US-Schützen bauen sich Waffen selbst: Die Pistole aus dem 3D-Drucker

US-Schützen bauen sich Waffen selbst : Die Pistole aus dem 3D-Drucker

Während die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Deutschland vor der Herstellung scharfer und tödlicher Pistolen durch 3D-Drucker warnt, bauen sich in den USA immer mehr Menschen ihre Waffen mithilfe der neuen Technik selbst.

Wie viele Menschen in den USA hat Travis Lerol in seinem Leben bereits einige Waffen besessen. Doch sein jüngstes Exemplar kaufte er nicht in einem Geschäft, sondern druckte es einfach bei sich im Keller aus. Baustein für Baustein kam die Waffe aus einem 3D-Drucker, Lerol brauchte die Plastikteile nur zusammenzusetzen. Die Datei mit Formen und Maßen des Schießeisens hatte sich der 31-jährige Softwareingenieur aus dem Internet heruntergeladen.

Bei ihrem eigentlichen Zweck, dem Abfeuern von Patronen, hat die Plastikpistole aber so ihre Tücken. Lerol gelang bei 200 Versuchen erst ein Schuss. Der aus einem Nagel als Schlagbolzen bestehende Abzugsmechanismus "scheint etwas unzuverlässig zu sein", sagt der Hobbyschütze aus einer Vorstadt von Washington. Das habe er auch schon von anderen Leuten gehört, die sich einen Liberator ausgedruckt haben.

Der Liberator aus dem Drucker

Liberator (deutsch: Befreier) ist der Name der Waffe aus dem 3D-Drucker. Sie soll der einschüssigen FP-45 Liberator nachempfunden sein, die das US-Militär während des Zweiten Weltkriegs über dem besetzten Frankreich abwarf, um die Widerstandskämpfer der Résistance zu bewaffnen. Äußerlich ähnelt sie aber eher einer Spielzeugpistole.

Der Webseite Defense Distributed zufolge ist der Plastik-Liberator die erste funktionsfähige Schusswaffe, die mit einem dreidimensionalen Drucker erzeugt werden kann. Mehr als 100.000 Mal wurde das Design von der offiziellen Seite heruntergeladen, ehe die Behörden im Mai die Löschung der Baupläne anordneten. Doch über Tauschbörsen und andere Internetseiten verbreitet sich die Konstruktion immer weiter.

"Ich denke, dass die Liberator-Dateien insgesamt mindestens eine Million Mal heruntergeladen wurden", sagt Cody Wilson. Der Jurastudent der Universität Texas steht hinter Defense Distributed. Wie viele Waffenfans ihren Liberator auch tatsächlich ausgedruckt haben, ist aber unklar. Die Anschaffung eines guten 3-D-Druckers kostet mehrere tausend Dollar.

In den Bundesstaaten Kalifornien und New York setzen sich Abgeordnete dafür ein, die Herstellung von Waffen mit 3D-Druckern zu untersagen. Im US-Repräsentantenhaus prüft der Justizausschuss ein Verbot von "unauffindbaren Schusswaffen". Die Behörden befürchten nämlich, dass die Plastikpistolen einfach durch die Sicherheitskontrollen an Flughäfen geschmuggelt werden könnten.

Wilson sieht in Verboten einen Verstoß gegen die Verfassung. Dort sei nicht nur das Recht auf Waffenbesitz, sondern auch auf Waffenbau verankert. Die Waffenkontrollbehörde ATF weist auf ihrer Internetseite aber darauf hin, dass sich Bürger nur dann selbst eine Waffe basteln dürfen, wenn diese nicht zum Verkauf oder Vertrieb bestimmt sei.

300 Millionen Schusswaffen in Privathand

In den Vereinigten Staaten befinden sich etwa 300 Millionen Schusswaffen in privaten Händen. Das Recht auf Waffenbesitz ist ein hochumstrittenes Thema. Die Debatte wurde zuletzt durch den Amoklauflauf mit 20 toten Kindern an der Sandy-Hook-Grundschule im Dezember angeheizt. Jedes Jahr sterben in den USA mehr als 30.000 Menschen durch eine Schusswaffe.

Softwareingenieur Lerol gehört zu jener Hälfte der US-Bevölkerung, für die der Waffenbesitz ein unverrückbarer Teil der nationalen Identität ist. Regelmäßig geht er auf die Schießbahn, in einem Sommerlager für Freizeitschützen war er Ausbilder. In seinem Waffenschrank liegen zwei Pistolen, eine Shotgun und ein halbautomatisches Gewehr vom Typ AR-15.

Mit seinem 3-D-Drucker bastelte sich Lerol aus Kunststoff einen Schuh, eine Teekanne und einige Schachfiguren, ehe er auf die Idee mit der Waffe kam. Die misslungenen Schussversuche haben ihn aber ernüchtert: "Für mich ist das eher ein Spaßprojekt als eine geeignete Schusswaffe."

(AFP)