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Anschläge von Jakarta: Die Jagd auf Hotel-Attentäter beginnt

Anschläge von Jakarta : Die Jagd auf Hotel-Attentäter beginnt

Düsseldorf (RP). Noordin Mohammed Top gilt als der Drahtzieher der Anschläge auf die beiden Luxushotels in Jakarta. Der Islamist ist einer der gefährlichsten Terroristen der Welt, der den Fahndern vor kurzem knapp entkommen ist.

Man weiß, dass es ihn gibt, denn sein Leben zieht noch immer eine Spur aus Gewalt und Tod nach sich. Man weiß, dass er am 11. August 1968 in Johor in Malaysia geboren wurde, doch in den Fahndungsunterlagen der amerikanischen Bundespolizei FBI steht bei Größe und Gewicht "unbekannt". Auch wie er sein Haar trägt und welche Augenfarbe er hat ist "unbekannt". Einig ist man sich bei Fahndern und Terrorexperten: Der Mann, um den es geht, ist einer der gefährlichsten Terroristen der Welt. Sein Name: Noordin Mohammed Top — das Phantom Indonesiens.

Noordin Top ist der Hauptverantwortliche

Zwei Tage nach den Selbstmordanschlägen auf die beiden Luxushotels Ritz-Carlton und Marriott im Zentrum der indonesischen Hauptstadt Jakarta ist sich der Chef der Antiterroreinheit "Detachment 88", Ansyaad Mbai, sicher, dass Noordin Top und die von ihm geführte Splittergruppe der Jemaah Islamiya für die Anschläge verantwortlich ist. Dabei wurden neun Menschen getötet und rund 60 verletzt. Der oberste Terrorbekämpfer nimmt als Beleg die Tatumstände: Selbstmordattentäter, fast zeitgleiche Anschläge sowie die Bauart der Bomben ließen auf den Islamisten Noordin Top schließen. Außerdem wurden die Sprengsätze aus dem gleichen Material gebaut, das wenige Tage zuvor in einer islamischen Schule in Cilacap sichergestellt worden war, die als Unterschlupf des Terroristen diente.

Terrorfahnder waren Top schon sehr nahe

Die Terrorfahnder waren Top am 14. Juli ganz nah gekommen, doch er konnte entwischen, wie es ihm schon mehrmals gelungen war. In der Schule wurden Draht, Schwefel und weitere Bestandteile für den Bombenbau gefunden. Außerdem Schriften über den Heiligen Krieg. Die Tochter des Schuldirektors ist angeblich Tops Frau. Im vergangenen Oktober war Noordin Top den Fahndern entkommen, als er wegen Leberproblemen in Ost-Java ein Arzt aufgesucht hatte. Auch 2005 hatten die Fahnder ihn in Zentraljava aufgespürt, doch Noordin Top war schon damals schneller.

Ein charismatischer Bombenbauer

Er gilt als charismatisch, als guter Organisator, Bombenbauer und Trainer der Gruppe Jemaah Islamiya. Nach FBI-Angaben gilt er als hervorragender Anwerber, Stratege und Geldbeschaffer. Das brachte ihm den Spitznamen "Moneyman" (Geldmann) ein. Er gehörte zum Spitzenpersonal der Gruppe, die 1993 gegründet worden war. Sie will einen panislamischen Gottesstaat unter Einbeziehung Indonesiens, Singapurs, Thailands, Malaysias und der Philippinen. Ihr werden enge Verbindungen zum Terrornetzwerk al Qaida des Islamisten Osma bin Laden nachgesagt.

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Parallelen zu den Anschlägen von Bali

Die Jemaah Islamiya wird für die Anschläge auf der Ferieninsel Bali am 12. Oktober 2002 verantwortlich gemacht, bei denen mehr als 200 Menschen umkamen, darunter auch sechs deutsche Touristen. 2003 folgte ein Anschlag auf das Marriott-Hotel in Jakarta (12 Tote). 2004 forderte der Anschlag auf die australische Botschaft mehrere Tote, 2005 gingen auf Bali erneut Bomben hoch: 20 Tote.

Antiterroreinheit "Detachment 88"

Die Antiterroreinheit "Detachment 88", die nach den Bali-Anschlägen 2002 gegründet worden war und von den USA, Australien und Singapur unterstützt und ausgebildet wurde, war in ihrer Arbeit erfolgreich. Die rund 400 Mann starke Truppe nahm mehrere hundert Mitglieder der Jemaah Islamiya fest, sie schwächte deren Führungsriege und sorgte so für eine weitgehende Abkehr der Gruppe vom radikalen Weg.

Nur bei Noordin Top hatte dies keinen Erfolg. Er blieb bei seinem Terrorkurs als Hauptbefürworter gezielter Angriffe auf westliche Einrichtungen in islamischen Ländern wie Indonesien. Er gründete im Januar 2006 seine neue Organisation "Tanzim Qa'idat al-Jihad", die Terrorexperten als Absplitterung von der Jemaah Islamiya ansehen. Sein Ziel: Er will Symbole westlicher Vorherrschaft in der islamischen Welt wie Hotelketten oder westliche Firmen treffen, weil Anschläge in den Ländern der Gegner wegen der großen Sicherheitsvorkehrungen dort schwieriger geworden sind.

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(RP)