Doppelanschlag in der U-Bahn: Dritte Bombe konnte entschärft werden

Doppelanschlag in der U-Bahn: Dritte Bombe konnte entschärft werden

Moskau (RPO). Zwei Selbstmordattentäterinnen haben in der Moskauer U-Bahn mindestens 38 Menschen getötet. Mindestens 65 Menschen wurden verletzt. Einen dritten Sprengsatz konntet Sicherheitskräfte rechtzeitig entschärfen. Hinter der Attacke stehen offenbar Rebellen aus dem Kaukasus. Präsident Medwedew kündigte ein hartes Durchgreifen gegen die Terroristen an. Ministerpräsident Putin drohte, die Hintermänner werden "gefangen und vernichtet".

Die erste Explosion ereignete sich im morgendlichen Berufsverkehr gegen 07.57 Uhr (Ortszeit) in einem U-Bahnzug in der Station Lubjanka. Etwa eine halbe Stunde später detonierte eine zweite Bombe in einem Zug in der Station Park Kultury. Beide U-Bahnhöfe liegen im Zentrum der russischen Hauptstadt.

Augenzeugen berichteten von Panik unter den Metro-Fahrgästen. Dutzende Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge rasten zu den U-Bahnhöfen. Die Polizei riegelte mehrere U-Bahn-Durchgänge ab. Der Verkehr auf den betroffenen Linien wurde eingestellt, andere Linien verkehrten jedoch weiter. Täglich nutzen rund 8,5 Millionen Menschen die Moskauer U-Bahn.

Sicherheitskräfte entschärfen dritte Bombe

Eine dritte Bombe konnte von Sicherheitskräften entschärft werden, bevor sie explodierte. Wie die russische Staatsagentur "Ria Nowosti" meldet, wurde der dritte Sprenggürtel an der Haltestelle Park Kultury gefunden wurde. Dort, wo sich eine der beiden Selbstmordattentäterinnen in die Luft gesprengt hat. Die sterblichen Überreste der vermutlich zwischen 18 und 20 Jahre alten Frau wurden inzwischen von der Polizei gefunden.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew sagte laut russischen Nachrichtenagenturen bei einer Krisensitzung, Russland werde den Kampf gegen Terrorismus "ohne Zögern und bis zum Ende" fortführen. Er ordnete er eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen in den öffentlichen Transportmitteln an. Ministerpräsident Wladimir Putin drohte den Hintermännern der Anschläge, sie würden "gefangen und vernichtet".

Ein FSB-Sprecher sagte, nach ersten Erkenntnissen sei der Doppelanschlag von zwei Selbstmord-Attentäterinnen verübt worden. Die beiden Frauen hätten den Sprengstoff vermutlich am Körper getragen, sagte Chefstaatsanwalt Juri Sjomin. Der FSB vermutete militante Gruppen aus dem Nordkaukasus als Drahtzieher. Zunächst bekannte sich jedoch niemand zu den Anschlägen.

  • Kommentar zum Terror in Moskau : Putins Friede war ein Trugschluss

Tschetschenische Islamisten im Verdacht

Nach Einschätzung des auf die Beobachtung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmens IntelCenter deutet vieles darauf hin, dass die Gruppierung Kaukasus-Emirat des tschetschenischen Rebellenchefs Doku Umarow hinter dem Doppelanschlag steckt.

Umarow will im Nordkaukasus einen islamischen Staat errichten und hatte sich zu dem Anschlag auf den "Newski-Express" bekannt. Der Schnellzug war Ende November auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg durch eine Explosion entgleist. Dabei wurden 28 Menschen getötet.

Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete, die Attentäterinnen seien offenbar im Südwesten Moskaus in die U-Bahn gestiegen. Aufnahmen von Sicherheitskameras zeigten sie in Begleitung von zwei weiteren Frauen, nach denen gefahndet werde, berichtete die Agentur unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte nach den Worten eines Regierungssprechers "mit Bestürzung und Abscheu" auf die Anschläge. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschläge "auf das Schärfste". Er gehe "zur Stunde" davon aus, dass keine Deutschen unter den Opfern seien, erklärte Westerwelle in Berlin. Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte die Attentate als "abscheuliche Akte".

(AFP/awei)