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Ever Given im Suezkanal freigelegt: Containerschiff ist teilweise wieder frei

Nach tagelanger Blockade : Heck von Containerschiff „Ever Given“ im Suezkanal frei – Bug steckt weiter fest

Endlich gibt es einen ersten Erfolg bei der Freilegung der 220.000 Tonnen schweren „Ever Given“. Doch die weit schwierigere Aufgabe kommt erst noch. Möglicherweise muss ein Teil der 20.000 Container abgeladen werden. Tagelang saß das auf Grund gelaufene Schiff im Suezkanal fest. Die Blockade hat einen Milliardenschaden verursacht.

Nach fast einer Woche ist es gelungen, das im Suezkanal auf Grund gelaufene Containerschiff „Ever Given“ zumindest ein Stück weit zu bewegen. Der Bug, also der vordere Teil des Schiffes, löste sich ein wenig vom Ostufer des Kanals, steckte aber nach wie vor fest. Das Heck bewegte sich in die Mitte des Kanals, wie auf Satellitenaufnahmen von Marinetraffic.com zu sehen war. „Jubeln Sie nicht zu früh“, sagte der Chef der Bergungsfirma Boskalis, Peter Berdowski, nach voreiligen Erfolgsmeldungen. „Die gute Nachricht ist, dass das Heck frei ist, aber das war für uns der einfachste Teil der Arbeit.“

Mit der Hilfe von Schleppern und einem erhöhten Wasserspiegel bei Vollmond gelang es in der Nacht zum Montag endlich, die verkeilte „Ever Given“ ein bisschen zu bewegen. Der Leiter der Kanalbehörde, Osama Rabei, sagte, Einsatzkräfte hätten das Schiff mit Zug- und Druckmanövern fast vollständig gerade ausgerichtet. Das Heck habe sich rund 100 Meter vom Kanalufer entfernt. An der Aktion waren zehn Schlepper beteiligt, außerdem wurden über Nacht 27.000 Kubikmeter Sand und Schlamm um das Schiff abgesaugt. Ein Vertreter der japanischen Eigentümergesellschaft der „Ever Given“ sagte der Nachrichtenagentur AP, dass die Unterseite des Schiffes in der neuen Position den Kanalboden berühre.

In sozialen Medien kursierten Videos, die Schlepper im Kanal zeigen sollten, die ihr Schiffshorn ertönen ließen - offenbar aus Freude über den Bergungserfolg. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi schrieb auf Facebook: „Den Ägyptern ist es gelungen, die Krise zu beenden.“

Doch davon war man am Montag noch weit entfernt, wie der Chef der Bergungsfirma, Berdowski, dem niederländischen Rundfunk sagte. Als nächstes müsse man mit hohem Wasserdruck versuchen, den Bug des Schiffs freizulegen. „Wenn das nicht funktioniert, muss man letztlich Gewicht entfernen und das kann nur passieren, wenn man Container vom vorderen Teil ablädt“, sagte er. „Aber das ist ein Prozess, der Zeit in Anspruch nehmen wird.“ Beladen ist die „Ever Given“ mit 20.000 Containern. Um sie abzuladen, braucht es eigentlich die Infrastruktur eines Hafens mit Kränen und anderen Geräten, die es dort am Suezkanal nicht gibt.

Sollte das Schiff innerhalb der nächsten Tage frei kommen, würde es laut dem Datendienstleister Refinitiv mehr als zehn Tage dauern, um den Rückstau aufzuarbeiten. Bereits jetzt habe Ägypten durch die Blockade mehr als 95 Millionen Dollar Umsatz verloren.

Die knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite „Ever Given“ war am Dienstag vergangener Woche rund sechs Kilometer von der südlichen Zufahrt zum Kanal entfernt auf Grund gelaufen und hatte sich zwischen den Ufern verkeilt. Seither war der Suezkanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt, blockiert. Täglich wurden so Handelswaren im Wert von neun Milliarden Dollar aufgehalten. Mindestens 367 Schiffe warteten am Montag auf beiden Seiten auf Durchfahrt. Dutzende andere nahmen den längeren und teureren Umweg um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas in Kauf.

Der Suezkanal verkürzt die Fahrstrecke für Handelsschiffe zwischen Asien und Europa um mehrere Tausend Kilometer. Durch die künstliche Wasserstraße zwischen Mittelmeer und Rotem Meer laufen zehn Prozent des Welthandels.

In ersten Meldungen am Morgen hatte es geheißen, das Schiff sei vollends befreit und der Kanal schon bald wieder schiffbar. Tatsächlich ist es aber noch unklar, wie lange Bergungsaktion und Kanalsperre noch andauern werden. Wir haben die Meldung entsprechend aktualisiert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Riesiges Containerschiff blockiert wichtige Seeroute im Suez-Kanal

(bora/hebu/th/dpa/Reuters)