Rassismus-Debatte Demonstrationen gegen Polizeigewalt in vielen US-Großstädten

USA · Zehntausende Menschen haben am Samstag in den USA gegen Polizeigewalt und Rassismus protestiert. Sie verlangten Gerechtigkeit für die in den vergangenen Monaten von weißen Polizisten getöteten Schwarzen sowie eine grundlegende Reform des Justizsystems.

Washington: Tausende protestieren gegen Polizeigewalt
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Washington: Tausende protestieren gegen Polizeigewalt

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Foto: afp, cs/kg

Die Protestmärsche in New York, Washington, Boston und kalifornischen Städten waren der bisherige Höhepunkt der seit Wochen andauernden Demonstrationen. Auslöser war unter anderem die Tötung des 18-jährigen Michael Brown in der Kleinstadt Ferguson im August und die des sechsfachen Familienvaters Eric Garner im Juli in New York. Beide waren unbewaffnet - ebenso wie der im November in Cleveland getötete zwölfjährige Tamir Rice und der 2012 von einem Nachbarschaftswachmann in Florida erschossene 17-jährige Trayvon Martin.

Die Angehörigen von Martin, Rice, Garner und Brown beteiligten sich zusammen mit dem schwarzen Bürgerrechtler Reverend Al Sharpton in Washington am Marsch "Justice For All" (Gerechtigkeit für Alle) auf der Pennsylvania Avenue zum Kapitol. "Ich demonstriere hier nicht nur für Eric Garner, sondern für die Töchter und Söhne und Nichten und Neffen und Papas und Mamas von allen", rief Garners Witwe den Demonstranten von der Bühne zu. An der Kundgebung nahmen weit mehr Menschen teil als die von den Veranstaltern ursprünglich erwarteten 5000.

Rassismus-Proteste in den USA: Demonstrationen gegen Polizeigewalt in Berkeley
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Proteste gegen Rassismus erreichen Berkeley

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In New York bildete sich ein sechs Kilometer langer Protestzug, der über den Broadway bis zum Polizei-Hauptquartier reichte. Weiße und Schwarze, Familien mit Kindern, Jugendliche und Ältere demonstrierten friedlich gemeinsam. Doch die Stimmung war angespannt. Ein starkes Polizeiaufgebot begleitete die Demonstranten. Über dem Marsch kreisten Polizeihubschrauber. Die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer mit 25.000 an. Die Veranstalter sprachen von 50.000 Menschen.

In Boston im US-Bundesstaat Massachusetts nahm die Polizei mehrere Demonstranten fest. Am Eingang der University of California in Berkeley bei San Francisco war die Nachbildung eines Schwarzen an einem Galgenstrick zu sehen - mit den Worten "Ich kann nicht atmen" quer über der Brust.

USA: Vier Fälle stehen für Polizeigewalt gegen Schwarze
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USA: Vier Fälle stehen für Polizeigewalt gegen Schwarze

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Foto: ap

Dies war die letzte Äußerung des schwer asthmakranken New Yorkers Garner, bevor er im verbotenen Würgegriff der Polizei starb. Sowohl in diesem Fall als auch im Fall Brown entschieden sogenannte Grand Jurys aus überwiegend weißen Laienrichtern, dass sich die Polizisten nicht vor Gericht verantworten müssen. Nach den Entscheidungen kam es zu teils gewaltsamen Protesten mit der Polizei.

Bei den landesweiten Kundgebungen und Demonstrationen war der Slogan "Ich kann nicht atmen!" allgegenwärtig. Andere Parolen auf Plakaten und in Sprechchören lauteten: "Keine Gerechtigkeit - kein Frieden!", "Stoppt die rassistische Polizei!" und "Das ganze verdammte System ist schuldig wie nur was!"

Erneute Proteste gegen Polizeigewalt
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Erneute Proteste gegen Polizeigewalt

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"Grundlegende Änderungen sind erforderlich", sagte der 24-jährige Barkeeper Cole Fox, der in New York zusammen mit seiner Mutter demonstrierte. Beide hielten ein Transparent mit der Aufschrift "Grand-Jury-Reform jetzt". "Schon in wenigen Tagen kann der nächste Schwarze oder Weiße umgebracht werden", warnte Fox. Die 21-jährige Studentin Rosalind Watson beklagte "institutionalisierten Rassismus". "Wenn jemand diesen Marsch sieht und sich unterstützt und sicherer fühlt, ist das schon ein Erfolg", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP während der Demonstration.

(AFP)