Amoklauf in den Niederlanden: Der Täter hatte fünf Waffenscheine

Amoklauf in den Niederlanden: Der Täter hatte fünf Waffenscheine

Amsterdam/Alphen am Rhein (RPO). Die Niederlande befinden sich nach dem Amoklauf von Alphen in Schockstarre. Einen Tag danach gedachten viele der Opfer. Ein 24-Jähriger hatte in einem Einkaufszentrum in Alphen am Rhein mit einem Sturmgewehr sechs Menschen erschossen und sich dann mit einem Kopfschuss das Leben genommen. Über das Motiv des Schützen wird es wohl nie Klarheit geben.

Es sei natürlich sehr traurig für die Opfer der Familien, doch auch die vom Täter hinterlassenen Notizen gäben keinen Aufschluss über dessen Motiv, erklärte die Staatsanwaltschaft. Darin seien keine Drohungen ausgesprochen worden, die Inhalte seien vielmehr spiritueller Natur. Der Mann sei eindeutig lebensmüde gewesen. Die Ermittler hatten zwei Notizen des Täters sowie dessen Computer sichergestellt.

Täter kündigte Selbstmord an

Bei dem Amoklauf wurden mindestens 17 Menschen verletzt, darunter auch zwei Kinder. Dutzende erlitten kleinere Blessuren. Berichte, wonach der Vater oder die Mutter des Todesschützen unter den Opfern waren, wurden von den Behörden als falsch zurückgewiesen. Beide kooperierten mit der Polizei, sagte der Bürgermeister von Alphen, Bas Eenhoorn. Die Mutter habe einen Abschiedsbrief in der Wohnung ihres Sohnes gefunden, in dem dieser seinen Selbstmord angekündigt habe. Daraus habe sich aber kein Motiv für die Tat ergebe, sagte Eenhoorn.

Auch in einem schwarzen Mercedes, der dem Täter gehörte, wurde eine Notiz gefunden. Darin fanden sich Drohungen, dass in drei weiteren Einkaufszentren Bomben versteckt seien. Die Einkaufszentren wurden evakuiert, Sprengsätze wurden aber keine gefunden.

Zwei Mädchen beim Amoklauf verletzt

Von den 17 Verletzten konnten fünf bereits aus dem Krankenhaus entlassen werden. Zwölf würden allerdings noch behandelt, sagte Eenhoorn auf einer Pressekonferenz. Bei den beiden verletzten Kindern handele es sich um zwei Mädchen im Alter von zehn und sechs Jahren, von denen eines bereits wieder nach Hause entlassen worden sei.

In Alphen, rund 30 Kilometer südwestlich von Amsterdam, wurden am Sonntag Gedenkgottesdienste abgehalten. Eine Kirche nahe des Einkaufszentrums Ridderhof blieb allerdings im Rahmen der forensischen Untersuchung weiter abgesperrt.

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Die Tat spalte die niederländische Gesellschaft, sagte Eenhoorn. Er hoffe, die Menschen spendeten sich gegenseitig Trost und sprächen über ihre Ängste und Sorgen angesichts dieser schrecklichen Tat. Eine Kerzenmahnwache vor dem Einkaufszentrum war für den Sonntagabend geplant. 8.000 Menschen sprachen in einem Kondolenzbuch im Internet ihr Beileid aus. "Ich dachte immer, diese schrecklichen Dinge passieren nur im Ausland, doch nun auch hier", schrieb eine Frau. Auch Königin Beatrix und Ministerpräsident Mark Rutte sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Beileid aus.

Die Wohnung des Täters wurde von den Behörden weiter bewacht. Eine Nachbarin sagte, er schiene ein netter Mann gewesen zu sein, der immer gegrüßt habe. Einmal habe er sie nach ihrem Heimatland Brasilien gefragt und gesagt, dort scheine es sehr, sehr gefährlich zu sein. Das habe sie merkwürdig gefunden.

Der Schütze hatte Augenzeugen zufolge lange blonde Haare und trug eine schwarze Jacke und eine Tarnhose. Der Staatsanwaltschaft zufolge gab es jedoch keine Hinweise dafür, dass er ehemaliger Soldat war. Der Amoklauf dauerte zehn Minuten, Augenzeugen hatten den Schützen beim Nachladen seiner Waffe beobachtet.

Polizei ermittelt wegen Waffenscheinen

Die Polizei konnte unterdessen nicht erklären, wie der wegen illegalen Waffenbesitzes aktenkundige Niederländer aus Alphen in den Besitz automatischer Waffen gelangen konnte. Der Täter besaß Waffenscheine für fünf Waffen, wie Eenhoorn sagte. Drei davon habe er bei der Tat bei sich gehabt, eine davon sei eine automatische Waffe gewesen. Augenzeugen berichteten, der 24-Jährige habe sich nach der Tat mit einem Revolver in den Kopf geschossen.

Ob die Waffenscheine rechtmäßig erlangt wurden, war unklar. Die Ermittlungen seien an die Staatsanwaltschaft eines anderen Zuständigkeitsbereiches übergeben worden, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden, hieß es.

Der Täter war laut Behördenangaben 2003, als Minderjähriger, wegen Waffenbesitzes mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

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(apd/pst)
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