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Kommentar zur "Concordia": Der Chaos-Kapitän

Kommentar zur "Concordia" : Der Chaos-Kapitän

Man traut seinen Augen nicht: Ein schmuckes Schiff liegt vor malerischen Fischerhäusern schräg in der See, scheinbar unberührt und doch ein Wrack. Die Katastrophe in der Idylle.

Man glaubt seinen Ohren nicht: Erst redet der Kapitän das Unglück klein, dann verlässt er das Schiff, weil es ja sinkt. So lautet wörtlich seine Erklärung gegenüber der Hafenaufsicht, die retten will, was zu retten ist, den Kommandanten der "Costa Concordia" aber nicht mehr an Bord findet. Eine Katastrophe mit vollständigem menschlichen Versagen.

Und jetzt, wo Kapitän Francesco Schettino behauptet, er sei bloß in das Rettungsboot gestolpert, das ihn davontrug, fasst man sich an den Kopf: Ist der Mann von allen guten Geistern verlassen?

Es scheint so. Doch gravierender als der Verdacht, Schettino könnte zum Zeitpunkt der Havarie womöglich unter Drogen gestanden haben, ist nun die Ahnung, dass er als Schiffsführer gänzlich ungeeignet war: Zuerst ein waghalsiges Manöver zu dicht an der Küste, dann Flucht aus der Verantwortung, schließlich Flucht aus der Wirklichkeit.

"Schettino würde selbst einen Bus wie einen Ferrari fahren", sagen Freunde des Kapitäns. Der hat am Ende auch die "Costa Concordia" wie einen Ferrari zu fahren versucht. Gutgehen konnte das nicht.

(RP/top)