Prozess in Genf Milliardärsfamilie wegen Ausbeutung Angestellter verurteilt

Genf · Die Familie zahlte den Angestellten weniger als ein Zehntel des üblichen Lohnes. Dabei besitzt sie ein zweistelliges Milliardenvermögen. Nun tragen sie die Konsequenzen.

Die Stadt Genf von oben (Symbolbild).

Die Stadt Genf von oben (Symbolbild).

Foto: Getty Images

Ein Schweizer Gericht hat vier Mitglieder einer Milliardärsfamilie wegen Ausbeutung von Hausangestellten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Angeklagten hätten die Angestellten ohne Erlaubnis in ihrer Villa am Genfer See beschäftigt und ihnen weniger als ein Zehntel des in der Schweiz üblichen Lohn gezahlt, befand das Gericht am Freitag. Die Mitarbeiter, meist Analphabeten aus Indien, seien in Rupien auf Konten in Indien bezahlt worden, auf die sie in der Schweiz keinen Zugriff hatten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die Angestellten, unter ihnen Köche oder Haushaltshilfen, manchmal gezwungen, bis zu 18 Stunden am Tag zu arbeiten. Sie hätten die Villa im Nobelort Cologny nicht verlassen dürfen und nur wenig oder gar keinen Urlaub bekommen. Sie hätten im Keller schlafen müssen, manchmal auf einer Matratze auf dem Boden. Die Frau des Hausherren habe ein Klima der Angst verbreitet.

Als jemand vom Personal erkrankte, blieb er laut Gericht auf einer Krankenhausrechnung von mehr als 7000 Franken (gut 7300 Euro) sitzen. Die Familie zahlte schließlich die Hälfte.

Das Gericht verurteilte das Familienoberhaupt und dessen Frau zu viereinhalb Jahren Gefängnis, deren Sohn und die Schwiegertochter zu vier Jahren. Der Geschäftsleiter der Familie erhielt 18 Monate Haft. Anklagen wegen Menschenhandels wurden abgewiesen. Bei der Urteilsverkündung war nur der Geschäftsleiter anwesend.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Familie eine nicht offengelegte Einigung mit den Klägern erzielt habe. Die Verteidigung kündigte jetzt an, in Berufung zu gehen.

Das Familienoberhaupt leitet zusammen mit drei Brüdern ein Industriekonglomerat. Laut „Forbes“-Magazin beträgt das Nettovermögen der Familie etwa 20 Milliarden Dollar (rund 18,6 Milliarden Euro). Sie ließ sich Ende der 1980er Jahre in der Schweiz nieder. Das Familienoberhaupt erhielt 2000 die Schweizer Staatsbürgerschaft und wurde bereits 2007 wegen ähnlicher Anklagen verurteilt. Derzeit läuft noch ein Steuerverfahren gegen ihn. Die Schweizer Behörden haben Diamanten, Rubine, eine Platin-Halskette und anderen Schmuck der Familie beschlagnahmt, um mögliche Strafen und Anwaltskosten zu decken.

(esch/dpa)