Kindermörder beantragt Haft-Entlassung: Gespenst Dutroux sucht Belgien wieder heim

Kindermörder beantragt Haft-Entlassung : Gespenst Dutroux sucht Belgien wieder heim

Für nicht wenige in Belgien scheint schon der Gedanke unerträglich: Der Kindermörder Marc Dutroux auf freiem Fuß. Doch er sieht das offenbar anders.

Am Montag hat der als meistgehasster Mann des Landes verschrieene Häftling von seinem verbrieften Recht Gebrauch gemacht und persönlich in der Hauptstadt die vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis beantragt, um die Strafe zunächst mit einer elekronischen Fußfessel im Hausarrest abzusitzen.

Allerdings will der heute 56-Jährige auch vorzeitig ganz freikommen, wie sein Anwalt Pierre Deutsch vor der Verhandlung sagte: "Das ist Teil unserer Pläne." Dutroux selbst wurde abgeschirmt wie ein Staatsgast.

In Brüssel, als EU-Hauptstadt an massive Polizeieinsätze gewöhnt, griffen die Behörden für den Schwerverbrecher in die Vollen. Eine Spezialeinheit eskortierte ihn, mehr als 100 Polizisten und Sicherheitsleute überwachten den Justizpalast, Metallschleusen erwarteten die internationale Presse.

Zu sehen bekamen den Mann, der schon auf das Rentenalter zugeht, nur die Wenigsten. Die Verhandlung vor der Strafvollstreckungskammer fand hinter verschlossenen Türen statt. In zwei Wochen, am 18. Februar, will sie ihr Urteil abgeben, dann in öffentlicher Sitzung.

Dutroux verfolgt die Belgier wie ein Gespenst. Die meiste Zeit verbringt er verborgen hinter dicken Gefängnismauern im Städtchen Nivelles in der Wallonie. Doch immer mal wieder taucht er in den Medien auf - zuletzt beantragte er erfolglos einen Hafturlaub - dann lässt die bloße Erwähnung des Namens die furchtbaren Geschehnisse wiederaufleben.

Zwischen Sommer 1995 und Sommer 1996 hatten Dutroux und Komplizen in Belgien sechs Mädchen entführt. Es folgten Vergewaltigungen und Misshandlungen - die Opfer waren zwischen acht und 19 Jahre alt. Zwei von ihnen verhungerten in einem unterirdischen Verließ, zwei weitere fanden die Ermittler ermordet, nur zwei Mädchen konnten sie retten.

Laetitia Delhez überlebte. Als Teenager war sie Dutroux ausgeliefert, heute kämpft sie dafür, dass Opfer bei Prozessen wie dem jetzigen um vorzeitige Haftentlassung mehr Mitsprache haben. Vergangene Woche zog sie mit diesem Ziel vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Andere wollen den sprichwörtlichen kurzen Prozess. "Pädophile aufhängen", forderte ein Häuflein Demonstransten am Montag auf einem Banner vor dem Justizpalast. Solch eine Forderung ist zwar ein Ausreißer.

Immerhin bemerkte aber auch Justizministerin Annemie Turtelboom, die Kluft zwischen einer lebenslangen Strafe und dem wirklich abzusitzenden Minimum sei für viele Bürger "schwer zu verstehen", wie sie dem TV-Sender RTL-TVI sagte.

Seit 1996 saß Dutroux hinter Gittern zunächst in Untersuchungshaft. 2004 wurde er unter anderem wegen des Todes der vier Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine frühere Ex-Frau und Ex-Komplizin Michelle Martin hatte mit ihrem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung vergangenes Jahr Erfolg. Seitdem lebt sie in einem Kloster.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Chronik des Dutroux-Falls

(AFP/nbe/das)
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