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Explosion Libanon: Regierung sucht nach den Schuldigen

Ursachensuche in Libanon : Wer ist für die gewaltige Explosion verantwortlich?

Mehr als 2700 Tonnen gefährlichen Ammoniumnitrats sollen sechs Jahre lang ohne Vorsichtsmaßnahmen am Hafen von Beirut gelagert worden sein – bis sie am Dienstag explodierten. Nun sucht die Regierung nach den Schuldigen.

Die libanesische Hauptstadt ist zu großen Teilen verwüstet, mehr als hundert Menschen starben, Tausende wurden verletzt, bis zu 300.000 Menschen sind obdachlos geworden. Im Libanon hat die Suche nach den Verantwortlichen und den Ursachen für die Katastrophe begonnen:

Wer wusste von dem Ammoniumnirat?

Hafenbehörden, Zoll- und Sicherheitsdienste waren sich alle bewusst, dass gefährliche Chemikalien im Hafen gelagert wurden. Nun schieben sie sich gegenseitig die Verantwortung für das Unglück zu, wie es aus Sicherheitskreisen heißt. Die Regierung forderte am Mittwoch die Verhängung von Hausarrest für die Verantwortlichen der heruntergekommenen Lagerhalle, in der nach vorläufigen Angaben ein Feuer ausbrach, das zur Explosion führte.

Woher stammt das Ammoniumnirat?

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen soll der unter moldauischer Flagge fahrende Frachter "Rhosus" 2013 für einen Stopp auf seinem Weg von Georgien nach Mosambik den Hafen in Beirut angefragt haben. An Bord des Schiffes befanden sich 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, das unter anderem zur Herstellung von Sprengstoff gebraucht, aber auch als Düngemittel verwendet wird. Laut der Webseite Marine Traffic kam das Schiff am 20. November 2013 in Beirut an - und legte dort niemals wieder ab.

Warum wurde das Schiff entladen?

Libanesischen Sicherheitsquellen zufolge reichte eine libanesische Firma während des Transits der "Rhosus" in Beirut eine Beschwerde gegen das Frachtunternehmen ein. Die örtliche Justiz beschlagnahmte daraufhin die "Rhosus". Die Ladung wurde in den Hangar Nr. 12 gebracht, der beschlagnahmten Gütern vorbehalten war. Das Schiff wurde beschädigt und sank schließlich.

Im Juni 2019 leiteten die libanesischen Sicherheitsbehörden eine Untersuchung zur Fracht ein, nachdem wiederholt Informationen über üble Gerüche aus der Lagerhalle eingegangen waren. In ihrem Bericht heißt es, dass der Hangar "gefährliche Materialien enthält, die bewegt werden müssen". Die Ermittler wiesen auch auf Risse an den Wänden des Lagers hin, die einen Einbruch ermöglichten und empfahlen eine Renovierung des Lagers. Die Hafenverwaltung nahm sich schließlich der Arbeiten an. Die Reparaturarbeiten sollen nach Angaben aus Sicherheitskreisen Auslöser für die Explosionskatastrophe gewesen sein.

Warum blieb das Ammoniumnirat in Beirut?

Normalerweise wird die Chemikalie unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen. Nach den Explosionen veröffentlichte der Zolldirektor Badri Daher einen auf Dezember 2017 datierten Brief, in dem er die Staatsanwaltschaft bat, das weiße, geruchlose Salz entweder ins Ausland zu verlagern oder es an ein örtliches Unternehmen zu verkaufen.

Laut Riad Kobaisi, einem auf Korruptionsfälle spezialisierten libanesischen Enthüllungsjournalisten, versuchen die Zollbehörden, jegliche Verantwortung von sich zu weisen. Grundsätzlich sei es jedoch verboten, solche Chemikalien ohne Genehmigung überhaupt in den Libanon einzuführen. Für ihn zeige der Fall das Ausmaß der Korruption innerhalb des Zolls, der die Haupt-, aber nicht die ausschließliche Verantwortung für die Tragödie trage.

(özi/AFP)