Ferguson-Proteste führen zur Rassismus-Debatte "Er starb wie ein Tier"

St. Louis · Seit dem Tod des afro-amerikanischen Teenagers Michael Brown durch Schüsse eines weißen Polizisten kommt es in der US-Stadt Ferguson immer wieder zu Unruhen. Im Vordergrund steht die Debatte um Rassismus in den USA – wieder einmal. Denn Brown und die damit einhergehenden Proteste sind kein Einzelfall. Ein Rückblick.

US-Kleinstadt Ferguson: Proteste nach tödlichem Polizeieinsatz
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US-Kleinstadt Ferguson: Proteste nach tödlichem Polizeieinsatz

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Foto: dpa, uw

Seit dem Tod des afro-amerikanischen Teenagers Michael Brown durch Schüsse eines weißen Polizisten kommt es in der US-Stadt Ferguson immer wieder zu Unruhen. Im Vordergrund steht die Debatte um Rassismus in den USA — wieder einmal. Denn Brown und die damit einhergehenden Proteste sind kein Einzelfall. Ein Rückblick.

Es war am 9. August, als der College-Student Michael Brown in dem Vorort von St. Louis im Bundesstaat Missouri von einem weißen Polizisten erschossen wird. Wie genau es zu den tödlichen Schüssen kam — sechs sollen es gewesen sein — ist noch nicht abschließend geklärt. Doch erneut kommt der Verdacht auf, dass die Polizei viel härter gegen Afroamerikaner und Hispanics vorgeht als gegen Weiße und auch schneller zur Waffe greift.

Die Beschuldigungen gegen die Behörden werden immer härter, immer hässlicher. "Michael war ein menschliches Wesen", sagt Ty Pruitt, der Cousin des Toten. Pruitt trägt einen schwarzen Anzug, von der Kanzel einer Kirche herab klagt er die Polizei an: "Er war kein Tier, aber er wurde umgebracht wie ein Tier."

Sogar der US-Senator Rand Paul, ein Republikaner, meldete sich jetzt zu Wort und sagte, es gebe eine Erosion der Bürgerrechte und Rassenunterschiede im System. Es ist eine Debatte, welche immer wieder in den USA hochkocht. Zuletzt nach dem Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin, der von dem 29-jährigen George Zimmerman, Mitglied einer Bürgerwehr erschossen wurde. Der Todeschütze war schließlich vor Gericht freigesprochen worden — er berief sich auf Notwehr. Tagelang hatte es nach dem Freispruch Proteste gegeben, bis sich schließlich auch der US-Präsident in die Debatte einschaltete.

Trayvon Martin und die emotionale Rede Obamas

Barack Obama hielt damals, im Juli 2013, eine emotionale Rede. Er sagte, vor 25 Jahren hätte auch er Trayvon Martin sein können. Denn auch er habe erlebt, wie Autofahrer ihre Türen verriegelten und Frauen ihre Geldbörsen fester umklammerten, wenn er an ihnen vorbeigelaufen sei. Es sei Zeit "für uns alle an der Zeit, einmal in uns zu gehen", hatte der US-Präsident gesagt. Zumal der Fall Martin nicht zum ersten Mal eine Protestwelle hervorrief.

Der wohl bekannteste Fall ist der von Rodney King. Damals war es ebenfalls zu Unruhen in den USA gekommen, nachdem mehrere weiße Polizisten den Afroamerikaner 1991 wegen zu schnellen Fahrens gestoppt und dann brutal zusammengeschlagen hatten. Sie wurden ebenfalls freigesprochen. Zwei der Polizisten wurden schließlich in einem neuen Verfahren zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, außerdem erhielt King eine Millionen-Entschädigung.

Es sollte nicht der letzte Fall bleiben. 2003 zeigten alle US-Fernsehsendern immer wieder ein Polizeivideo, in dem zu sehen ist, wie weiße Polizisten in Cincinnati mit Schlagstöcken auf den schwergewichtigen Afroamerikaner Nathaniel Jones einschlugen, auch als dieser zu Boden ging. Jones soll einen der Beamten angegriffen haben. Er selbst starb durch die Polizeigewalt. Bereits anderthalb Jahre zuvor hatten weiße Polizisten eine schwarzen Jugendlichen In Cincinnati erschossen, woraufhin es ebenfalls zu Protesten kam.

Gesetzentwurf im US-Kongress

Ein Fall wurde sogar verfilmt und läuft jetzt in den Kinos: Es ist der gewaltsame Tod des Afroamerikaners Oscar Grant durch den Rückenschuss eines weißen Polizisten. Verwackelte Handyaufnahmen zeigten 2009 den Vorfall und gingen um die Welt. Es hatte einen Streit in einer U-Bahn gegeben, worauf die Polizei ein Gruppe junger Schwarzer herausgriff. Es kommt zur Konfrontation, Grant liegt schließlich wehrlos am Boden, dann fällt der Schuss. Der Todesschütze kommt ebenfalls mit einer milden Strafe davon, sagt damals, er habe zum Elektroschocker greifen wollen, aber versehentlich die Schusswaffe genommen.

Es sind nur einige Beispiele, die in den vergangenen Jahren in den USA für Aufregung sorgten und zeigen, dass das Thema Rassenbeziehungen in den Vereinigten Staaten immer noch Brisanz hat. Zumal Statistiken immer wieder belegt haben, dass die Wahrscheinlichkeit, von der Polizei aufgegriffen zu werden, für Hispanics und Afroamerikaner höher ist.

Die Politik jedenfalls will reagieren. Wie tagesschau.de schreibt, gibt es bereits einen Gesetzentwurf im US-Kongress. Demnach sollen Polizeibehörden, die sich mit dem Problem nicht beschäftigen, keine Bundesmittel mehr erhalten. Zudem soll die Statistik besser werden, damit das Problem richtig erkennbar wird.

(das)