#regrettingmotherhood: "Es ist ok, dass Mutterschaft nicht alle glücklich macht"

#regrettingmotherhood : "Es ist ok, dass Mutterschaft nicht alle glücklich macht"

Die Studie der israelischen Soziologin Orna Donath über Mütter, die es bereuen, ein Kind bekommen zu haben, hat nicht zuletzt in Deutschland für einen Medienhype gesorgt. Unter dem Hashtag #RegrettingMotherhood tobte die Diskussion in den sozialen Medien. Jetzt hat sich die Autorin selbst zu Wort gemeldet. Sie hofft, dass es durch die Debatte für Frauen leichter wird, sich frei für oder gegen Kinder zu entscheiden.

Die Aufregung um die Geburt der Tochter des britischen Thronfolgerpaares William und Kate hat es erst vor wenigen Tagen gezeigt: Wenn ein Kind auf die Welt kommt, gilt das in unserer Gesellschaft als das größte Glück für die Eltern und als eine große Freude für alle Beteiligten — und, zumindest im Fall der kleinen Prinzessin, auch für viele eigentlich Unbeteiligte. Die Vorstellung, dass ausgerechnet eine Mutter wünscht, ihr Kind wäre nie geboren, widerspricht dem verbreiteten Verständnis von Mutterschaft.

Das haben die Reaktionen auf die Studie der israelischen Soziologin Orna Donath, die Müttern, die über die Geburt ihres Kindes unglücklich sind, eine Stimme geben wollte, deutlich gezeigt. Unter dem Hashtag #RegrettingMotherhood überschlugen sich in den vergangenen Wochen in den sozialen Netzwerken die Diskussionen. Die Debatte entwickelte sich entlang zweier Lager: Viele Frauen zeigten sich erleichtert darüber, dass das Thema endlich offen angesprochen wird. Für sie war es ein Anreiz, selbst über die negativen Seiten ihrer Mutterrolle zu sprechen. Auf der anderen Seite stehen all diejenigen, für die unglückliche Mütter ein Tabu sind. Eigentlich sollte es gar keine unglücklichen Mütter geben, findet diese Gruppe. Falls es sie doch gibt, sollte man nicht darüber sprechen.

Jetzt hat sich Donath selbst zu der Debatte geäußert. Sie zeigte sich überrascht über die Wellen, die ihre Studie vor allem auch in Deutschland geschlagen hat. "Ich freue mich, aber es ist irgendwie auch ein bisschen merkwürdig", sagt die 39-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe das Gefühl, dass gerade etwas sehr Großes passiert." Eine Erklärung dafür, warum ihre Untersuchung ausgerechnet im deutschsprachigen Raum eine so starke Resonanz findet, hat sie nicht — in ihrem Heimatland Israel seien die Reaktionen deutlich schwächer ausgefallen.

Ihr sei nicht klar gewesen, dass es "offenbar auch in Deutschland ein sehr empfindlicher Punkt" ist, über Reue zu sprechen, wenn man bereits Kinder bekommen hat, sagte Donath. Dies habe ihr gezeigt, dass ein solches Eingeständnis letztlich wohl in allen Kulturen stark tabuisiert sei.

Donath erhofft sich von ihrer Studie noch weit mehr als die bislang geführte Debatte. Diese sei nur der Anfang. Die Soziologin möchte, dass es für Mütter leichter wird, dass der Druck nachlässt, immer glücklich zu sein. "Es muss über die Möglichkeit gesprochen werden, dass die Mutterschaft nicht alle glücklich macht", sagt Donath, die sich übrigens selbst gegen Kinder entschieden hat. "Man sollte auf die Frauen vertrauen, dass sie selbst wissen, ob sie in der Lage sind Mütter zu werden oder nicht."

mit Material von dpa

(lsa)