Gerüchte über gesteuerte Migration Griechenland fürchtet Flüchtlingsflut aus der Türkei

Athen/Istanbul · Griechenlands Regierung befürchtet, dass bald wieder viele Migranten versuchen könnten, aus der Türkei einzureisen. Angeblich gibt es Informationen, dass die Türkei eine große Zahl von Migranten aus dem Landesinneren an die Küste der Ägäis gebracht hat.

 Ein griechischer Polizist steht an einem Loch im Zaun an der griechisch-türkischen Grenze (Archiv-/Symbolbild).

Ein griechischer Polizist steht an einem Loch im Zaun an der griechisch-türkischen Grenze (Archiv-/Symbolbild).

Foto: dpa/Yasin Akgül

Das sagte der griechische Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos dem griechischen Nachrichtensender Skai am Dienstag. Diese Menschen könnten in den kommenden Tagen versuchen, zu den griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos und damit in die EU überzusetzen.

Schiffe der griechischen Kriegsmarine verstärken bereits seit dem Osterwochenende die Küstenwache im Osten der Ägäis. „Die Verhinderung der Einreise von Menschen, die illegal ins Land kommen wollen, das ist der Befehl für alle Sicherheitskräfte zu Land und zur See“, sagte Panagiotopoulos dem Sender Skai weiter.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Ende Februar erklärt, die Grenze zur EU sei für Flüchtlinge und andere Migranten offen. Daraufhin machten sich Tausende Menschen auf den Weg, um auf dem Landweg aus der Türkei nach Griechenland zu gelangen. Griechenland ließ sie jedoch nicht passieren. Ein provisorisches Lager der Migranten auf der türkischen Seite der Grenze hatten die Behörden Ende März offiziell wegen der Verbreitung des Coronavirus aufgelöst. Die Migranten wurden in eine zweiwöchige Quarantäne geschickt.

Die Vorsitzende des Menschenrechtsvereins IHD in Istanbul, Gülseren Yoleri, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, nach der Quarantäne seien Hunderte Migranten auf freiwilliger Basis zunächst in die Küstenstadt Izmir sowie in die an den Dardanellen gelegene Provinz Canakkale gebracht worden. Nach ihren Informationen hätten die Behörden die Migranten in Izmir am Dienstag weggebracht, in Canakkale harrten aber noch immer einige von ihnen aus.

Gülseren betonte, Migranten hätten ihr gesagt, sie seien nach der Quarantäne vor die Wahl gestellt worden: Entweder sie könnten in die Provinzen zurück, in denen sie ursprünglich registriert waren, oder sie würden an die Küste gebracht. Einige Migranten hätten sich für die Küste entschieden, weil sie ohnehin alles aufgegeben hätten, als sie sich Ende Februar auf zur griechischen Grenze gemacht hatten.

Ein Flüchtlingspakt mit der EU von 2016 sieht eigentlich vor, dass die Türkei illegale Migration in die EU stoppt und Migranten zurücknimmt, die kein Asyl in Griechenland bekommen. Im Gegenzug erhält sie unter anderem finanzielle Hilfe. Erdogan kritisierte, die EU habe ihre Versprechen nicht gehalten. EU-Politiker warfen Erdogan vor, Flüchtlinge für seine politischen Ziele auszunutzen.

(felt/dpa)
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