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Marathon im Wasser: Deutsche Rettungsschwimmer umrunden Mallorca

Marathon im Wasser : Deutsche Rettungsschwimmer umrunden Mallorca

Mallorca (RPO). Starkem Wind und gefährlichen Quallen haben zwei deutsche Rettungsschwimmer getrotzt, als sie in sechs Tagen die spanische Insel Mallorca komplett umrundeten. Lars Görny aus Stralsund und Lutz Heimann aus Zwickau legten im 24 Grad warmen Wasser 367,4 Kilometer zurück. Es ist der bislang wohl spektakulärste Schwimm-Marathon in Europa.

Die wohl sportlichste Herausforderung ihres Lebens hatte sich zunächst als schwieriger erwiesen, als befürchtet. Schon wenige Stunden, nachdem sich die mehrfachen Weltmeister im Rettungsschwimmen am vergangenen Sonntag in die Fluten gestürzt hatten, war der Wind kräftig aufgefrischt. "Bei Windstärken zwischen 6 und 8 und meterhohen Wellen drohte schon die zweite Etappe am Montag vor dem Hafen von Sollere zu scheitern. "Da dachte ich, um Gottes Willen, wie sollen wir da nur durch", erinnerte sich Görny, der schon vor Jahren die Inseln Hiddensee und Rügen umschwommen hatte und am Samstag kurz nach der Zielankunft die ersten Interviews gab. "Eine Zeitlang absolvierten wir pro Stunde sogar mehr als vier Kilometer, doch als die See immer stürmischer wurde, mussten wir für einige Zeit sicherheitshalber in den Hafen zurück. Den Rückstand holten wir aber in den nächsten Tagen wieder auf."

Im Stundentakt hatten sich die von zwei Katamaranen begleiteten Schwimmer gegenseitig abgewechselt. Schlafpausen an Bord gab es nur in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Schlimmer noch als der Wind setzten gefährliche Feuerquallen den Rekordschwimmern zu. Weil die Nesseltierchen in Ufernähe ohne Ende aufgetreten seien, haben man dem Quallenteppich ausweichen und 800 Meter weiter hinaus auf See schwimmen müssen, sagte Heimann, der allein mit 35 Weltmeistertiteln und 20 Weltrekorden als erfolgreichster Rettungsschwimmer der Welt gilt. Zeitweise sei er sogar dem Angriff einer Möwe ausgesetzt gewesen, die ihn immer wieder im Tiefflug attackiert habe.

Etwa zur Wochenmitte begannen die Kräfte nachzulassen. "Je länger man schwamm, desto größer wurden die Probleme", beschrieb Extremsportler Görny jenen Abschnitt, als die Schmerzen in den Armen, im Nacken und im Magen unerträglich wurden und auch Arzt und Physiotherapeut an Bord der Begleitschiffe alle Hände voll zu tun hatten, um ihre Zöglinge fit für die nächste Etappe zu machen. Erst als das Ziel am Samstag in Sicht kam, sei auch die Freude darüber zurückgekehrt, den Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde tatsächlich schaffen zu können. Zum Schluss hatte sogar die spanische Küstenwache die Badia de Palma für eine halbe Stunde gesperrt, um den Schwimmern die gefahrlose Passage einer Schifffahrtrinne zu sichern

Am Ende genossen die beiden Freunde eine heiße Dusche, um sich die gegen die Kälte dick aufgetragene Schutzcreme vom Leibe zu waschen. Eine große Flasche Mineralwasser stillte den schlimmsten Durst. Und das Brennen auf der vom Salzwasser angeschwollenen Zunge wurden mit Eiswürfeln gelindert. Der von hunderten Schaulustigen an Land verfolgte Schwimm-Marathon soll übrigens im Sommer 2008 wiederholt werden. Dann wollen auch Frauen zum Mallorca-Rundkurs ins Wasser steigen.

(afp)