Skandinavische Länder führen Rankings an: Europas wahre Musterschüler sitzen im Norden

Skandinavische Länder führen Rankings an : Europas wahre Musterschüler sitzen im Norden

Deutschland ist für viele in Europa Vorbild. Die Bundesregierung steuert das Land einigermaßen unfallfrei durch die Finanzkrise. Wirtschaftlich steht Deutschland gut da. Doch die wahren Musterschüler sitzen weiter nördlich. Die skandinavischen Länder führen diverse Rankings an. Das hat Gründe.

In welchen Ländern sind die Chancen von Frauen am größten, Zugang zu Bildung und ins Berufsleben zu erhalten? Wo ist der Grad der Zufriedenheit der Menschen am höchsten und der Anteil der übergewichtigen Menschen in Industrienationen am niedrigsten? Wer eine Antwort auf diese und andere Fragen möchte, sollte nach Dänemark, Schweden oder Norwegen blicken.

Sicher, Deutschland geht es gut. Im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern ist die Zahl der Arbeitslosen niedrig und die Wirtschaft brummt. Wenn es darum geht, Deutschland in der Finanz- und Eurokrise ein Attribut zu verleihen, wird vielfach auf das Wort "Musterschüler" zurückgegriffen. Was den Umgang mit der Krise betrifft, mag dies zutreffen.

Es gibt aber auch (Lebens-)Bereiche, in denen die Menschen Grund hätten, neidisch von Berlin aus nach Kopenhagen, Stockholm oder Oslozu schauen. Die skandinavischen Länder führen diverse Rankings oder Studien an — allen voran Dänemark, Schweden, Norwegen oder Finnland. Eine Übersicht:

Global Gender Gap Report 2012

Island auf Platz eins vor Finnland, Norwegen und Schweden. Dänemark folgt auf Rang sieben. Die Aufstellung des "Global Gender Gap Reports 2012", der unter anderem weltweit die Zugangschancen von Mädchen und Frauen in Bildung beleuchtet und noch immer große Unterschiede aufzeigt, stellt den skandinavischen Ländern ein hervorragendes Zeugnis aus.

Nirgendwo sonst finden die Menschen bessere Möglichkeiten für wirtschaftliche und politische Beteiligung und Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssystem. Deutschland landet auf Platz 13 von insgesamt 135 untersuchten Ländern. Dennoch kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass es bislang keinem Land gelungen ist, Chancengleichheit im Bereich Bildung für Frauen und Männer herzustellen.

Happy Planet Index 2012

Im alljährlich erscheinenden "Happy Planet Index" zählen die Dänen, Schweden und Norweger zu den glücklichsten und zufriedensten Bewohnern. So auch in der aktuellen Untersuchung, in der Deutschland sich im unteren Mittelfeld der westlichen Industrienationen wiederfindet.

"FAO"-Bericht 2013

Die Skandinavier sind größtenteils zufrieden mit ihrem Land und haben zudem - anteilig auf die Gesamtbevölkerung berechnet — die wenigsten Menschen mit Übergewicht. Zu diesem Schluss kommt der Bericht "The State of Food and Agriculture" der "Food and Agricultural Organization" (FAO) der Vereinten Nationen.

Sowohl Dänemark (16,2 Prozent Übergewichtige an der Gesamtbevölkerung), als auch Schweden (16,6 Prozent), Finnland (19,9 Prozent) und Norwegen (19,8 Prozent) liegen unter dem europäischen Durchschnitt von 21,4 Prozent.

Bruttoinlandsprodukt

In der Liste der Länder, die weltweit pro Kopf das höchste BIP erwirtschaften, liegen fünf skandinavische Länder unter den Top 20. Norwegen schaffte es (Stand 2012) mit 99.462 Dollar auf Platz drei. Dänemark folgt auf Rang sieben mit 56.202 Dollar, Schweden mit 55.158 Dollar einen Platz dahinter. Finnland belegt Platz 15 mit 46.098 Dollar und Island Rang 19 mit 41.739 Dollar. Deutschland verpasst die Top 20 knapp (41.513 Dollar, Platz 21).

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Skandinavische Länder gelten als Vorbilder, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Wiedereingliederung von Frauen ins Berufsleben geht. Vor allem in den Ländern Schweden, Dänemark oder Norwegen hat eine starke wohlfahrtsstaatliche Tradition für die Ausbreitung staatlicher Kinderbetreuung und schulischen Ganztagsangeboten gesorgt. So finden Frauen, aber auch Männer, Anschluss an den Arbeitsmarkt gefunden haben.

In Schweden und Dänemark einigten sich die politischen Parteien früh auf ein einheitliches Konzept der Kinderbetreuung und Bildung. Schweden ist vorbildlich bezüglich der Umsetzung gleichberechtigter Chancen in Familien- und Erwerbstätigkeit für Männer und Frauen.

Als eines der ersten Länder führte Schweden Elterngeld ein (1974). Im Bereich Familienpolitik nimmt das Land eine Spitzenposition ein. 42 Prozent der schwedischen Männer nehmen Elternzeit, auch das ist europaweit Spitze.

Hier geht es zur Bilderstrecke: OECD-Studie: Hier lebt es sich am besten

(nbe)