"Tide Pod Challenge" Die wahrscheinlich dümmste Mutprobe aller Zeiten

Düsseldorf · Für ein paar Klicks im Internet riskieren Jugendliche in den USA zurzeit ihr Leben: Sie beißen auf Waschmittelkapseln herum und filmen sich dabei. Hersteller Procter & Gamble warnt ausdrücklich vor der sogenannten "Tide Pod Challenge".

 Hersteller Procter & Gamble weist darauf hin, dass es lebensgefährlich ist, die "Tide Pods" in den Mund zu nehmen.

Hersteller Procter & Gamble weist darauf hin, dass es lebensgefährlich ist, die "Tide Pods" in den Mund zu nehmen.

Foto: ap

Rob Gronkowski gehört aktuell zu den Superstars in der US-Football-Liga NFL. Er kämpft aber nicht nur am 4. Februar mit den New England Patriots im Super Bowl gegen die Philadelphia Eagles um die Meisterschaft, sondern ist auch das Gesicht einer Kampagne, die zurzeit vor einer bei Jugendlichen angesagten, aber auch lebensgefährlichen Mutprobe warnt: In den USA heißt sie die "Tide Pod Challenge".

Tide Pods sind mit Waschmittel gefüllte Gelkissen der Marke Tide, die zum Unternehmen Procter & Gamble (P&G) gehört. Bei der Challenge nehmen die Jugendlichen die Kissen in den Mund und beißen auf ihnen so lange herum, bis sie platzen, sich das Waschmittel auf der Zunge verteilt und dann aus dem Mund herausläuft. Die Aktion wird gefilmt und das Video anschließend ins Internet gestellt, um Klicks und Likes zu bekommen.

Die American Association of Poison Control Centers, ein Zentrum für Giftkontrolle, warnte in der vergangenen Woche davor, dass die Waschmittelkapseln Anfälle, Durchfall, Atemstillstand und sogar den Tod verursachen können. Auch von schweren Verätzungen in Mund, Speise- und Luftröhre ist die Rede.

Allein in den ersten zwei Januar-Wochen mussten 39 Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren in den USA wegen schwerer Vergiftungen im Krankenhaus behandelt werden. 86 "absichtliche Kontakte" mit den Pads wurden erfasst. Im gesamten vergangenen Jahr sollen es 53 Fälle gewesen sein. Ob es bereits Tote gab, ist nicht bekannt. Deutschland soll der Trend noch nicht erreicht haben.

P&G-Chef David Taylor nannte den Trend "gefährlich" und "extrem besorgniserregend". Eltern sollten mit ihren Kindern über die Gefahren sprechen, ihr Leben und ihre Gesundheit seien wichtiger als Klicks und Likes im Internet.

Die Kampagne mit Football-Star Rob Gronkowski hat der Hersteller selbst initiiert. In dem 20-Sekunden-Video weist der Sportler ausdrücklich darauf hin, dass die Gelkissen ausschließlich zum Wäschewaschen benutzt werden dürfen. Auch zum Spaß sollte man die Kapseln nicht zerbeißen.

Außerdem arbeitet Procter & Gamble mit den Social-Media-Kanälen zusammen. Auf der Plattform Youtube werden zum Beispiel die Videos der Tide Pod Challenge gelöscht - zumal sie gegen Richtlinien verstoßen. Es ist verboten, Videos zu verbreiten, die andere Nutzer zu Handlungen ermutigen, die ihnen schweren Schaden zufügen könnten. Auf den Waschmitteln stehen zusätzlich eindeutige Warnhinweise.

Das ist unklar. Zu Vorfällen ist es jedenfalls schon kurz nach der Markteinführung der Tide Pods 2012 gekommen, als Kleinkinder und auch ältere Menschen die Kapseln in den Mund nahmen. Vermutlich verwechselten sie diese mit Bonbons, da die bunten Kapseln eine Ähnlichkeit mit Süßigkeiten haben.

Charles Schumer, heutiger Fraktionschef der US-Demokraten, warnte bereits bei der Einführung der Tide Pods vor der Verwechslungsgefahrer: "Die Pods sollten die Hausarbeit erleichtern und unsere Kinder nicht dazu verleiten, schädliche Chemikalien zu schlucken. Ich sah einen auf dem Schreibtisch meines Angestellten und ich wollte ihn essen", sagte er 2012 laut "New York Daily News".

(gaa)