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Glock, Beretta, Smith&Wesson: Mexiko verklagt US-Waffenhersteller auf zehn Milliarden Dollar

17.000 Tote durch geschmuggelte Waffen : Mexiko verklagt US-Waffenhersteller auf zehn Milliarden Dollar

Allein im Jahr 2019 sollen 17.000 Tötungsdelikte mit geschmuggelten Waffen aus den USA geschehen sein. Deshalb verklagt die mexikanische Regierung amerikanische Waffenhersteller vor einem US-Bundesgericht auf mindestens zehn Milliarden Dollar.

In der Klageschrift, die am Mittwoch in Boston eingereicht wurde, hieß es, mit ihrer Fahrlässigkeit und illegalen Geschäftspraktiken hätten die Unternehmen großes Leid in Mexiko verursacht. Die Klage richtet sich gegen einige der größten Namen im Waffengeschäft, darunter Smith & Wesson, Beretta und Glock. Ebenfalls als Kläger benannt wurde Interstate Arms, ein Großhändler, der Schusswaffen an Händler im ganzen Land verkauft.

Die mexikanische Regierung führt an, die Unternehmen wüssten, dass ihre Geschäftspraktiken zum Waffenschmuggel nach Mexiko beitrügen und förderten ihn noch. Die Regierung „erhebt diese Klage, um den massiven Schaden zu beenden, den die Beklagten verursachen, indem sie den illegalen Verkauf ihrer Waffen an Drogenkartelle und andere Kriminelle in Mexiko aktiv unterstützen“, hieß es in der Klageschrift. Es wurde darauf verwiesen, dass die überwiegende Mehrheit der an mexikanischen Tatorten sichergestellten Waffen aus den USA illegal eingeführt wurde.

Die Regierung schätzt nach Angaben des Außenministeriums, dass 70 Prozent der nach Mexiko geschmuggelten Waffen aus den USA stammen. Und dass allein im Jahr 2019 mindestens 17.000 Tötungsdelikte mit geschmuggelten Waffen in Verbindung gebracht werden. Daraus leitet das Ministerium konkrete finanzielle Schäden ab. Alejandro Celorio, Rechtsberater des Ministeriums, erklärte, der durch die geschmuggelten Waffen verursachte Schaden mache 1,7 bis 2 Prozent des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts aus. Die Regierung werde deshalb eine Entschädigung in Höhe von mindestens zehn Milliarden Dollar fordern. „Wir machen das nicht, um die Vereinigten Staaten unter Druck zu setzen“, sagte Celorio. „Wir tun es, damit es in Mexiko keine Toten gibt“.

In Mexiko ist der Verkauf von Schusswaffen streng reglementiert und wird vom Verteidigungsministerium überwacht. Tausende Waffen werden jedoch von den mächtigen Drogenkartellen des Landes nach Mexiko geschmuggelt.

Im vergangenen Jahr wurden in Mexiko mehr als 36 000 Morde begangen, und die Zahl ist trotz des Versprechens von Präsident Andrés Manuel López Obrador, das Land zu befrieden, unverändert hoch. Die landesweite Mordrate betrug 2020 unverändert 29 pro 100 000 Einwohner. Im Vergleich dazu lag die Mordrate in den USA 2019 bei 5,8 pro 100 000 Einwohner.

Im August 2019 tötete ein Mann in einem Supermarkt im texanischen El Paso 23 Menschen, darunter einige mexikanische Staatsbürger. Damals sagte Außenminister Marcelo Ebrard, die Regierung werde ihre rechtlichen Möglichkeiten ausloten. Die Regierung erklärte am Mittwoch, dass die jüngsten Urteile von US-Gerichten zu ihrer Entscheidung beigetragen hätten, die Klage einzureichen.

Konkret wurde eine Entscheidung in Kalifornien genannt, wo eine Klage gegen Smith & Wesson zugelassen wurde. Außerdem nannte die Regierung eine Klage gegen Century Arms im Zusammenhang mit einer Schießerei im Jahr 2019 in Gilroy, Kalifornien, und verwies auf einen Vergleich in Höhe von 33 Millionen Dollar, den der Hersteller Remington mit einigen der Familien erzielte, deren Kinder beim Schulmassaker 2012 in Newtown im US-Staat Connecticut getötet wurden.

(felt/dpa)