Frankreich: Mordanschlag auf

Attentat in Südfrankreich: Angreifer schießt auf Flüchtlinge - eine Frau stirbt

Ein Unbekannter hat in Südfrankreich auf zwei Flüchtlinge aus Aserbaidschan geschossen und dabei eine Frau getötet. Ein politischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen.

Ihr Ehemann, nach eigenen Angaben Journalist, wurde am Rücken verletzt, wie die Staatsanwaltschaft von Toulouse mitteilte. Der Täter habe am Freitagmorgen in der Gemeinde Colomiers in der Nähe von Toulouse mehrfach auf das Auto geschossen, in dem das Paar unterwegs war. Der Angreifer, dessen Geschlecht nicht genannt wurde, sei von einem Komplizen begleitet worden.

Der Anwalt der Angegriffenen hatte am 13. März eine Anzeige wegen telefonischer Morddrohungen gestellt. Der Mann gab damals gegenüber Ermittlern an, dass die Anrufe mit seinem Beruf als Journalist zusammenhängen könnten. Diesen habe er in seinem Herkunftsland ausgeübt und in Frankreich über die sozialen Netzwerke fortgeführt.
Das Paar hatte 2012 Asyl erhalten.

Die Bürgermeisterin von Colomiers, Karine Traval-Michelet, sagte, sie schließe einen politischen Hintergrund der Tat nicht aus. Möglicherweise habe es sich um eine "politische Vergeltungsmaßnahme" gehandelt. Der Mann sei als Journalist in Aserbaidschan "gefoltert und inhaftiert" worden. Frankreich habe ihn als politischen Flüchtling anerkannt. Sie forderte die Polizei auf, den "dramatischen" Fall vollständig aufzuklären.

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Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) äußerte sich zurückhaltend. Man habe bislang keine Hinweise, dass das Attentat mit journalistischen Aktivitäten zusammenhänge, sagte Johann Bihr, bei ROG zuständig für Osteuropa und Zentralasien. Die bekannte aserbaidschanische Investigativ-Journalistin Khadija Ismayilova schrieb auf Facebook, der angegriffene Mann sei gar kein Journalist. Dies berichtete auch die aserbaidschanische Presseagentur APA unter Berufung auf einen Journalistenverband. Das Land steht in der ROG-Rangliste der Pressefreiheit ganz weit hinten, auf Platz 172 von 180 Ländern.

Bei der Attacke war die Frau am Kopf verletzt worden. Ihr Ehemann fuhr sie trotz seiner eigenen Verletzungen ins Krankenhaus, wo sie aber am Nachmittag starb. Das Paar hat drei minderjährige Kinder. Der Hintergrund der Tat ist noch unklar: Laut Staatsanwaltschaft von Toulouse werden mehrere mögliche Spuren in Betracht gezogen. Aufgrund des "vermutlich organisierten Charakters" der Tat trat die Behörde die Leitung der Untersuchungen jedoch an Sonderermittler in Bordeaux ab.

(wer)