Brief mit tödlichem Ricin abgefangen: Giftanschlag auf New Yorker Bürgermeister

Brief mit tödlichem Ricin abgefangen : Giftanschlag auf New Yorker Bürgermeister

An New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sind zwei Briefe mit Spuren des hochgefährlichen Gifts Rizin geschickt worden. Die Schreiben enthielten Drohungen wegen Bloombergs Engagement für striktere Waffengesetze in den USA, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Der Bürgermeister erklärte, er werde sich nicht einschüchtern lassen.

Ein verdächtiger Brief wurde den Angaben zufolge bereits am vergangenen Freitag in der Poststelle der New Yorker Stadtverwaltung abgefangen. Bei einigen der Polizisten, die dort mit der verdächtigen Substanz in Kontakt geraten seien, seien leichte Anzeichen einer Rizinvergiftung aufgetreten. Mittlerweile seien die Symptome abgeklungen.

Ein zweites Schreiben ging an den Direktor der von Bloomberg ins Leben gerufenen Organisation Bürgermeister gegen illegale Waffen, Mark Glaze. Der Vereinigung gehören nach eigenen Angaben mehr als 950 Bürgermeister aus den USA an, die ein schärferes Waffenrecht fordern. Glaze hatte das Kuvert am Sonntag in Washington geöffnet.

In beiden Umschlägen sei eine "pink-orange, ölige Substanz" gefunden worden, erklärte die Polizei. Erste Tests hätten auf Spuren von Rizin hingedeutet, endgültige Ergebnisse würden bis Freitag erwartet. Das Gift lähmt die Atemwege und kann bei Verschlucken bereits in kleinsten Dosen tödlich wirken.

Laut Polizei enthielten die Schreiben "anonyme Drohungen" im Zusammenhang mit der Debatte um schärfere Waffengesetze in den USA. Der Nachrichtensender CNN meldete, dass beide Briefe aus dem gleichen Ort im Bundesstaat Louisiana abgeschickt worden seien. Das FBI schaltete sich in die Ermittlungen ein.

Bloomberg streitet bereits seit Jahren für ein strengeres Waffenrecht. Die Debatte wurde durch den Amoklauf an der Grundschule von Newtown Mitte Dezember angeheizt, als ein junger Mann 20 kleine Kinder erschoss. Der New Yorker Bürgermeister unterstützte Obamas Forderungen, den Verkauf von militärisch anmutenden Waffen an Privatleute zu verbieten und strengere Überprüfungen von Waffenkäufern einzuführen. Die Reformvorhaben scheiterten aber im Kongress, nachdem die mächtige Waffenlobby NRA gegen die Pläne mobil gemacht hatte.

"Die Briefe bezogen sich offenkundlich auf unsere Anti-Waffen-Bemühung", sagte Bloomberg. Angesichts der vielen Toten durch Schusswaffen in den USA "werden wir von diesen Bemühungen nicht Abstand nehmen".

In den vergangenen Jahren waren in den USA immer wieder Briefe mit Rizin verschickt worden. Erst Ende April hatten Obama, ein Senator aus Mississippi sowie eine Friedensrichterin aus dem US-Bundesstaat Giftbriefe erhalten. Die gefährlichen Sendungen alarmierten die Sicherheitsbehörden wegen der zeitlichen Nähe zum Anschlag auf den Bostoner Marathonlauf. Am Ende stellte sich aber heraus, dass dahinter offenbar ein bizarrer Streit stand: Ein 41-jähriger Mann aus Mississippi steht im Verdacht, er habe mit den Giftbriefen den Verdacht auf einen Widersacher lenken und diesen so ins Zwielicht rücken wollen.

(AFP/jco/felt)
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