Guatemala: Mehr als 20 Mädchen sterben bei Brand in Waisenhaus

Guatemala : Zahl der Toten bei Feuer in Waisenhaus steigt auf 34

Nach der Brandkatastrophe in einem Kinderheim in Guatemala ist die Zahl der getöteten Mädchen auf 34 gestiegen. 20 teils lebensbedrohlich Verletzte wurden am Donnerstag weiter stationär behandelt.

Das teilten Krankenhausmitarbeiter nach der Feuerkatastrophe mit. Laut Behördenangaben handelte es sich bei den Opfern der Katastrophe um Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren.

Randalierende Teenager sollen in dem überfüllten Waisenhaus in Guatemala Matratzen angezündet haben. In dem Heim herrschten offenbar schlimme Zustände.

Nachdem die Staatsanwaltschaft zunächst den Tod von 19 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren bestätigt hatte, starben später laut Angaben aus den Krankenhäusern weitere Teenager an ihren schweren Verbrennungen. Die Opferzahlen waren zunächst nur vorläufig, da der Brandort noch nicht komplett abgesucht sei, sagte Mayra Veliz von der Staatsanwaltschaft.

Voller Angst hatten am Mittwochnachmittag (Ortszeit) Angehörige auf Nachrichten über das Schicksal von betroffenen Familienmitgliedern gewartet. "Sie wollen keine Informationen geben", sagte die 22-jährige Rosa Aguirre, die ihre beiden 13 und 15 Jahre alten Schwestern und ihren 17 Jahre alten Bruder vermisste. Ein Feuerwehrsprecher sagte, das Schicksal der Vermissten sei unklar.

Das Feuer war in einem Heim in San José Pinula ausgebrochen, einer Ortschaft in der Nähe der Hauptstadt Guatemala-Stadt. Nach Feuerwehrangaben wurden die Verletzten mit Verbrennungen ersten, zweiten und dritten Grades in Krankenhäuser der Hauptstadt gebracht.

Für die Brandursache gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Medienberichten zufolge war in dem Heim in der Nacht zu Mittwoch eine Revolte gegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauch durch das Personal sowie schlimme Lebensbedingungen ausgebrochen. Bereits zuvor hatte es Berichte über Misshandlungen in der Unterkunft gegeben. Der Heimleitung wurde vorgeworfen, dass in dem Heim Mädchen zur Prostitution angeworben worden sein sollen. Dutzende Heimkinder seien vergangenes Jahr davongelaufen.

Das Mariä-Himmelfahrt-Heim war 2006 gebaut worden. In der vom staatlichen Wohlfahrtdienst überwachten Einrichtung lebten Minderjährige, die in ihren Familien misshandelt wurden oder auf der Straße lebten. Vorgesehen war das Heim für 400 Bewohner, Medienberichten zufolge lebten dort aber fast doppelt so viele. Ein Ex-Mitarbeiter der Einrichtung bezeichnete das Heim als "Zeitbombe". Das Klima dort sei gewalttätig gewesen.

Kerzen brennen während einer Andacht für die Opfer des verheerenden Feuers in dem Jugendheim. Foto: rtr, SM/KV

Guatemalas Präsident Jimmy Morales ordnete in einer Fernsehansprache drei Tage Staatstrauer an. Der Leiter des Heims sei entlassen worden, sagte Morales. Unicef bezeichnete das Unglück als "Tragödie". Die Kinder und Jugendlichen dort "müssen geschützt werden", erklärte das UN-Kinderhilfswerk im Kurzbotschaftendienst Twitter. Guatemalas Parlament hielt eine Schweigeminute für die Brandopfer ab.

Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. "Der Vorfall ist sehr bedauerlich. Als Staat müssen wir uns fragen: Was tun wir?", sagte Generalstaatsanwältin Thelma Aldana. Der Kongress forderte die verantwortlichen Beamten zum Rücktritt auf. Zudem beantragten die Abgeordneten die Schließung des Heims.

(oko/dpa/ap/AFP/KNA)
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