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Weitere Unruhen in islamischen Ländern: Familie von Video-Produzent taucht unter

Weitere Unruhen in islamischen Ländern : Familie von Video-Produzent taucht unter

Während am Montag erneut weltweit Tausende gegen das Schmäh-Video "Die Unschuld der Muslime" protestieren, hat die Familie des mutmaßlichen Film-Produzenten über Nacht ihr Haus in Kalifornien verlassen.

Die Verwandten von Nakoula Basseley Nakoula seien in der Nacht auf Montag von Beamten abgeholt und gemeinsam mit Nakoula an einen geheimen Ort gebracht worden, sagte ein Sprecher der Polizei von Los Angeles.

In Pakistan gehen Tausende Muslime auf die Straßen und demonstrieren gegen die USA. Foto: dpa, Rana Zahid

Nakoula war am Wochenende von Bundesbeamten befragt worden, um festzustellen, ob er nach einer Verurteilung wegen Bankbetrugs gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat.

Nakoula soll eine Schlüsselfigur hinter dem Film sein, der in der gesamten islamischen Welt zu Gewalt und Protesten geführt hat. Viele der Demonstranten fordern, dass Nakoula für seine Beleidigung des Propheten Mohammed zur Rechenschaft gezogen wird.

Unterdessen werden immer mehr Details aus dem bizarren Vorleben Nakoulas bekannt. Als die Dreharbeiten zu dem Schmähfilm begannen, war er gerade aus dem Gefängnis entlassen worden. Im Juni 2010 hatte ihn ein kalifornischer Richter zu 21 Monaten Haft verurteilt, darüber hinaus zur Zahlung von 794.700 Dollar. Nakoula hatte sich unter falschen Namen und mit gestohlenen Sozialversicherungsnummern 15 Kreditkarten erschwindelt.

Es war nicht das erste Mal, dass er mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Als er eine Tankstelle betrieb, fiel er dem Finanzamt wegen extrem niedriger Steuerzahlungen auf. Allein für die Jahre 1989 bis 1992 musste er nachträglich 194 000 Dollar berappen. 1997 entdeckte eine Polizeistreife im Kofferraum seines Autos chemische Substanzen, die zur Herstellung der Partydroge Methamphetamin benötigt werden.

Nakoula steht derzeit nach einer Verurteilung wegen Bankbetrugs fünf Jahre unter Bewährung. Nach der Befragung kehrte Nakoula nicht in sein Haus zurück. "Er ist weg. Wir wissen nicht, wohin er gegangen ist", sagte ein Polizeisprecher.

Tote in Pakistan

Bei den weltumspannenden Protesten gegen den Film sind inzwischen mindestens 19 Menschen getötet worden, darunter erstmals auch zwei in Pakistan. Hunderte Pakistaner beteiligten sich am Montag an Kundgebungen in den Städten Peshawar, Karachi und Lahore. In der afghanischen Hauptstadt Kabul schossen Demonstranten auf Polizisten, in der indonesischen Hauptstadt Jakarta riefen Demonstranten "Zur Hölle mit Amerika".

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen im pakistanischen Bezirk Upper Dir wurde nach offiziellen Angaben ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt, als die Polizei mit Waffengewalt gegen die Demonstranten vorging. In Peshawar protestierten bis zu 3000 Studenten gegen den Film, verbrannten US-Flaggen und riefen anti-amerikanische Slogans. Ein Mensch, der bei Protesten in der Nähe des US-Konsulats in Karachi am Sonntag verletzt worden war, erlag seinen Verletzungen. In Lahore hielt die Polizei rund 500 Demonstranten mit Tränengas davon ab, das dortige US-Konsulat zu stürmen.

Die Proteste, die sich vor allem gegen US-Botschaften und -Konsulate richten, haben sich in knapp einer Woche auf mehr als 20 Länder ausgeweitet. Der Film wurde offenbar von einem in den USA lebenden, koptischen Christen aus Ägypten angefertigt. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi wurden am 11. September der US-Botschafter und drei seiner Mitarbeiter getötet. Die libysche Regierung entließ deshalb inzwischen den für Ostlibyen zuständigen Vize-Innenminister Wanis al-Scharef und einen weiteren ranghohen Beamten.

In Kabul gingen am Montag mehr als tausend Menschen auf die Straße, riefen "Tod für Amerika", setzten Polizeifahrzeuge und Container in Brand und schossen auf Polizisten, wie Polizeichef Mohammed Ajub Salangi sagte. Bis zu 50 Beamte wurden leicht verletzt. In Jakarta warfen Demonstranten Molotow-Cocktails. Die indonesische Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein und gab Warnschüsse ab. Ein Beamter wurde verletzt. Auch aus der philippinischen Hauptstadt Manila sowie aus dem Jemen wurden Proteste tausender Muslime gegen die USA und zum Teil auch gegen Israel gemeldet.

Der Internet-Konzern Google sperrte den Zugang zu dem Video in Ägypten, Indien, Indonesien, Libyen und Malaysia, in Afghanistan ordnete die Regierung eine Teilblockade des Portals YouTube an. Auch die russische Staatsanwaltschaft kündigte an, sie wolle die Verbreitung des Films verbieten lassen.

(APD/AFP)