Kindermörder: Dutroux-Opfer verklagen Belgien

Kindermörder : Dutroux-Opfer verklagen Belgien

Opfer des Kindermörders Marc Dutroux haben beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage gegen den belgischen Staat eingereicht.

Sie wollen erreichen, dass in Verfahren zur vorzeitigen Haftentlassung die Belange der Verbrechensopfer besser berücksichtigt werden. Dies geht aus einem Offenen Brief der Kläger an das belgische Justizministerium hervor, den die Zeitung "Le Soir" am Freitag abdruckte.

Laetitia Delhez, die von dem Serienmörder 1996 als 14-Jährige sechs Tage gefangen gehalten wurde, und Jean-Denis Lejeune, dessen Tochter Julie auf dem Anwesen des Kinderschänders tot aufgefunden wurde, hatten nach Angaben ihres Anwalts die Klage am Donnerstag eingereicht, um zu erreichen, das Verbrechensopfer in Verfahren von Vollstreckungsgerichten, die Hafterleichterungen prüfen, umfassend konsultiert werden müssen.

Im aktuellen belgischen Vollzugsrecht haben Opfer bei Fragen der Resozialisierung ihrer Peiniger nur begrenzte Mitsprache, etwa um Wohnort eines unter Auflagen freigelassenen Straftäters.

Besondere Aktualität erhält die Klage der Opfer vor dem Straßburger Gericht, weil am Montag das Vollstreckungsgericht in Brüssel über einen Antrag des wegen sechsfacher Entführung, vierfachen Mordes und Kindesmissbrauchs zu lebenslanger Haft verurteilten Dutroux auf bedingte Haftentlassung entscheidet.

Da die Haftaufsicht einen Rückfall nicht ausgeschlossen hat, werden diesem Antrag geringe Chancen eingeräumt. Allerdings war Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin des pädophilen Serientäters, im August nach Verbüßung von 16 ihrer 30 Haftjahre unter Auflagen freigekommen, was in Belgien heftige Diskussionen auslöste.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Chronik des Dutroux-Falls

(AFP/nbe)
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