Fridays-for-Future: Greta Thunberg ruft zum globalen Generalstreik für Klimaschutz auf

Fridays-for-Future-Bewegung : Greta Thunberg ruft zum globalen Generalstreik für Klimaschutz auf

Am Freitag werden zum zweiten Mal weltweit Menschen beim globalen Klimaprotesttag auf die Straße gehen. Wir haben Fragen und Antworten zusammengestellt.

Führende Mitglieder der Fridays-for-Future-Bewegung rufen zum globalen Generalstreik für mehr Klimaschutz. "Es ist Zeit für uns alle, massenhaften Widerstand zu leisten", schreiben die schwedische Initiatorin der Proteste, Greta Thunberg, und ihre deutsche Mitstreiterin Luisa Neubauer in einem Text, den die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag veröffentlichen will. Der Aufruf wurde demnach gemeinsam mit Jugendlichen aus aller Welt verfasst.

"Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht ganz verstanden haben, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können", heißt es laut der Zeitung in dem Appell. "Tut uns leid, wenn Sie das nicht wahrhaben wollen." Der Kampf gegen den Klimawandel sei keine Aufgabe für eine einzelne Generation - "das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit".

In einem weiteren Text melden sich laut der "Süddeutschen Zeitung" prominente erwachsene Unterstützer der vor allem von Schülern getragenen Bewegung Fridays for Future zu Wort. Auch die fordern demnach die Menschen auf der ganzen Welt auf, sich der Protestbewegung anzuschließen und am 20. September 2019 zu demonstrieren.

Zu den Unterzeichnern gehören dem Bericht zufolge die Bestseller-Autorinnen Naomi Klein und Margaret Atwood sowie der Hollywood-Schauspieler Mark Ruffalo. Auch zahlreiche namhafte Klima- und Wirtschaftsforscher unterstützten den Aufruf.

An diesem Freitag werden erneut Menschen in aller Welt für mehr Klimaschutz protestieren. Beim zweiten globalen Klimaprotesttag könnten es die Organisatoren des Netzwerks Fridays for Future schaffen, noch einmal mehr Teilnehmer zu mobilisieren als bei der ersten Auflage am 15. März. Zeit, sich die Bewegung einmal genauer anzuschauen, die längst nicht mehr bloß aus Schülern besteht. Und was macht eigentlich diese Greta Thunberg?

DIE ZAHLEN: Beim ersten globalen Klimaprotest Mitte März gingen nach Angaben von Fridays for Future etwa 1,9 Millionen Menschen auf die Straße - die Zahl variiert, weil sie regelmäßig aktualisiert wird. In 2379 Städten in 134 Ländern wurde demnach protestiert, darunter an 207 Orten in Deutschland. Diesmal soll der grenzübergreifende Protest noch größer werden: Bislang listet das Netzwerk 1623 beteiligte Städte in 119 Ländern auf - einige Hundert dürften noch dazu kommen. Beginnen werden wegen der Zeitverschiebung Neuseeland und Australien.

DIE KLIMASCHUTZIKONE: Greta Thunberg wird den globalen Protesttag in ihrer schwedischen Heimat verbringen: In Stockholm nimmt sie ab 11.30 Uhr an einem Protestmarsch teil, neben ihr werden eine Reihe Forscher und Aktivisten sprechen. In der schwedischen Hauptstadt hatte sie am 20. August 2018 - übrigens war das ein Montag, kein Freitag - damit begonnen, täglich fürs Klima zu streiken. Zweieinhalb Wochen später kündigte sie an, dies ausschließlich freitags zu tun - damit schuf sie den Slogan „Fridays for Future“ (Freitage für die Zukunft).

Aus dem still protestierenden Mädchen ist mittlerweile eine weltweit bekannte Klimaschutz-Ikone geworden, die auf der aktuellen Ausgabe des „Time“-Magazins zu sehen ist. Ihre einst einsame Aktion hat sich zu einer internationalen Klimaschutzbewegung mit Hunderttausenden Anhängern entwickelt.

Verglichen mit den Zehntausenden Menschen, die in Deutschland und Belgien für das Klima demonstrieren, ist Thunbergs wöchentlicher Protest in Stockholm verhältnismäßig klein: Nur ein paar Dutzend Mitstreiter finden sich normalerweise mit ihr auf dem Mynttorget zwischen Reichstag und Schloss ein. Am globalen Protesttag dürften es wie bereits Mitte März nun wieder Tausende sein, die die Straßen der Stadt säumen werden.

ALLE FÜR DIE ZUKUNFT: Während auf Thunbergs Protestschild seit Tag eins die Aufschrift „Schulstreik fürs Klima“ prangt, ziehen die Freitagsdemonstrationen längst nicht mehr nur Schüler und junge Studierende an. Auf Schildern ist auch von Eltern, Lehrern und Wissenschaftlern zu lesen: „Parents for Future“, „Teachers for Future“ und „Scientists for Future“. In dieser Woche unterzeichneten mehr als 1000 Unternehmen einen Katalog mit Klimaforderungen wie eine wirksame Bepreisung von CO2-Ausstößen. Der Name passt in die Reihe: „Entrepreneurs for Future“.

DIE BELGIER UND DER DONNERSTAG: In Belgien haben - wie Deutschland - die Klimaproteste besonders schnell Fahrt aufgenommen. Zu verdanken ist das den nationalen Anführerinnen Anuna De Wever und Kyra Gantois. Kurios: Die Belgier bevorzugen den Donnerstag zum Klimaprotest. Einen konkreten Grund dafür gibt es nicht - es wurde einfach von Anfang an immer donnerstags gestreikt.

Anstatt #FridaysForFuture nennen die Belgier ihren Protest deshalb wochentagsneutral #YouthForClimate (Jugend fürs Klima). Zur weltweiten Aktion gehen sie aber auch am Freitag auf die Straße - zwei Tage vor der belgischen Parlamentswahl, die parallel zur Europawahl an diesem Sonntag stattfindet.

DIE ERFOLGE: Die Bewegung wird weltweit beachtet - auch in den höchsten Etagen der Macht. Greta Thunberg lud im Vatikan den Papst persönlich ein, sich den Protesten anzuschließen. Luisa Neubauer von den deutschen Klima-Demonstranten und ihre belgische Mitstreiterin De Wever trafen unter anderem Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron bei einem EU-Gipfel. Die Kanzlerin Angela Merkel sagte gerade, die Proteste hätten „etwas verändert“, es gebe Druck auf die Politiker weltweit. Vor der Europawahl gehört Klimaschutz zu den Top-Themen der Wähler; die meisten Parteien nehmen das ernst. Jetzt muss das nur noch in konkretes, wirksames politisches Handeln münden.

(felt/AFP/dpa)
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