Buchautor Strauss-Kahn: "Einvernehmlich, aber dumm"

Buchautor Strauss-Kahn : "Einvernehmlich, aber dumm"

Im August wurde die Anklage gegen ihn fallengelassen, nun äußert er sich erstmals zu den damals erhobenen Anschuldigungen: Dominique Strauss-Kahn. Und das richtig öffentlich - im neuen Buch seines Biografen Michel Taubmann "Die DSK-Affäre, die Gegenrecherche". Auch dort ist wieder von einer möglichen Verschwörung gegen den früheren IWF-Chef die Rede.

Er wurde in Handschellen abgeführt, stand unter Hausarrest, es gab einen Medienrummel ohne Gleichen - die Vorwürfe der sexuellen Belästigung haben Dominique Strauss-Kahn nicht nur seinen Posten als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) gekostet, sondern auch seine Chancen, für das Amt des Präsidenten von Frankreich zu kandidieren.

Er selbst hielt sich lange bedeckt zu dem Thema, beteuerte nur immer wieder seine Unschuld. Nun, Monate nachdem die Anklage gegen ihn wegen Widersprüchlichkeiten in der Aussage des angeblichen Opfers, einem Zimmermädchen, fallengelassen wurde, äußert er sich dazu. In dem Buch Taubmanns sagt er, die sexuelle Beziehung sei "in gegenseitigem Einverständnis, aber dumm" gewesen.

"Die Tür zu allen anderen Affären geöffnet"

"Nichts wäre passiert, wenn es nicht einvernehmlich gewesen wäre", verteidigt sich Strauss-Kahn, der von seinem Biografen zu der Affäre interviewt wurde. Er sei an dem Tag in der Suite im New Yorker Sofitel Hotel nackt aus dem Bad gekommen. Das Zimmermädchen habe ihm einen zweideutigen Blick zugeworfen, das habe er als ein Angebot gedeutet. Danach sei es zu dem einvernehmlichen Sex gekommen.

"An diesem Tag", wird er zitiert, "habe ich die Tür zu allen anderen Affären geöffnet." Strauss-Kahn spricht dabei darauf an, dass er - kaum zurück in Frankreich - sich eines weiteren Vorwurfes der sexuellen Belästigung erwehren musste. Zudem wurde über ihn in Zusammenhang mit einem Prostituiertenring berichtet. Seine politischen Ambitionen dürften damit erst einmal auf Eis liegen.

Denn Strauss-Kahn war eigentlich der Favorit und Hoffnungsträger der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahl. Und es war auch immer wieder gemunkelt worden, ob er nicht doch eines Tages zurückkehren könnte. Viele sahen in den Vorwürfen des Zimmermädchens auch eine Verschwörung.

"Aufreizende Blicke" des Zimmermädchens

Auf diesen Zug springt auch der Autor Taubman auf, der schon einmal ein Buch über ihn veröffentlicht hat. Der Titel: "Die wahre Geschichte des Dominque Strauss-Kahn". Der Publizist und auch Vertraute des früheren IWF-Chefs erhebt in dem Buch den Vorwurf, Strauss-Kahn sei eine Falle gestellt worden. Das Zimmermädchen, so mutmaßt er, könnte dessen Handy gestohlen haben und ihn durch aufreizende Blicke verführt. Dem Sender Canal+ sagte er: "Das ist eine politische Affäre, keine Frage der Moral."

Strauss-Kahn selbst äußert sich erstaunlich offen über sein Privatleben in dem Buch. Angesichts der zahlreichen Affären könnte ihm aber auch nichts anderes übriggeblieben sein, als die Flucht nach vorn anzutreten. So sagt er, er habe ein ausschweifendes Sexualleben" gehabt.

Und er verteidigt sich mit den Worten: "Abgesehen von meinem liberalen Sexualleben, mit dem ich nicht allein da stehe in der Welt der Politik und der Wirtschaft, habe ich nichts illegales getan, da ist nichts, was mir Schande macht."

Auch auf die Callgirl-Affäre geht er indirekt ein. Er gibt zu, dass er an Swinger-Partys teilgenommen habe, "aber üblicherweise kommen zu solchen Abenden keine Prostituierte". "In der Presse wird mein Name mit Prostitution in Verbindung gebracht, das ist unerträglich", sagt er.

Und er scheint auch das Ende seiner politischen Karriere enorm zu bedauern. "Ich hätte in einer Position sein können, in der ich hätte Präsident werden können", sagt er. "Aber ich bin nicht mehr in dieser Position, das ist alles."

(das)
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