Heiko Maas nach Madeira-Busunglück: „Arbeiten mit Hochdruck daran, die Verletzten nach Hause zu bringen“

Maas verspricht schnelle Hilfe : Angehörige der Unfallopfer reisen nach Madeira

29 Menschen sind bei dem schweren Busunglück auf Madeira ums Leben gekommen, die meisten davon waren wohl Deutsche. Für Außenminister Heiko Maas hat die Hilfe für die Verletzten höchste Priorität. 16 sind noch in Behandlung.

Auch am zweiten Tag nach dem schweren Busunfall auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira ermitteln die Behörden weiter zur Unfallursache und versuchen, die hauptsächlich deutschen Opfer zu identifizieren. Augenzeugen zufolge könnte das Unglück mit 29 Toten auf ein Bremsversagen zurückgehen. Der verletzte Busfahrer konnte bislang nicht befragt werden.

Außenminister Heiko Maas (SPD) war am Gründonnerstag auf die portugiesische Atlantikinsel gereist. Er traf dort seinen Amtskollegen Augusto Santos Silva, besuchte die Unglücksstelle, an der er einen Kranz niederlegte, und dankte den Hilfskräften.

Maas und sein portugiesischer Amtskollege Augusto Santos Silva bei einer Schweigeminute am Unglücksort. Foto: REUTERS/RAFAEL MARCHANTE

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Verletzten, die transportfähig sind, nach Hause zu bringen“, sagte Maas am Abend. Außerdem würden die Angehörigen der Gestorbenen informiert. Ein weiterer Termin des Ministers vor der Rückreise nach Deutschland war ein Besuch im Krankenhaus.

Angehörige der Unfallopfer reisten am Freitag auf die portugiesische Ferieninsel. „Erste Angehörige sind auf dem Weg nach Madeira und werden dort von den Fachkräften in Empfang genommen und unterstützt“, teilte der Reiseveranstalter trendtours auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mit. Das Unternehmen habe ihnen diese Möglichkeit angeboten.

Leichtverletzte könnten umgehend die Heimreise antreten. „Wir haben für unsere Gäste ausreichend Flugkontingente organisiert, so dass jeder auf eigenen Wunsch nach Hause reisen kann“, hieß es. Die Behörden und trendtours wollten die Betroffenen „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ nach Deutschland ausfliegen und sie dort mit ihren Angehörigen zusammenbringen.

Unter den 29 Todesopfern sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin wahrscheinlich 27 deutsche Staatsangehörige, darunter vermutlich auch Bürger aus Nordrhein-Westfalen. Nach portugiesischen Medienberichten könnten auch zwei Einheimische ums Leben gekommen sein. Die Identifizierung der Opfer soll nach Angaben des Krankenhauses Dr. Nélio Mendonça in Funchal voraussichtlich bis Samstag abgeschlossen sein. Das Krankenhaus hofft darauf, die sterblichen Überreste der Opfer ab Samstag an die Angehörigen übergeben zu können.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) bat am Donnerstag um Verständnis dafür, dass die genaue Zahl der deutschen Opfer noch nicht mitgeteilt werden könne. Diese werde auch aus Respekt vor den Angehörigen erst dann veröffentlicht, wenn alle Angehörigen informiert worden seien und Gewissheit über die Identität jedes Opfers bestehe.

27 Menschen wurden bei dem Unfall verletzt, die meisten von ihnen sind laut Medienberichten ebenfalls Deutsche. Unter den Verletzten sind auch der portugiesische Busfahrer und ein Reiseführer gleicher Nationalität. Am Freitag zitierte die Online-Zeitung „Observador“ die Klinikleitung in Funchal, 16 der Verletzten würden noch behandelt. Zwei von ihnen lägen weiter auf der Intensivstation. In Lebensgefahr befinde sich aber niemand mehr.

Die Urlauber wollten am Mittwoch vom Hotel Quinta Splendida im östlich der Inselhauptstadt gelegenen Ort Caniço zu einem traditionellen Abendessen nach Funchal fahr. Ihr Bus fuhr eine leicht abschüssige Straße hinunter und bog dann links ab. In der Kurve kam er - nur rund 250 Meter vom Hotel entfernt - von der Fahrbahn ab. Der Bus stürzte mehrere Meter tief und schlug in ein Haus ein.

Mehrere Tote bei Busunglück auf Madeira

Der verunglückte Bus war erst fünf bis sechs Jahre alt. Der Mann am Steuer galt als erfahrener Fahrer. Die Behörden warnten vor vorschnellen Festlegungen auf eine Unfallursache, bevor eindeutige Ermittlungsergebnisse vorliegen.

Noch bis Samstag gilt in ganz Portugal eine dreitägige Staatstrauer. Die sehr gebirgige „Blumeninsel“ Madeira ist neben der Algarve das beliebteste Reiseziel der Deutschen in Portugal.

(hebu/dpa/AFP)
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