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Deutscher verdächtigt: Fall Madeleine McCann vor der Aufklärung?

13 Jahre Suche nach Maddie : Verdächtiger wurde 2017 wegen Kinderpornografie verurteilt

Wer hat das kleine britische Mädchen Maddie McCann umgebracht? Mehr als ein Jahrzehnt nach ihrem Verschwinden führt die Spur nach Deutschland. Die Ermittler glauben nun, den Täter gefunden zu haben. Doch am Ziel sind sie noch lange nicht.

Es sollte ein Traumurlaub an der Algarve werden und endete in einem Alptraum: Maddie, die vor 13 Jahren spurlos aus einer Ferienanlage in Portugal verschwand, ist deutschen Ermittlern zufolge nicht mehr am Leben. Polizisten aus verschiedenen Ländern versuchten, den mysteriösen Fall um das kleine britische Mädchen jahrelang zu lösen - vergeblich. Nun könnte er vor der Aufklärung stehen: Der Täter soll ein Deutscher sein, der in Kiel hinter Gitter sitzt. Viele Spuren deuten darauf hin. Aber: Es gibt keine Zeugen und keine Leiche.

„Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen“, teilten die Eltern mit. „Alles, was wir je wollten, ist sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“ Kate und Gerry McCann halten ihrem Sprecher zufolge die jüngsten Ergebnisse für die womöglich „wichtigste Entwicklung in 13 Jahren“.

Der 43-jährige Verdächtige ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft. Er lebte im Zeitraum des Verschwindens an der portugiesischen Algarve. Telefonate, Bewegungsmuster, kriminelle Vergangenheit: Einiges deutet darauf hin, dass er der lange gesuchte Täter sein könnte. Die Ermittler suchen nun nach weiteren Hinweisen aus der Bevölkerung. Der britischen Polizei zufolge soll er etwa 1,80 Meter groß sein und zur Tatzeit kurze, blonde Haare gehabt haben.

Der Verdächtige ist im September 2017 wegen Besitzes von Kinderpornografie und sexuellen Missbrauchs eines Kindes vom Landgericht Braunschweig verurteilt worden. Das bestätigte am Donnerstag Thomas Klinge, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, die für alle Fälle in Niedersachsen mit Bezug zu Kinder- und Jugendpornografie zuständig ist. Der Mann habe eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten erhalten, die er bereits verbüßt habe, sagte der Sprecher. Die Ermittlungen in diesem Fall hätten bereits 2014 begonnen. Einzelheiten zu dem Verfahren wollte Klinge nicht nennen.

Wer den Verdächtigen kennt, beschreibt ihn als merkwürdigen Typen. „Er war immer ein bisschen wütend, ist die Straße schnell hoch und runter gefahren und eines Tages, so um 2006, verschwand er ohne ein Wort“, berichtete eine Ex-Nachbarin aus Portugal dem britischen Sender Sky News. Sie half demnach beim Aufräumen der verlassenen Unterkunft. „Es war eklig“, sagte die Frau. Überall hätten kaputte Sachen wie Computer herumgelegen. In einem Müllbeutel seien Perücken und seltsame Kleidungsstücke - vielleicht für Kostümierungen - gewesen.

Maddie verschwand kurz vor ihrem vierten Geburtstag am 3. Mai 2007 aus der Appartementanlage in portugiesischen Praia da Luz. Zeitweise waren die Eltern sogar selbst ins Visier der Ermittler geraten. Medien berichteten damals, die Polizei gehe von einem Unglücksfall aus - die Eltern hätten die Leiche verschwinden lassen.

Mutter und Vater hatten in einem Restaurant mit Bekannten gegessen, das ganz in der Nähe ihrer Unterkunft lag. Regelmäßig hatten sie nach Maddie und ihren beiden Geschwistern geschaut - bis die Mutter plötzlich entsetzt feststellte: Maddies Bett war leer. Vermutlich konnte der Täter durch die offene Terrassentür eindringen.

In Portugal wurden die Nachrichten aus Deutschland mit Hoffnung auf eine baldige Aufklärung des Falles, aber auch mit viel Skepsis aufgenommen. „Ohne die Leiche der kleinen Maddie und ohne Geständnis wird es wahrscheinlich sehr schwer sein, in einem Prozess die nötigen Beweise zu erbringen“, sagte die erfahrene Anwältin Sofía Matos im portugiesischen Fernsehen. Zum Zeitpunkt des Verschwindens von Maddie hätten sich schließlich „zahlreiche andere Menschen verschiedener Nationalitäten in Nähe des Tatorts aufgehalten“.

Ähnlich sieht die Lage der angesehene Justizexperte des portugiesischen Nachrichtensenders „TVI24“, Henrique Machado. „Motiv und Gelegenheit reichen für eine Anklage nicht aus, es müssen andere Beweise her.“ Nach Informationen von Machado, die auf Quellen der portugiesischen Kriminalpolizei basieren, wird der Verdächtige eher nicht viel verraten. „Dieser Mann wird kaum gestehen, denke ich.“

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist der Auffassung, dass Maddie, die eigentlich Madeleine heißt, tot ist. Die britischen Behörden gehen noch von einem Vermisstenfall aus. Maddies Eltern wollen erst einmal keine Stellungnahmen mehr abgeben. „Sie wollen, dass sich nun alles auf die Ermittlungen konzentriert“, sagte ihr Sprecher Clarence Mitchell der Deutschen Presse-Agentur in London.

(anst/dpa)