Feuer in Notre-Dame in Paris: Brand ist vollständig gelöscht

Pariser Feuerwehr teilt mit : Brand in Notre-Dame vollständig gelöscht

Das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Angaben der Feuerwehr komplett gelöscht. Etwa 100 Feuerwehrleute waren am Morgen noch im Einsatz. Die Schäden sind enorm, der Großteil der Kunstschätze konnte jedoch gerettet werden.

Bei dem Brand sind nach ersten Erkenntnissen drei Menschen leicht verletzt worden. Dabei handele es sich um zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann, teilte die Pariser Feuerwehr am Dienstagmorgen mit. Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet sagte: „Wir hatten großes Glück.“

Das Feuer war am Montagabend in der weltberühmten Kathedrale im Herzen von Paris ausgebrochen. Die Flammen verwüsteten kurz vor Ostern den Sakralbau, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen. Das genaue Ausmaß der Zerstörungen war am frühen Morgen noch nicht bekannt.

Menschen singen Ave Maria vor brennender Notre-Dame

Großeinsatz am Montagabend

Über dem Wahrzeichen von Paris war am frühen Abend eine riesige Rauchsäule zu sehen. Der Dachstuhl über dem Kirchenschiff stand in Flammen und stürzte schließlich ein. Auch der kleine Vierlingsturm fiel in sich zusammen. Ein Sprecher der Kathedrale sagte, dass vom Dachstuhl nichts übrig bliebe.

Die beiden Haupttürme scheinen jedoch entgegen erster Meldungen von Schäden durch die Flammen verschont geblieben zu sein. Die „Struktur“ der Pariser Kathedrale Notre-Dame sei nach Angaben der Feuerwehr "gerettet", hieß es gegen 23 Uhr. Die gotische Kirche könne "in ihrer Gesamtheit erhalten" werden, sagte der Leiter der Einsatzkräfte, Jean-Claude Gallet.

Notre-Dame in Paris steht in Flammen

Wenige Zeit später wurde außerdem bekannt, dass eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche gerettet wurde: die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. Das sagte Patrick Chauvet, Direktor der Kathedrale am späten Montagabend vor Journalisten. Die Krone gilt als eine der wertvollsten Reliquien, die in der Kathedrale aufbewahrt werden, wie es auf der Webseite von Notre-Dame heißt. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

„Das Schlimmste wurde verhindert“, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron mit Blick auf die Löscharbeiten und die durch das Feuer zeitweise bedrohten beiden Haupttürme. Er lobte den „Mut“ und die „Professionalität“ der Feuerwehrleute.

Die Polizei hatte zuvor erklärt, dass ihr keine Berichte über Todesopfer vorliegen. Auch Hinweise auf einen möglichen Terrorakt liegen bislang nicht vor. Nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr könnte der Brand mit den Renovierungsarbeiten zusammenhängen. Er sei auf dem Dachboden der Kathedrale ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Der Fernsehsender France 2 berichtete, die Polizei gehe von einem Unglück aus. Weite Teile der Kirche sind eingerüstet. Bronzeplastiken waren erst vergangene Woche aus dem Gebäude geschafft worden.

Reaktionen und Anteilnahme weltweit

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach auf Twitter von einem „fürchterlichen Brand“ und einer "schrecklichen Prüfung" für die Stadt, die seit 2015 eine Serie islamistischer Anschläge erlebt hat. Sie rief die Menschen über Twitter auf, die Sicherheitsabsperrungen zu respektieren.

Rund um das brennende Gebäude kam es immer wieder zu kurzen Szenen der Panik, als Passanten versuchten, glühenden Projektilen auszuweichen, die von oben auf die anliegenden Straßen herabregneten. Die Behörden riefen dazu auf, einen Sicherheitsabstand zum Brandort einzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits das gesamte Dachgebälk der Kathedrale in Flammen. Ein Dachreiter über dem Mittelschiff verwandelte sich in eine gigantische Fackel und stürzte später in sich zusammen. Die über der Stadt stechende schwarze Rauchsäule war kilometerweit sichtbar. Die Martinshörner der zum Brandort fahrenden Feuerwehrfahrzeuge waren überall in Paris zu hören.

Auch außerhalb von Frankreich löste der Brand Entsetzen aus. „Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa“, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. „Wir sind heute alle bei Paris.“ Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb auf Twitter: „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen.“ Er fügte hinzu: „Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“ Mehr Reaktionen aus dem Ausland haben wir hier gesammelt.

Touristenmagnet und Wahrzeichen der Stadt

Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen von Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Ile de la Cité. Ihre Geschichte reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. Mehr zur Geschichte von Notre-Dame lesen Sie hier.

Viele Meter lang stehen die Touristen täglich vor dem Gebäude Schlange. Seit den islamistischen Terroranschlägen, die Frankreich in den vergangenen Jahren heimgesucht hatten, wird die Kathedrale von Soldaten bewacht.

Der französische Präsident Macron hat umgehend den Wiederaufbau der Kathedrale versprochen. Er wolle um internationale Hilfe bitten, sagte Macron in der Nacht auf Dienstag. Eine nationale Spendenaktion solle am Dienstag gestartet werden. Die Kathedrale war gerade erst für elf Millionen Euro mit öffentlichen Geldern saniert worden. Kurz danach gab die französische Milliardärsfamilie Pinault bekannt, dass sie 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre-Dame spenden wolle.

Kunstschätze gerettet

Der größte Teil der religiösen und künstlerischen Schätze konnte aus der brennenden Pariser Kathedrale Notre-Dame gerettet werden. Die für Katholiken sehr wertvolle Dornenkrone und andere Gegenstände seien im Pariser Rathaus untergebracht worden, sagte Frankreichs Kulturminister Franck Riester.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Flammen schlagen aus der Kathedrale Notre-Dame in Paris

(mro/hebu/dpa/AFP/AP)
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