James Bulger inspirierte Scorseses Film "The Departed" Ein US-Topverbrecher kommt vor Gericht

Boston · Sein Leben soll bald verfilmt werden und war bereits Inspiration für Martin Scorses Streifen "The Departed": James Bulger, einer der berüchtigsten Gangsterbosse der USA. An diesem Dienstag nun soll der Prozess gegen den 83-Jährigen beginnen. Ein Prozess auf den die Vereinigten Staaten lange warten mussten und zu dem auch brisante Zeugen geladen sind.

Das ist der Prozess gegen US-Gangsterboss James Bulger
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Das ist der Prozess gegen US-Gangsterboss James Bulger

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Zweimal war der Prozess gegen Bulger bereits verschoben worden, 16 Jahre war der Gangsterboss selbst auf der Flucht. Nun aber beginnt das Verfahren mit der Auswahl der Geschworenen. Bis September aber werden die Opfer der Morde seines Clans wohl warten müssen, bis das Urteil fällt.

Der inzwischen 83-Jährige war 2011 im kalifornischen Santa Monica festgenommen worden, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Catherine Greig. Offenbar hatte eine frühere isländische Schönheitskönigin den entscheidenden Hinweis gegeben, wie der "Boston Globe" berichtete. Zwei Millionen Dollar soll sie dafür erhalten haben. Denn Bulger war nicht irgendwer, sondern stand auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher des FBI.

Für das FBI selbst ist der Fall Bulger keine rühmliche. Denn Bulger, dem im jetzigen Prozess die Beteiligung an 19 Morden, Geldwäsche und Waffenhandel vorgeworfen wird, soll 1994 seine Flucht auch deshalb gelungen sein, weil ihn ein FBI-Agent gewarnt haben soll. Denn der Gangsterboss soll selbst Informant für das FBI gewesen sein. "Wir waren frustriert, weil er vom FBI beschützt wurde", zitiert die britische "Daily Mail" den früheren Polizisten Bob Long. Der FBI-Agent wurde bereits zu einer Haftstrafe verurteilt.

Schon in jungen Jahren im Gefängnis

Seinen Spitznamen "Whitey" hat Bulger aufgrund seine hellen Haarschopfs. Immer wieder hatte sein Fall weltweit Beachtung gefunden, nachdem das FBI Berichte erhalten hatte, wonach der Flüchtige und seine Freundin in den Vereinigten Staaten, aber auch in Teilen Europas gesehen worden seien. Oft konnten die Ermittler nicht klären, ob es sich dabei tatsächlich um den Gesuchten handelte, oder nur um jemanden, der ihm ähnlich sah. Bulger war Thema mehrerer Bücher und inspirierte den Regisseur Martin Scorsese zu dessen Film "The Departed" aus dem Jahr 2006.

Der 83-Jährige wuchs im Süden Bostons auf, wurde schon als junger Mann mehrmals wegen Banküberfällen inhaftiert, unter anderem verbrachte er eine gewisse Zeit im berüchtigten Alcatraz-Gefängnis. Sein jüngerer Bruder dagegen ging einen ganz anderen Weg, wie die "Daily Mail" weiter schreibt. Er war 17 Jahre ein mächtiger Politiker im Staat Massachusetts.

Bulger dagegen wurde Kopf der irischen Verbrecherbande Winter Hall Gang, die unter anderem in den Drogenhandel verstrickt war. Sein Partner wurde in den späten 60er Jahren Stephen "The Rifleman" Flemmi. Die beiden kannten sich aus einer Zeit im Gefängnis, taten sich schließlich zusammen. Flemmi selbst sitzt bereits seit 2003 im Gefängnis wegen der Beteiligung an zehn Morden, wie das "Wall Street Journal" schreibt, und wird nun auch in dem Prozess eine gewisse Rolle spielen.

Wegbegleiter sollen als Zeugen aussagen

Denn mehrere Wegbegleiter Bulgers sollen vor Gericht aussagen, eben auch Flemmi. Die Anwälte Bulgers aber wollen die Glaubwürdigkeit dieser Zeugen untergraben, wie mehrere US-Medien berichten, weil sie durch ihre Zusammenarbeit mit den Behörden nach ihrer Ansicht nur ihre eigene Strafe abmildern wollten, wie die "Daily Mail" schreibt.

Auch ein früherer FBI-Direktor soll vor Gericht erscheinen. Allerdings hätten Bulgers Anwälte bereits verneint, dass ihr Klient FBI-Informant gewesen sein soll. Die andere Seite dagegen behauptet, dass er durch den Kontakt zu dem FBI-Agenten selbst Nutzen für sich und seine Verbrecherbande gezogen habe.

Fest steht auch jetzt schon, dass der Gangsterboss während des Prozesses auf nicht schuldig plädieren will. Die Angehörigen seiner mutmaßlichen Opfer aber werden dennoch hoffen, dass sie bis September doch Antworten auf die eine oder andere Frage bekommen werden. Doch zunächst gilt es, die Geschworenen auszuwählen. Und auch das dürfte keine leichte Aufgabe sein, denn die meisten Menschen in Boston und den USA haben bereits von Bulger gehört und dürften mitunter stark voreingenommen sein.

(das)
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