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Ferguson: Lage beruhigt sich - Nationalgarde zieht ab

Nationalgarde zieht ab : Lage in Ferguson beruhigt sich

Knapp zwei Wochen nach den tödlichen Polizeischüssen auf den schwarzen Jugendlichen Michael Brown entspannt sich die Lage in der US-Kleinstadt Ferguson. Die Anfang der Woche zur Sicherung des Ortes herbeigerufene Nationalgarde wird wieder abgezogen, wie der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, am Donnerstag mitteilte.

Allerdings sind in der Nähe weitere Proteste gegen mutmaßliche Polizeiwillkür gegen Schwarze geplant. Die nach dem Tod des 18-Jährigen am 9. August ausgebrochenen Unruhen und Plünderungen waren zuletzt abgeflaut. In den Nächten zum Mittwoch und zum Donnerstag hatte die Polizei nur noch jeweils eine Handvoll Demonstranten festgenommen. Insgesamt meldeten die Beamten seit Beginn der Krawalle 163 Festnahmen.

Von den Betroffenen stammten laut Polizei nur sieben aus Ferguson selbst. 128 Personen wurden demnach festgenommen, weil sie sich der Aufforderung widersetzt hätten, einen öffentlichen Platz zu räumen. In 21 Fällen geht es um Einbrüche, in vier weiteren um Angriffe auf die Polizei.

Eine Gruppe Geistlicher kündigte für Donnerstag eine Demonstration vor dem Justizgebäude in Clayton an. Sie fordern unter anderem, dass der örtliche Staatsanwalt Bob McCulloch von dem Fall abgezogen wird, weil er zu eng mit der örtlichen Polizei verbunden und deshalb nicht neutral sei.

Die Tötung des jungen Mannes hatte tiefes Misstrauen zwischen den überwiegend weißen Vertretern der Staatsorgane und der überwiegend schwarzen Bevölkerung des Vororts von St. Louis genährt. Ob der Todesschütze angeklagt wird, muss ein Untersuchungsgericht noch klären. Auch über die genauen Umstände des Vorfalls ist immer noch wenig bekannt.

Am Mittwoch besuchte US-Justizminister Eric Holder den Ort und warb um Vertrauen in die Ermittlungen. Er habe die "erfahrensten Agenten und Staatsanwälte" der Regierung auf den Fall angesetzt, sagte Holder. Zugleich äußerte er Verständnis für die Skepsis, die viele schwarze Amerikaner gegenüber der Polizei hegten. Auch er habe Erfahrungen mit Beamten gemacht, die ihn offenbar nur wegen seiner Hautfarbe ins Visier genommen hätten, erinnerte sich Holder.

Wenige Tage nach Brown war ebenfalls in der Umgebung von St. Louis ein weiterer Afroamerikaner von der Polizei erschossen worden. Dazu veröffentlichte Polizeichef Sam Dotson am Donnerstag Videoaufnahmen. Darauf ist zu sehen, wie der Mann vor zwei Polizisten mit einem Messer herumfuchtelt und sie auffordert, ihn zu töten. Beide schossen den Angaben zufolge insgesamt sechsmal. Der Mann starb vor Ort.

(ap)