Anschläge auf Mallorca: Der Eta-Terror und die Ohnmacht der Fahnder

Anschläge auf Mallorca: Der Eta-Terror und die Ohnmacht der Fahnder

Palma/Düsseldorf (RP). Mallorca wird erneut von mehreren Anschlägen erschüttert. Wieder wird die baskische Terrororganisation Eta hinter den Anschlägen vermutet. Bis dahin war es ihr nie gelungen, den Terror auch auf Spaniens beliebteste Ferieninsel zu tragen. Mit den Anschlägen kann die geschwächte Organisation einen propagandistischen Erfolg verbuchen.

Schon wieder Anschläge auf Mallorca, doch diesmal auf zwei Restaurants und ein Einkaufszentrum. Dabei ist es gerade mal eine Woche her, dass Spaniens Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba versprach, man werde den Terror der baskischen Eta besiegen. Klugerweise sagte der Minister nicht, bis wann. Der Sozialist stand noch ganz unter dem Eindruck der Attentate, die die Eta am 30. Juli auf Mallorca und wenige Tage zuvor in Burgos verübt hatte.

Vertreibung aus dem geliebten Bade-Paradies

Auf der Ferieninsel waren zwei Polizisten getötet, in Burgos 64 Menschen verletzt worden. Die unbeschwerte Urlaubsidylle der Mittelmeerinsel war rund um den Anschlagstag der Angst und dem Schrecken gewichen. Der Eta-Terror hatte erstmals Mallorca erreicht. Seitdem droht die Vertreibung aus dem von Millionen Menschen geliebten Bade-Paradies.

Einbußen für Tourismusbranche kaum kalkulierbar

Das Ziel der gestrigen Bomben waren nicht Kasernen oder Polizeiwachen. Die Insel, die seit dem Anschlag Ende Juli fast einem Hochsicherheitstrakt ähnelt, weil 1600 Beamte nach den Tätern fahnden, wurde an ihren empfindlichen Stellen getroffen — dort, wo Touristen essen, flanieren und einkaufen. Es gab Warnanrufe, es wurde rechtzeitig evakuiert, es gab Sachschäden. Doch die nun drohenden Einbußen für die Tourismusbranche sind kaum kalkulierbar. Genau das wollen die Täter. Seit Jahren nutzen sie die Ferienzeit, um durch gezielte Aktionen in Tourismushochburgen auf dem Festland internationale Aufmerksamkeit zu erzielen. Sie wollen Spaniens wichtigstem Wirtschaftszweig schaden.

Erstmals Terror auf die Insel getragen

Der Zeitpunkt der neuen Terrorwelle war mit Bedacht gewählt. Am 31. Juli hatte die baskische Separatistenorganisation den 50. Jahrestag ihrer Gründung begangen. Man rechnete mit Anschlägen, doch an Mallorca dachte kaum einer. Es war bis dahin der Eta nie gelungen, den Terror auch auf die Ferieninsel zu tragen. Sie wird gezielt überwacht, weil Spaniens Königsfamilie auch zur Zeit dort ihren Sommerurlaub verbringt. 1995 war ein Eta-Versuch gescheitert, König Juan Carlos mit einem Präzisionsgewehr zu erschießen. Seitdem hat die Insel-Sicherheit absoluten Vorrang. Bis Ende Juli mit Erfolg.

  • Fotos : Bombenanschlag auf Mallorca am 30. Juli

Von den Tätern fehlt jede Spur

Doch das Konzept scheint nun erschüttert. Nach dem ersten Anschlag auf Mallorca vor gut eineinhalb Wochen läuft die Fahndung noch immer auf Hochtouren. Es wurden Fahndungsfotos im Fernsehen gesendet, Beamte durchforsteten Hotels und Ferienwohnungen. Der Flughafen und die Mittelmeerhäfen werden noch immer überwacht, doch von den Bombenlegern fehlt weiterhin jede Spur. Mal heißt es, sie hätten die Insel noch nicht verlassen, mal munkelt man, sie seien längst fort, weil der Anschlag mit Hilfe eines Zeitzünders verübt worden war. Und genau während dieser konzentrierten Fahndung lassen Terroristen vor den Augen der Sicherheitsexperten neue Bomben hochgehen und führen dreist die Polizei vor.

Eta kann nach wie vor töten

Die Regierung in Madrid machte schon früh die Eta für die Anschläge verantwortlich. Doch die schwieg eisern. Erst gestern nahm sie offiziell Stellung. In einem Schreiben an die ihr nahestehende baskische Zeitung "Gara" übernahm sie die Verantwortung für die Anschläge in Burgos und Mallorca. Spaniens Innenminister Rubalcaba glaubte schon vor gut zehn Tagen, den wahren Grund der wiedererwachten Eta-Aktivitäten gefunden zu haben: Die Bande, die von der EU als Terrororganisation eingestuft wird, sei durch die Festnahmen der letzten Monate geschwächt. Sie könne aber nach wie vor töten, meinte der seit 2006 im Kabinett von Regierungschef Zapatero fungierende Minister. Er stellt fest, dass die neue Eta-Generation immer jünger und unerfahren sei, nachdem Spaniens Terrorfahnder immer mehr Mitglieder der Eta-Führungsebene festgenommen hätten: "Je mehr Verhaftungen es gibt, desto mehr müssen sie der Welt beweisen, dass sie nicht besiegt sind." Einen Dialog schloss der Minister aus.

Ende des Terrors hat absoluten Vorrang

Denn was sollten Gespräche bringen? Für die Regierung in Madrid hat das Ende des Terrors absoluten Vorrang. Bislang sind mehr als 820 Menschen durch den Eta-Terror getötet worden. Die Eta, deren Name "Euskadio Ta Askatasuna" Baskenland und Freiheit bedeutet, will die Ablösung von Spanien. Ihre Forderung stammt noch aus der Zeit, als General Franco das Land autoritär regierte. Nun besitzen die Basken ein Höchstmaß an Autonomie, die ein demokratisches Spanien achtet. Doch den Eta-Kämpfern ist das zu wenig. Wiederholt haben sie mit der Regierung Waffenruhen vereinbart, doch die Waffen legten sie nie nieder. Stattdessen wurde aufgerüstet — waffentechnisch und mental.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erneute Bombenanschläge auf Mallorca

(RP)
Mehr von RP ONLINE