Hurrikan in den USA „Idalia“ sorgt in Florida für Überschwemmungen – ein Toter in Georgia

Update | Washington/Miami/Tallahassee · Hurrikan „Idalia“ hat auf seinem Weg von Westküste Floridas nach Georgia an Wucht verloren. Doch er bringt heftige Regenfälle mit sich, die vielerorts zu Überschwemmungen führten.

Hurrikan Idalia: Überflutungen in Florida
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Überflutungen in Florida durch Hurrikan „Idalia“

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Foto: AP/Rebecca Blackwell

Hurrikan „Idalia“ ist mit Windgeschwindigkeiten von über 200 Kilometern pro Stunde über den US-Bundesstaat Florida hinweggefegt und hat dabei massive Schäden angerichtet. Bäume stürzten auf Häuser, Straßen wurden überflutet, hunderttausende Haushalte waren am Donnerstag ohne Strom. Unterdessen erreichte der Wirbelsturm die nördlich gelegenen Bundesstaaten Georgia und South Carolina, wo er sich Behördenangaben zu einem Tropensturm abschwächte, der dennoch schwere Regenfälle und Überschwemmungen mit sich brachte.

In Georgia kostete der Sturm einen Menschen das Leben. Ein Mann sei bei Aufräumarbeiten im Freien von einem herabfallenden Baum erschlagen worden, meldete der Sheriff von Lowndes County, Ashley Paulk, am Mittwoch. Eine weitere Person sei durch denselben Baum schwer verletzt worden, ein Hilfssheriff habe leichte Verletzungen davongetragen.

In Küstengebieten des US-Staats South Carolina löste „Idalia“ weitreichende Überschwemmungen aus. Bei seinem Durchzug schob der Sturm Ozeanwasser ins Landesinnere. Die Behörden in North Myrtle Beach, Garden City, Charleston und Edisto Island berichteten von überfluteten Sanddünen und Straßen. Im Hafen von Charleston stieg der Wasserpegel, das örtliche Büro des nationalen Wetterdiensts sprach von einer gefährlichen Situation. Es forderte Bewohner und Besucher auf, sich vom Strand fernzuhalten.

„Idalia“ brachte zudem einen Tornado hervor, der Goose Creek traf, einen Vorort von Charleston, wie der Wetterdienst meldete. Die Böen ließen ein Auto durch die Luft wirbeln, wie auf Videoaufnahmen von Augenzeugen zu sehen war. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.

US-Präsident Joe Biden ermahnte die Menschen in Florida und Georgia zu anhaltender Wachsamkeit im Umgang mit Sturm „Idalia“. Obwohl er nach seiner Ankunft an Floridas Nordwestküste als Hurrikan der Kategorie drei inzwischen an Kraft verloren habe, sei er „nach wie vor sehr gefährlich“, warnte Biden am Mittwoch. Er habe mit den Gouverneuren von Florida, Georgia, South Carolina und North Carolina gesprochen, deren Staaten von „Idalia“ betroffen seien. Von Deanne Criswell, der Chefin der Bundesbehörde für Katastrophenhilfe, ließ sich Biden zudem zum zweiten Mal binnen weniger Tage über die Situation unterrichten lassen.

Am Morgen traf „Idalia“ mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 201 Kilometern pro Stunde als Hurrikan der Kategorie drei in der dünn besiedelten Region Big Bend auf Land. Entlang weiter Teile der Golfküste Floridas richtete der tropische Wirbelsturm Zerstörung an. Heftige Regenfälle überschwemmten Häuser und Fahrzeuge, Straßen verwandelten sich in Flüsse, die Böen des Sturms knickten Strommasten und Bäume um.

Während sich das Auge des Sturms ins Landesinnere bewegte, deckten Starkwinde Dächer ab und schleuderten Straßenschilder durch die Luft. Fast 438.000 Kunden in Florida und Georgia waren ohne Strom.

Am Mittwochnachmittag (Ortszeit) befand sich das Zentrum des Sturms westlich von Savannah im Staat Georgia und erreichte noch Windgeschwindigkeiten von 112 Kilometern pro Stunde.

Aus Florida wurden am Abend zunächst keine Todesopfer durch „Idalia“ gemeldet. Doch könnten zwei tödliche Verkehrsunfälle in zwei Bezirken mit dem Sturm im Zusammenhang stehen, sagte Gouverneur Ron DeSantis auf einer Pressekonferenz.

„Die Todesursache Nummer eins bei all diesen Stürmen ist das Wasser“, sagte die Chefin der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Deanne Criswell, dem Sender CNN. Fast alle 21 Millionen Bewohner Floridas wie auch viele Bürger in den benachbarten Bundesstaaten Georgia and South Carolina waren von Hurrikan- und anderen Unwetterwarnungen betroffen. Viele verließen ihre Häuser, andere verbarrikadierten sich in ihnen oder suchten Schutzräume auf. In allen drei Bundesstaaten wurde vielerorts der Notstand ausgerufen.

US-Präsident Biden wies Criswell an, sich vor Ort gemeinsam mit Floridas Gouverneur Ron DeSantis am heutigen Donnerstag ein Bild von der Lage zu machen, um Schäden und Nöte der Bevölkerung besser einschätzen zu können. Politische Differenzen hätten bei seinen Absprachen mit dem Republikaner DeSantis keine Rolle gespielt, sagte der Demokrat Biden. „Ich weiß, dass das merkwürdig klingt“, ergänzte er unter Verweis auf die tiefe politische Spaltung in den USA. Es gehe jedoch darum, sich um die Menschen in Florida zu kümmern. DeSantis bewirbt sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, seine sozialkonservative Politik in Florida rief zuletzt wiederholt scharfe Kritik aus dem Weißen Haus hervor.

Im vergangenen Herbst hatte Hurrikan „Ian“ in Florida gewaltige Schäden angerichtet, mehr als hundert Menschen kamen ums Leben. Damals befand sich das Zentrum des Sturms etwas weiter südlich und in einem dichter besiedelten Gebiet als jetzt erwartet. Die Saison tropischer Wirbelstürme dauert im Atlantik von Juni bis November. Der Klimawandel erhöht Experten zufolge die Wahrscheinlichkeit starker Stürme.

(peng/mba/hebu/dpa/Reuters)