Ermittler finden Sprengstoffspuren an Opfern von Egyptair-Absturz

Anschlag wurde bislang ausgeschlossen : Ermittler finden Sprengstoffspuren an Opfern von Egyptair-Absturz

Fast sieben Monate nach dem Absturz einer Egyptair-Maschine im Mittelmeer haben ägyptische Ermittler an sterblichen Überresten der Opfer Spuren von Sprengstoff gefunden. Das teilte das Luftfahrtministerium in Kairo am Donnerstag mit.

Die französische Flugunfall-Behörde gab mangels näherer Informationen keine Einschätzung zu der ägyptischen Mitteilung ab, während ein Pariser Opferverband schwere Vorwürfe gegen Ägypten erhob. "Wir sind nicht über die Bedingungen informiert worden, unter denen die Proben genommen wurden", sagte ein Sprecher der französischen Luftfahrt-Untersuchungsbehörde BEA. Deshalb sehe man sich nicht in der Lage, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die Untersuchungskommission gab bekannt, dass ein medizinischer Bericht an die ägyptischen Behörden gesandt worden sei. "Frankreich erwartet, dass die Übergabe dieses Berichts an die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft so schnell wie möglich den Weg öffnet, um die Überreste der Opfer den Familien zurückzugeben", erklärte der Sprecher des französischen Außenministeriums. Paris sei bereit, Ägypten bei den Ermittlungen weiter zu unterstützen.

Brand im Vorderteil des Flugzeugs

Bei dem Absturz von Egyptair-Flug 804 auf dem Weg von Paris nach Kairo waren am 19. Mai alle 66 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Ein Anschlag war damals rasch ausgeschlossen worden. Im Juli ergab die Analyse der Flugdatenschreiber, dass der Airbus A320 nach einem Brand in der Luft zerbrochen war. Damals war allerdings noch unklar, was den Brand ausgelöst hatte.

Erste Auswertungen der Stimmrekorder hatten ergeben, dass sich in einer der Toiletten und im Bereich der Bordelektronik Feuer ausgebreitet hatte. Auch die Untersuchung von Wrackteilen deutete darauf hin, dass der vordere Teil des Flugzeugs großer Hitze und dichtem Rauch ausgesetzt waren.

Ein französischer Opferverband warf Kairo vor, nur seine Fluggesellschaft in Schutz nehmen zu wollen. Es gebe keine Beweise für Terrorismus, kritisierte der Generalsekretär des Nationalen Verbands der Opfer von Anschlägen und Kollektivunfällen (Fenvac), Stéphane Gicquel. Seiner Ansicht nach will Ägypten Druck auf Frankreich aufbauen, damit es die These eines Anschlags bestätige - und nutze die noch nicht zurückgegebenen Überreste als Druckmittel.

Die Zeitung "Le Figaro" hatte im September unter Berufung auf Ermittlerkreise von Spannungen zwischen der ägyptischen und der französischen Justiz berichtet. Der BEA-Sprecher sagte, seine Behörde habe gut mit den ägyptischen Kollegen zusammengearbeitet - diese Untersuchung ist allerdings unabhängig von der Arbeit der Justiz.

(bur/AFP/dpa)