Alarmstufe rot Über 40 Grad vorhergesagt – Hitzewarnung für Teile Frankreichs

Paris · Im Rhônetal wird die Alarmstufe rot ausgerufen. Seit dem tödlichen Sommer 2003 gilt den Altersheimen die besondere Aufmerksamkeit.

Menschen kühlen sich unter "Straßenduschen" am Ufer der Seine in Frankreich ab. Die Hitzewelle in Frankreich nimmt an Intensität zu.

Menschen kühlen sich unter "Straßenduschen" am Ufer der Seine in Frankreich ab. Die Hitzewelle in Frankreich nimmt an Intensität zu.

Foto: dpa/Miguel Medina

Wasser trinken, die Fensterläden schließen und drinnen bleiben: Die Verhaltensregeln im Falle großer Hitze liegen auch Emmanuel Macron am Herzen. Der Präsident veröffentlichte sie am Wochenende im Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) zusammen mit der Mahnung „Passen wir aufeinander auf“. Der Staatschef ist besorgt, denn am Dienstag und Mittwoch könnten in Frankreich laut dem Wetterdienst Météo France Temperaturrekorde gebrochen werden. Umweltminister Christophe Béchu kündigte an, dass für vier Départements im Rhônetal die Alarmstufe rot gelten soll. In Lyon, an der Ardèche, sowie rund um Valence und Montélimar werden mehr als 40 Grad erwartet. Sogar die Alpen werden von der ersten offiziellen Hitzewelle des Jahres nicht verschont: Die Null-Grad-Grenze soll auf 5000 Meter steigen, so dass die Gletscher am Montblanc, dem höchsten Berg Europas, schmelzen dürften.

Die „Canicule“, wie die Extremhitze in Frankreich genannt wird, beginnt zu einem extrem späten Datum. Dass nun Macron und seine Minister so schnell darauf reagieren, gehört zu den Lehren, die aus dem Jahr 2003 gezogen wurden. Damals hatte die Regierung lange nicht gehandelt, obwohl Météo France im August zwei Wochen lang um die 40 Grad maß.

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Der Glutsommer 2003 gehört noch heute zu den traumatischen Ereignissen des Landes. 15.000 Menschen starben damals, die Hälfte davon war über 85 Jahre alt. 40 Prozent lebten allein und wurden oft erst Tage später gefunden. Im Großraum Paris waren die Leichenhallen derart überfüllt, dass im Großmarkt Rungis eine Halle zur Aufbahrung der Toten genutzt werden musste.

Altersheim muss klimatisierten Raum haben

Um eine solche Tragödie künftig zu verhindern, beschloss die Regierung 2004 einen Hitzeplan, an dem sich auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach orientiert. Basis sind die Voraussagen des Wetterdienstes Météo France, die von „grün“ (für die Saison übliche Temperaturen) bis zu „rot“ (extreme Hitze) reichen. An die vier Hitzewarnstufen ist ein Alarmsystem der Gesundheitsbehörde Santé Publique France gekoppelt, das je nach Stufe entsprechende Reaktionen von Kommunen und Präfekturen fordert. So muss bei der Alarmstufe orange, die am Montag in der Hälfte Frankreichs galt, die Bevölkerung gewarnt werden. Außerdem können Aktivitäten im Freien wie beispielsweise Fußballspiele verschoben werden. Die Alarmstufe rot wird von der Regierung verkündet und ermöglicht es den Präfekten, Sportveranstaltungen oder Festivals abzusagen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt seit 2003 den Alten oder chronisch Kranken. Sie können sich auf kommunaler Ebene registrieren lassen, um im Falle von Extremtemperaturen regelmäßig telefonisch kontaktiert zu werden. Daneben muss jedes Altersheim mindestens einen klimatisierten Raum haben, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner sich bei großer Hitze aufhalten können.

Um die Verbesserungen zu finanzieren, wurde 2005 sogar der Pfingstmontag als Feiertag gestrichen. Nach Protesten ist es seit 2008 allerdings den Arbeitgebern überlassen, ob am Pfingstmontag gearbeitet wird. Wer zu Hause bleibt, kann einen Urlaubstag abgeben oder über das Jahr verteilt seinen Solidarbeitrag von sieben Stunden für die Alten- und Gesundheitsbetreuung leisten.

Aufgrund des Personalmangels ist die Situation in Altersheimen und Krankenhäusern allerdings weiterhin schwierig. Der Hitzeplan habe für die alten Menschen nur etwa 30 Prozent der Probleme geregelt, kritisierte der Altenpflegeexperte Pascal Champvert in der Zeitung „Le Monde“. „Ohne Personal und zusätzliche Mittel können wir unsere Alten im Alltag nicht begleiten und noch weniger in Krisensituationen.“

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Zusätzlich zum Hitzeplan stellte Béchu Anfang Juni weitere Maßnahmen vor, um besser auf „Canicules“ zu reagieren. So will der Umweltminister auf Ebene der Départements ein Warnsystem per SMS installieren, das vor Extremtemperaturen warnen soll. In Städten will Béchu jene Orte ausweisen, in denen es kühler ist. Die Stadtverwaltung von Paris, das wegen fehlender Grünflächen stark unter der Hitze leidet, hat bereits eine Karte mit 800 „Frischeinseln“ veröffentlich. Trinkbrunnen und Parks gehören ebenso dazu wie Friedhöfe oder Kirchen.

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