E-Zigarettenfirma Juul stoppt Verkauf einiger aromatisierter Produkte in den USA

US-Unternehmen nimmt Produkte vom Markt : Juul kommt Verkaufsstopp von E-Zigaretten zuvor

Noch ist nicht klar, warum mehr als 30 US-Bürger nach dem Dampfen von E-Zigaretten gestorben sind. Jetzt hat der US-Marktführer Juul bestimmte aromatisierte Flüssigkeiten von Markt genommen. In Europa sind die Mischungen zum Inhalieren strenger reguliert.

Angesichts der Untersuchung möglicher Gesundheitsrisiken durch E-Zigaretten setzt der US-Marktführer Juul den Verkauf bestimmter aromatisierter Flüssigkeiten in den Vereinigten Staaten aus. Einige Geschmacksrichtungen wie Mango und Gurke würden vorerst nicht mehr angeboten, teilte am Donnerstag der Hersteller mit, der wegen Dutzender Todesfälle im Zusammenhang mit E-Zigarettenkonsum unter Druck steht. Die Branche müsse "das Vertrauen der Gesellschaft" gewinnen, hieß es weiter.

Solange die US-Behörden an neuen Vorschriften für E-Zigaretten arbeiteten, würden die Geschmäcker Mango, Frucht, Gurke und Sahne vom Markt genommen, teilte Juul mit. Weiter verkauft werden sollen aber die Geschmacksrichtungen Tabak, Minze und Menthol.

Der US-Hersteller sieht in der Maßnahme offenbar eine vertrauensbildende Maßnahme. Juul wolle das "Vertrauen der Gesellschaft" gewinnen und dazu mit Behörden und Politik zusammenarbeiten, damit Minderjährige nicht zur E-Zigarette greifen, erklärte Firmenchef C.K. Crosthwaite. Dieser hatte Ende September den Chefposten übernommen. Zusätzlich kündigte Juul damals an, jegliche Werbung für seine Produkte zu stoppen. Für Deutschland und andere europäische Länder galt die Entscheidung allerdings nicht.

Elektrische Zigaretten, bei denen nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft wird, haben in den vergangenen Jahren weltweit enorm an Beliebtheit gewonnen. Zuletzt wurde jedoch in den USA eine Reihe von Lungenerkrankungen und Todesfällen mit dem Rauchen von E-Zigaretten in Verbindung gebracht.

Die US-Behörden sprechen inzwischen von mindestens 33 Todesfällen in 24 Bundesstaaten. Bis zum 15. Oktober brachten sie insgesamt 1479 Fälle von Lungenerkrankungen mit dem Konsum von E-Zigaretten in Zusammenhang. Die genauen Hintergründe sind unklar. Ein Großteil der Betroffenen hatte mit den E-Zigaretten den Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert.

Befürworter der E-Zigarette argumentieren, diese sei deutlich weniger gesundheitsschädlich als herkömmliche Zigaretten und könne Rauchern dabei helfen, von der Tabaksucht loszukommen. Kritiker befürchten aber vor allem, dass E-Zigaretten Jugendliche nikotinabhängig machen.

Die US-Regierung hat ein Verbot von aromatisierten Flüssigkeiten für E-Zigaretten angekündigt. Die Gesetzesvorlage soll nach Angaben der zuständigen US-Behörde FDA bald vorgelegt werden. Als erster US-Bundesstaat hat Massachusetts im September den Verkauf von E-Zigaretten vorerst vollständig verboten. Die kalifornische Metropole San Francisco hatte bereits im Juli ein entsprechendes Verbot erlassen. In den Bundesstaaten Michigan und New York gilt ein Verbot von aromatisierten E-Zigaretten.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt, dass die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen des E-Zigarettenkonsums noch nicht untersucht seien. "Insbesondere die Kombination der verschiedenen Inhaltsstoffe könnte bei dauerhaftem Konsum zu Gesundheitsschäden führen", heißt es in einer Broschüre der Bundeszentrale zu E-Zigaretten.

yb/bfi

(zim/AFP)
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