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Nach dem Erdbeben in Chile: Hawaii erwartet Tsunami

Nach dem Erdbeben in Chile : Hawaii erwartet Tsunami

Honolulu (RPO). Das Erdbeben vor Chile sorgt mitten im Pazifik für Panik: Auf Hawaii hat aus Furcht vor einem Tsunami die Evakuierung der Küstengebiete begonnen. Auch in Neuseeland und Australien kamen erste Wellen an. Sie richteten zunächst aber keine nennenswerten Schäden an.

Die ersten Tsunami-Wellen hätten den US-Bundesstaat Hawaii erreicht, teilte das US-Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik mit. Die Höhe der Wellen werde noch ermittelt. Fernsehberichten zufolge entstanden zunächst keine größeren Schäden. Weitere Wellen könnten aber noch Stunden später anrollen. In Hawaii waren tausende Menschen in Sicherheit gebracht worden, zum ersten Mal seit 16 Jahren warnten Sirenen vor einem herannahenden Tsunami.

Bereits am Samstagmorgen heulten überall auf der Insel Warnsirenen. An Tankstellen und Supermarktkassen bildeten sich lange Schlangen. Die Bewohner des US-Bundesstaats Hawaii waren beunruhigt. Die Behörden rieten dringend, sich in höher gelegene Gebiete der bergigen Inseln zu begeben - und sich mit Vorräten für fünf bis sieben Tage einzudecken.

"Verlassen Sie die Küste. Wir schließen alle Strände und bitten die Menschen, das Gebiet zu verlassen", hieß es am Samstag in einem Aufruf des Zivilschutzes von Oahu. "Alle Strände sind gefährdet, egal, in welche Richtung sie liegen", erklärte das Tsunami-Zentrum, das für den gesamten Pazifik eine Warnung vor der Flutwelle ausgegeben hat.

Busse fuhren die Strände ab und nahmen Badegäste mit in höher gelegene Parks. Die Aktion wurde auf fünf Stunden veranschlagt. Die Flutwellen sollten die Insel gegen 11:20 Uhr Ortszeit (22:20 MEZ) erreichen. In Honolulu wurden sie etwa eine halbe Stunde später erwartet.

Experten zufolge muss sich der US-Bundesstaat auf Wellen in einer Höhe von zwei Metern einstellen. Andere Schätzungen lagen höher, der Geophysiker Victor Sardina vom Tsunami-Zentrum hielt dies aber nicht für wahrscheinlich. Der Tsunami werde aus einer Serie von mehreren Wellen bestehen, sagte Sardina Reuters. Am stärksten gefährdet war demnach die Bucht Hilo. "Die Form der Bucht begünstigt einen hohen Wellengang", sagte Sardina. Der Tsunami wird demnach später auch Kalifornien und Alaska erreichen. Dort dürften die Folgen aber minimal bleiben, sagte Sardina.

Unterdessen hat US-Präsident Barack Obama seine Landsleute zur größten Vorsicht ermahnt. Alle Warnungen an die Bewohner der Westküste und der US-Gebiete im Pazifik müssten unbedingt beachtet werden, betonte Obama am Samstag nach Beratungen mit Kabinettsvertretern und ranghohen Beamten im Weißen Haus. Die Behörden seien darauf eingestellt, dass eine hohe Flutwelle die Hawaii-Inseln sowie Amerikanisch-Samoa und Guam heimsuchen könnte. Dort wurde zuvor überall die höchste Tsunami-Warnstufe aufgerufen.

Sämtliche Pazifikstaaten bedroht

Zudem wurden für weite Gebiete des pazifischen Raums Tsunami-Warnungen ausgerufen. Sie galten unter anderem für mehrere Staaten in Südamerika sowie für Hawaii, Kalifornien, Alaska, Australien, Neuseeland, Indonesien, Taiwan, die Philippinen, Russland und viele Pazifikinseln. Bis eine Flutwelle die Küsten Asiens erreichen würde, könnten 24 Stunden vergehen, hieß es. Messdaten hätten gezeigt, dass sich ein Tsunami aufgebaut habe, der großen Schaden anrichten könne, erklärte das Pazifische Warnzentrum.

Bis zu 1,5 Meter hohe Wellen trafen auf die Ostküste Neuseelands. Auf den Chatham-Inseln wurden bis zu drei Meter hohe Wasserwände befürchtet. Die Bewohner der Chatham-Inseln sowie von Tonga und den Cook-Inseln im Südpazifik brachten sich in höhergelegenen Gebieten in Sicherheit.

Auch in Australien waren die ersten Auswirkungen des Tsunamis zu beobachten. Vor Tasmanien sei der Wasserspiegel um einige Zentimeter angestiegen, teilten die Behörden mit. Vor der Ostküste sei mit einem Anstieg des Pegels um 40 Zentimeter und starken Strömungen zu rechnen.

Kleine Welle in Französisch Polynesien

Erste Ausläufer der Welle haben bereits die Pazifikinseln Französisch-Polynesien erreicht. Mehrere kleinere Wellen seien an den Küsten von Tahiti und der Gambier-Inseln angekommen, teilte die Regierung des französischen Außengebiets mit. Nun sei der Tsunami auf dem Weg nach Bora Bora. Die Wellen erreichten nach Angaben des seismologischen Zentrums von Tahiti lediglich eine Höhe von 36 Zentimeter. Die Behörden forderten Bewohner und Touristen auf, sich von den Stränden fernzuhalten und höher gelegene Gebiete aufzusuchen. Schulen blieben geschlossen, auch wurden zahlreiche Straßen zu den Küsten gesperrt.

Der Präsident des Gebiets beruhigte die Bevölkerung. Die Bewohner wüssten mit Wirbelstürmen und Hurrikanen umzugehen, sagte Gaston Tong Sang. "Wir werden wachsam sein, aber die Natur ihren Weg gehen lassen", sagte er dem französischen Radiosender France Info.

Wenige Minuten nach dem Erdstoß wurden an der chilenischen Küste mindestens elf Städte von einem Tsunami überrollt. Die 2,3 Meter hohe Flutwelle traf unter anderem die Stadt Talcuhuano nördlich von Concepción, wie das US-Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik (NOAA) bekanntgab. Die 700 Kilometer vor der chilenischen Pazifikküste gelegene Robinson-Crusoe-Insel wurde von mehreren gigantischen Wellen getroffen. Dort seien mindestens fünf Menschen gestorben, weitere elf Menschen würden vermisst, erklärten die Behörden.

Chile: Tsunami-Warnung nach schweren Erdbeben
Karte von StepMapStepMapChile: Tsunami-Warnung nach schweren Erdbeben

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tsunami-Alarm auf Hawaii

(apd/AFP/RTR/das/ndi)