Neue "Marianne"-Briefmarke spaltet eine Nation: "Femen ist auf einer französischen Briefmarke"

Neue "Marianne"-Briefmarke spaltet eine Nation : "Femen ist auf einer französischen Briefmarke"

Ein Stück Papier spaltet eine stolze Nation: In Frankreich sorgt die neue Briefmarke der Nationalfigur "Marianne" für reichlich Unmut. Das Konterfei auf der Briefmarke ist nämlich von einer Femen-Aktivistin inspiriert. Ein Skandal, finden die Konservativen. Die Aktivistin reagiert via Twitter mit Hohn.

Die "Marianne" ist die Nationalfigur einer stolzen Nation. Sie ist Symbol der Französischen Revolution, Symbol der Freiheit. Das Konterfei der "Marianne" wird von Zeit zu Zeit nach dem Vorbild berühmter Französinnen gefertigt: Brigitte Bardot, Mireille Mathieu, Catherine Deneuve, Laetitia Casta oder Sophie Marceau.

Pünktlich zum Nationalfeiertag am 14. Juli enthüllte Staatspräsident François Hollande die neue "Marianne"-Briefmarke, die von einer ukrainischen Aktivistin der Frauenbewegung Femen inspiriert worden ist. Inna Schewtschenko verleiht ihrem Protest weltweit Nachdruck, indem sie "oben ohne" demonstriert.

"Femen auf einer Briefmarke"

Seither kommt ein Land nicht zur Ruhe. Politiker der kleinen konservativen Christdemokratischen Partei riefen zum Boykott der neuen Briefmarke auf. Auf ihrer Webseite und über den Kurznachrichtendienst Twitter verlangte die Partei von der Post, die Marke wieder zurückzuziehen, weil sie "die Würde von Frauen und die Souveränität Frankreichs beleidigt".

Schewtschenko reagierte mit Hohn. Via Twitter ließ sie in triumphierendem Unterton wissen, dass nun "alle Homophoben, Extremisten und Faschisten" ihren Hintern befeuchten müssten, um einen Brief zu verschicken. "Femen ist auf einer französischen Briefmarke."

FEMEN is on French stamp.Now all homophobes,extremists,fascists will have to lick my ass when they want to send a letter. @Femen_France

— inna shevchenko (@femeninna) July 15, 2013

Schewtschenko zeigte sich stolz, dass sie als "neue Ikone einer modernen Interpretation von Marianne" ausgewählt worden sei. Außerdem sei sie erfreut, dass Frankreich nach wie vor eine kämpfende Frau als sein nationales Symbol sehe, sagte sie der Nachrichtenagentur AP.

Schewtschenko mit Asyl

Der Künstler Olivier Ciappa erklärte nach der Veröffentlichung der Marke, das Gesicht darauf sei der Femen-Aktivisten Schewtschenko nachempfunden, die in Frankreich politisches Asyl erhielt. Unbekannt blieb, ob Hollande von der Femen-Inspiration wusste.

Ein Élysée-Sprecher sagte lediglich, das Bild sei von einem Gremium junger Leute aus mehreren Entwürfen ausgewählt worden. Die Briefmarke ist die offizielle zu Hollandes Amtszeit als französischer Staatspräsident.

Künstler Ciappa betonte, dass Marianne Symbol des revolutionären Frankreich sei und in Bildern oft barbusig abgebildet sei. Sie habe für die französischen Werte wie Freiheit und Gleichheit gekämpft, sagte Ciappa. "Und all diese sind auch die Werte von Femen. Auf gewisse Art war Marianne die erste Femen."

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Femen-Aktivisten als Vorbild für die "Marianne"-Briefmarke

(ap)
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