Räumung im Juli angeordnet: Größtes Roma-Lager von Marseille geräumt

Räumung im Juli angeordnet: Größtes Roma-Lager von Marseille geräumt

Die französische Stadt Marseille hat am Montag das größte Wohnlager von Roma-Familien geräumt. Das von rund 400 Personen illegal bewohnte Lager im Stadtteil "La Capelette" wurde von Bulldozern zerstört, wie die Tageszeitung "Le Monde" am Montag berichtete.

Die Justiz hatte die Räumung bereits im Juli angeordnet und den Roma zwei Monate Zeit gegeben, das Lager zu verlassen. Sie hatten seit mehr als einem Jahr in dem Camp gewohnt.

"Der Staat handhabt das Problem mit den Roma nach wie vor gewaltsam, diskriminierend und entgegen der Grundrechte," beklagte der Vizepräsident des Verbands für Menschenrechte des Departements Bouches-du-Rhone, Jean-Claude Aparicio, laut Zeitung. Diese Politik könne nicht so weitergehen. Laut Verband werde die Räumung dazu führen, dass die Roma auf andere Lager in Marseille auswichen.
Innerhalb der Lager führe das zu noch mehr Elend.

  • Abschiebe-Affäre in Frankreich : Roma-Mädchen und Familie im Kosovo attackiert

Seit Monaten steht Frankreichs Regierung wegen Roma-Vertreibungen in der Kritik. Zwar hat die französische Regierung im August beschlossen, die Arbeitsmarktbeschränkungen für Roma-Angehörige aus Bulgarien und Rumänien zu lockern, um damit ihre Integration zu fördern. Dennoch setzt sich Frankreichs Präsident Francois Hollande weiterhin gegen illegale Roma-Lager ein. In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Räumungen.

In dem südfranzösischen Departement Bouches-du-Rhone leben laut "Le Monde" rund 2.000 Roma, davon 1.500 im Hauptort Marseille. Rund 20.000 Roma aus Rumänien und Bulgarien sollen in ganz Frankreich untergebracht sein. Es soll rund 400 Wohnlager geben. Bereits im September hatten in Marseille wütende Anwohner mehrere Roma-Familien aus ihren Lagern vertrieben. Die Bürger zündeten laut Medienberichten die zurückgelassenen Besitztümer und Überreste des Camps an. Rund 35 Roma-Angehörige hatten sich wenige Tage zuvor in ihrer Siedlung niedergelassen. Die Anwohner warfen ihnen vor, in Gebäude einzudringen und alles schmutzig zu machen.

(KNA)
Mehr von RP ONLINE