1. Panorama
  2. Ausland

Österreichischer Wilderer tötete vier Menschen: Die zwei Gesichter des Alois H.

Österreichischer Wilderer tötete vier Menschen : Die zwei Gesichter des Alois H.

Stundenlang hielt er die Einsatzkräfte in Atem, und ganz Österreich fragt sich, wie es zu dem Amoklauf des Alois H. kommen konnte. Der mutmaßliche Wilderer hat vier Menschen erschossen. Doch wer ist der Mann, der sich über Stunden in seinem Haus verschanzte und am Ende offenbar selbst verbrannte? Eine Spurensuche.

Es war eine Verfolgungsjagd, die in einem Bauernhof in Niederösterreich endete. "Wir sind froh, dass wir den Einsatz nach 24 Stunden beenden konnten", sagte Polizeisprecher Roland Scherscher der Nachrichtenagentur dpa. Die Bilanz des Einsatzes ist traurig: Drei Polizisten und ein Sanitäter starben. Der 55-jährige Alois H. hatte, während er von der Polizei gejagt wurde, die zwei Beamten und den Sanitäter erschossen, den dritten Polizisten, den er zwischenzeitlich als Geisel nahm, fand man später tot in seinem Streifenwagen.

Auch als er sich in seinem Bauernhof im Bezirk Melk verschanzte, schoss er noch weiter um sich. Als ein Sondereinsatzkommando das Gehöft stürmt, wird nur noch eine brennende Leiche gefunden — im Keller hinter einer Geheimtür. Was die Beamten außerdem in dem Keller finden, könnte ebenfalls Aufschluss auf das Leben des Alois H. bringen. Dort seien Hinweise auf weitere Straftaten entdeckt worden. Welche, sagen die Ermittler nicht.

Nachbarn bezeichnen ihn als "angenehmen" Mann

Es könnte sich um Wilderei handeln, deren der Österreicher ohnehin verdächtigt wird. Er soll es gewesen sein, der über Jahre aus dem Auto heraus Hirsche schoss, den Kopf abtrennte und die Körper achtlos am Straßenrand liegen ließ. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft wird aber auch ermittelt, ob er im Jahr 2011 versucht hat, einen Jäger zu ermorden.

Die ersten Ermittlungsergebnisse zeichnen das Bild eines Mannes, der so wenig dem Mann gleicht, den Nachbarn als angenehm und ruhig bezeichnen. Der Transportunternehmer soll unauffällig auf seinem Bauernhof gelebt haben, weder streitsüchtig, noch auffällig gewesen sein. Doch einem Freund gegenüber soll er sich am Tag der Tat geöffnet haben. "Es ist leider wahr. I bin nämlich der Wilderer von Annaberg", soll er laut den österreichischen Zeitungen "Kurier" und "Kronenzeitung" dem Mann am Handy gebeichtet haben.

Seinen Schäferhund "Burgi", den er nach den Medienberichten über alles geliebt haben soll und für den ihm nichts zu teuer war, soll er da bereits erschossen haben. "Und mi werden s'a net kriegen", soll er gegenüber seinem Freund noch angekündigt haben. Jenem Freund, dem er nach österreichischen Medienberichten auch von psychischen Problemen berichtet haben soll.

Seine Frau starb vor 18 Jahren an Krebs

Alois H. verlor laut dem österreichischen Internetportal oe24 vor 18 Jahren seine Frau an Krebs. Seither habe er ein langes psychisches Tief durchlebte und habe nicht loslassen können. Sogar eine Kapelle soll er auf dem elterlichen Hof eingerichtet haben, in der er täglich gebetet haben soll. Seinem Freund habe er schließlich davon berichtet, dass er so etwas wie ein "zweites Ich" habe.

Die Jagd war offenbar seine große Leidenschaft. So berichtet unter anderem die "Kleine Zeitung", dass er eine kleine Jagdpacht in dem Bezirk gehabt haben soll, in seinem Revier jedoch keine Hirsche. Er soll seit Jahren im Melker Schützenverein aktiv gewesen sein und auch immer wieder an Schießwettebewerben teilgenommen haben, Jagdkollegen bezeichneten ihn demnach als einen "vorbildlichen Jäger".

Der österreichische "Kurier" berichtete zudem von seiner Teilnahme an Großwild- und Hubschrauberjagden. Hunderte Waffen soll er in seinem Haus gehortet haben. Auch sollen bei ihm einige gestohlene Kennzeichen gefunden worden sein. Ob er sein Ende so geplant hat, das werden die Ermittlungen noch zeigen. Das Portal oe24 jedenfalls berichtet, dass es Hinweise darauf gebe, dass dem so sei. Denn nach und nach soll Alois H. seinen Besitz veräußert haben, darunter seinen BMW.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Jagd nach dem Wilderer von Österreich

(das)