sterberisiko von Müttern und Kindern.

Geld und Reformen nötig

Um weltweit allen Mädchen Zugang zu Bildung zu ermöglichen, müssten die Geberländer ihre weltweiten Investitionen bis 2020 verdoppeln, so ONE. Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sollten die eigenen staatlichen Bildungsausgaben auf einen Anteil von 5,8 Prozent am Bruttoinlandsprodukt steigern. Geld allein reiche jedoch nicht, mahnen die Helfer. "Die Mittelzuwächse müssen von Reformen in den betroffenen Ländern begleitet werden." So brauche es mehr Lehrkräfte sowie bessere Angebote zu Schulung und Weiterbildung.

Wenn dies nicht gelinge, "droht eine Katastrophe, deren Folgen auch wir spüren werden", warnt ONE mit Blick auf Extremismus, für den arme Gesellschaften besonders anfällig seien. Rund 2,9 Millionen Kinder benötigten im Nordosten Nigerias derzeit Notschulprogramme, nachdem Boko Haram die Region destabilisiert habe. Die Terrororganisation, deren Name übersetzt etwa "Westliche Bildung ist Sünde" bedeutet, sorgte für weltweites Entsetzen, als sie vor drei Jahren 276 Schülerinnen aus Chibok verschleppte. Die Welt müsse sich "diesem akuten Angriff auf Bildung stellen", betont ONE.

(juju)