Verdacht auf illegale Adoption: Europäer im Tschad wegen Kinderhandels angeklagt

Verdacht auf illegale Adoption : Europäer im Tschad wegen Kinderhandels angeklagt

N'Djamena (RPO). Die Behörden im Tschad haben Anklage gegen 16 Europäer erhoben, die 103 afrikanische Kinder nach Frankreich ausfliegen wollten. Was die Mitarbeiter einer Hilfsorganisation mit den Jungen und Mädchen vorhatten, ist unklar. Die Europäer behaupten, sie hätten die Kinder in Gastfamilien unterbringen wollen, um sie vor dem Bürgerkrieg in Darfur zu retten. Doch auch Spekulationen über illegale Adoptionen, Kindesmissbrauch und Organhandel stehen im Raum.

Ein Ermittlungsrichter im Tschad erhob am Montag formell Anklage gegen die 16 Europäer, wie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft in der Stadt Abéché mitteilte. Neun Franzosen müssen sich demnach wegen Kindesentführung und Betrugs verantworten, sieben Spanier wegen Beihilfe. Bei den Franzosen handelt es sich um sechs Mitarbeiter von der französischen Hilfsorganisation Arche de Zoé und drei Journalisten. Die Spanier sind die Besatzungsmitglieder des von der Hilfsorganisation gecharterten Flugzeugs.

Der tschadische Präsident Idriss Deby hatte "harte Strafen" für die Veranwortlichen des versuchten Kindertransports angekündigt. Er unterstellte den Mitarbeitern von Arche de Zoé, sie hätten die Minderjährigen möglicherweise an Kinderschänder in Europa verkaufen oder sie töten wollen, um mit ihren Organen zu handeln.

Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos verurteilte jeglichen Kinderhandel, nahm aber seine Landsleute in Schutz. Spanien lehne selbstverständlich jeden Handel mit Kindern ab, sagte Moratinos am Montag in Washington. Er hoffe jedoch, dass die beschuldigten Spanier, "die am Ende der Kette standen und für den Transport zuständig waren", nicht dafür verantwortlich gemacht würden und schnellstmöglich heimkehren könnten. Die spanische Regierung werde ihre Landsleute schützen und sich für die Wahrung der Unschuldsvermutung einsetzen.

Französischer Justiz ermittelt wegen illegaler Adoptionen

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte Deby am Sonntag angerufen und sich deutlich von Arche de Zoé distanziert. Er bezeichnete das Vorgehen der Organisation als "rechtswidrig und inakzeptabel".

Deby versicherte dem französischen Präsidenten seinerseits, dass die anstehende Militärmission der EU im Tschad durch den umstrittenen Einsatz der Hilfsorganisation nicht in Gefahr sei, wie die französische Staatssekretärin im Außenamt, Rama Yade, im Radio sagte. Die französische Justiz ermittelt gegen Arche de Zoé wegen des Verdachts auf die rechtswidrige Vermittlung von Adoptionen.

Arche de Zoé hatte nach eigenen Angaben 103 Waisenkinder aus der sudanesischen Krisenregion Darfur nach Frankreich ausfliegen wollen, um sie vor dem Tod zu bewahren. Das UN-Flüchtlingshilfeswerk UNHCR zweifelte daran, dass es sich um Waisenkinder handelte.

Am Montag befragten humanitäre Helfer weiter die Kinder in Abéché, um deren familiäre Situation herauszufinden. "Wir denken immer mehr, dass es keine Waisen sind", sagte die UNHCR-Sprecherin Annette Rehrl. "Aber wir müssen das in den Dörfern prüfen."

(afp2)