Das Konklave ist offiziell beendet: Franziskus feiert seine erste Messe als Papst

Das Konklave ist offiziell beendet : Franziskus feiert seine erste Messe als Papst

Noch ist der neue Papst keine 24 Stunden im Amt - schon sucht Franziskus den Kontakt zu einer anderen Religion. Außerdem hat er am Tag nach seiner Wahl seine erste Messe im Vatikan gefeiert. Er kam in der Sixtinischen Kapelle mit den 114 wahlberechtigten Kardinälen zusammen, die dort mit ihm an dem Konklave teilgenommen hatten. Der Gottesdienst "Per la Chiesa" ("Für die Kirche") beendet offiziell das Konklave.

In der ersten Messe seit seiner Wahl zum Nachfolger von Benedikt XVI. hat er davor gewarnt, dass die katholische Kirche ohne geistliche Erneuerung eine nur barmherzige Nichtregierungsorganisation werden könnte. "Wenn wir uns nicht zu Jesus Christus bekennen, bekennen wir uns zur Diesseitigkeit des Teufels", sagte der bisherige Erzbischof von Buenos Aires am Donnerstag in seiner auf Italienisch gehaltenen Predigt vor den 114 Wahlkardinälen in der Sixtinischen Kapelle.

Der neue Papst will die Beziehungen zwischen Katholiken und Juden verbessern. Gleich an seinem ersten Arbeitstag schrieb Franziskus am Donnerstag einen entsprechenden Brief an die jüdische Gemeinde in Rom. "Ich hoffe sehr, zum Fortschritt in den Beziehungen zwischen Juden und Katholiken beitragen zu können", heißt es in dem auf der Internetseite der jüdischen Gemeinde veröffentlichten Schreiben. Es müsse eine neue Atmosphäre der Kooperation geschaffen werden.

Zuvor hatte der israelische Präsident Schimon Peres die Hoffnung auf einen möglichst schnellen Besuch des neuen Papstes in seinem Land geäußert. Er lade das Oberhaupt der katholischen Kirche ein, "das heilige Land bei erster Gelegenheit zu besuchen", hieß es am Donnerstag in einer Erklärung von Peres. Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den Juden sei "in den vergangenen 2000 Jahren" nicht allzu gut gewesen. Er hoffe, dass sich die Beziehung vertiefe.

Im Jahr 2009 hatte Peres den damaligen Papst Benedikt XVI. in Jerusalem empfangen und als "guten Freund unseres Volkes" bezeichnet. Benedikt habe dazu beigetragen, die katholische Kirche und die Juden einander anzunähern, erklärte der Präsident.

Merkel kommt zur Amtseinführung

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zur Amtseinführung von Papst Franziskus nach Rom reisen. Sie freue sich darauf, an der Zeremonie teilzunehmen, sagte die CDU-Vorsitzende am Donnerstag bei ihrer Ankunft zum EU-Gipfel in Brüssel. Zugleich äußerte sich Merkel sehr positiv über den argentinischen Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der am Mittwoch zum neuen Papst gewählt worden war. Seine ersten Worte an die Menschen auf dem Petersplatz in Rom seien "außerordentlich bewegend" gewesen.

"Ich glaube, er wird auf alle Menschen auf der Welt zugehen, er wird sich um soziale Probleme kümmern, er wird sich um ökologische Probleme kümmern", sagte Merkel, die selbst Protestantin ist. "Das wird auch für die, die der katholischen Kirche nicht angehören, eine große Bereicherung sein." Die Kanzlerin begrüßte zugleich, dass erstmals ein Kardinal aus Lateinamerika zum Papst gewählt wurde. "Das zeigt, dass die Welt immer weiter zusammenwächst. Wir werden sehr interessante Impulse von ihm bekommen, da bin ich mir ganz sicher."

Gerüchte um Lungenprobleme

Gerüchte um schwere Probleme mit seiner Lunge machten am Tag nach der Wahl zum neuen Papst die Runde. Franziskus verspürt aber durch eine teilweise Entfernung des rechten Lungenflügels in der Jugend laut Vatikan keine gesundheitlichen Einschränkungen. "Ich kenne ihn seit 30 bis 40 Jahren und habe ihn immer bei bester Gesundheit erlebt", sagte Papst-Sprecher Federico Lombardi am Donnerstag in Rom. Der Eingriff sei "kein Handicap für sein Leben und für seine Aktivitäten". Im Alter von 21 Jahren musste der heute 76-jährige Franziskus nach einer schweren Lungenentzündung operiert werden.

Bis heute spricht der Argentinier betont leise und langsam. Auch bewegt er sich gemächlich und wirkt auf manchen Beobachter gebrechlich. Als Jorge Mario Bergoglio 21 Jahre alt war, wurden in seiner Lunge drei Zysten entdeckt, die herausoperiert wurden.

Während der Lungenerkrankung habe er drei Tage zwischen Leben und Tod geschwebt, heißt es in der Bergoglio-Biographie "El Jesuita" (Der Jesuit) der Journalisten Francesca Ambrogetti und Sergio Rubin. Damals habe eine Nonne zu Bergoglio gesagt, er leide und ertrage die Schmerzen wie Jesus. Das habe ihn getröstet und für sein Leben gezeichnet, erklärte Bergoglio den Buchautoren. Noch im selben Jahr sei er in das Priesterseminar eingetreten.

Der Papst spreche nicht gerne über seine Gesundheit, sagte die Biografin Ambrogetti der Zeitung "La Nación". Neben der Atembeschränkung ist über Bergoglios Gesundheit nur ein schmerzhaftes Ischiasleiden bekannt, das ihn 2007 von dem von Benedikt XVI. einberufenen Konsistorium fernhielt.

Panne bei Gratulation

Am Rande der Vorstellung des neuen Papstes hat es offenbar eine peinliche Panne gegeben: Aufgrund eines technischen Versehens hat die Italienische Bischofskonferenz am Mittwochabend zunächst dem Mailänder Kardinal Angelo Scola per E-Mail zur Wahl gratuliert. Am Donnerstag äußerte sich der Sekretär der Bischofskonferenz, Bischof Mariano Crociata, in Rom überrascht über die Wahl von Papst Franziskus. Zugleich brachte er im Namen der Bischöfe die "besondere Verbundenheit" der Bischofskonferenz Italiens mit dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zum Ausdruck. Die Wahl habe wieder einmal deutlich gemacht, dass die Kirche kein am Tisch erdachtes Gebilde, sondern eine lebendige Institution sei, die sich in stetiger Treue zu Christus verändere.

(KNA/AFP/dpa/felt)