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Festnahme wegen Missbrauchs-Prozess: Das bewegte Leben Roman Polanskis

Festnahme wegen Missbrauchs-Prozess : Das bewegte Leben Roman Polanskis

Düsseldorf (RPO). Roman Polanski kämpft weiter gegen eine Auslieferung in die USA. Dort droht dem bekannten Regisseur ein Prozess wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen im Jahr 1977. Polanski wurde am Samstag überraschend in Zürich festgenommen – das Ende einer 30-jährigen Flucht vor der US-Justiz. Ein weiterer Tiefpunkt im bewegten Leben des Oscar-Preisträgers. 1969 wurde es erschüttert, als seine hochschwangere Frau Sharon Tate brutal ermordet wurde.

Düsseldorf (RPO). Roman Polanski kämpft weiter gegen eine Auslieferung in die USA. Dort droht dem bekannten Regisseur ein Prozess wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen im Jahr 1977. Polanski wurde am Samstag überraschend in Zürich festgenommen — das Ende einer 30-jährigen Flucht vor der US-Justiz. Ein weiterer Tiefpunkt im bewegten Leben des Oscar-Preisträgers. 1969 wurde es erschüttert, als seine hochschwangere Frau Sharon Tate brutal ermordet wurde.

Eigentlich sollte Roman Polanski beim Zürcher Filmfestival das "Goldene Auge" für sein Lebenswerk in Empfang nehmen. Doch die Reise endete für ihn im Gefängnis. Polanski hatte sich 1978 nach den Missbrauch-Vorwürfen einer drohenden Haftstrafe entzogen — vor der Urteilsverkündung verließ er die Vereinigten Staaten. Seitdem lebte der Regisseur in Paris, wo er aufgrund seiner französischen Staatsbürgerschaft vor einer Abschiebung sicher war. Jetzt droht dem Star-Regisseur mit 76 Jahren doch noch ein Prozess und womöglich eine Haftstrafe.

Der folgenschwere Vorfall, der jetzt zu der Festnahme führte, ereignete sich 1977 im Haus des befreundeten Hollywoodstars Jack Nicholson. Polanski bekannte sich später schuldig, die damals 13-jährige Samantha Geimer mit Drogen und Alkohol gefügig gemacht und mit ihr geschlafen zu haben. Er sagte jedoch, das Mädchen habe freiwillig gehandelt. Sex mit Minderjährigen gilt in Kalifornien aber automatisch als Vergewaltigung. Der Filmemacher verbrachte 42 Tage in psychiatrischer Behandlung im Gefängnis, wurde anschließend auf Kaution freigelassen — und floh.

Obwohl auch die heute 45-jährige Samantha Geimer sich für Polanski verwandte, lehnte noch im Mai ein Richter in Los Angeles die Einstellung des Verfahrens ab, weil Polanski nicht selbst vor Gericht erschienen war. Das aber wagte dieser aus Furcht vor einer Verurteilung nicht. Aus dem gleichen Grund war er 2003 nicht zur Oscar-Zeremonie nach Los Angeles gereist. Die Krönung seiner Karriere konnte er nur aus der Ferne erleben: Sein Film "Der Pianist" erhielt dort gleich drei Oscars (Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bestes adaptiertes Drehbuch) — fulminante Rückkehr des Star-Regisseurs nach langen nur mäßig erfolgreichen Jahren.

Flucht vor den Nazis

Polanskis Leben ist geprägt von großen Erfolgen und traumatischen Schicksalsschlägen. Mehrmals sah er sich gezwungen, zu fliehen oder unterzutauchen. Polanski wuchs als Sohn jüdischer Eltern in der Nazi-Zeit auf. 1933 wurde er unter dem Namen Raymond Liebling in Paris geboren. Drei Jahre später zog die Familie ins polnische Krakau. Nach dem Überfall Deutschlands auf Polen 1939 musste Polanski sich bei Kleinbauern vor den Nazi-Schergen verstecken. Seine Eltern wurden nach Auschwitz deportiert, seine Mutter dort ermordet.

Nach dem Krieg wollte Polanski eigentlich Schauspieler werden, wurde jedoch aufgrund seiner geringen Körpergröße abgelehnt. Er begann ein Regie-Studium in Lodz. Bereits sein Debüt, das Psychodrama "Das Messer im Wasser", machte Polanski weltweit bekannt. Bei der kommunistischen Führung Polens kam der Film jedoch nicht gut an — 1962 entzog sich Polanski der drohenden Zensur und ging nach Paris. Die in den folgenden Jahren entstandenen Filme "Ekel" (1965), "Wenn Katelbach kommt" (1966) und sein Hollywood-Debüt "Rosemary's Baby" (1968) gelten als Höhepunkt seines filmischen Schaffens. "Schon immer hat mich am meisten ein Mensch in für ihn außergewöhnlichen Situationen interessiert, denn dann sind seine Reaktionen unkonventionell und nicht banal", sagt Roman Polanski über seine Arbeit als Regisseur.

Bei den Dreharbeiten zu "Der Tanz der Vampire" (1967) lernte er Sharon Tate kennen. Ein Jahr später heirateten der Regisseur und die gefeierte Jung-Schauspielerin. Es war Polanskis zweite Ehe.

Mord-Serie der Manson-Family

1969 sorgte der brutale Mord an der hochschwangeren Sharon Tate in Los Angeles für Schlagzeilen. Am 8. August drang ein dreiköpfiges Killer-Kommando in die Villa Polanskis im Prominentenviertel Bel Air ein. Die fanatischen Frauen gehörten zur sogenannten "Manson Family", einer satanisch-rassistisch orientierten Sekte um den gescheiterten Musiker und Kriminellen Charles Manson.

Der charismatische Sektenführer stilisierte sich selbst als Messias. Seine Anhänger hatte er im Death Valley, einer Wüste im Osten Kaliforniens, um sich geschart und auf seine Ideologie eingeschworen. Er hing dem wirren Glauben an, durch Morde an weißen Prominenten und armen Schwarzen einen Rassenkrieg loszutreten, aus dem er als Herrscher hervorgehen würde. 1969 schickte er seine Anhänger auf einen zweitägigen Horrortrip, der mindestens sieben Menschen in Los Angeles das Leben kostete.

Warum er sie ausgerechnet in die Polanski-Villa schickte, ist bis heute umstritten. Der Regisseur selbst war nicht zu Hause, wohl aber seine im achten Monat schwangere Frau. Sie und vier weitere Personen wurden von den Sektierern gefesselt und brutal abgeschlachtet. Sharon Tate bettelte um Gnade für sich und ihr ungeborenes Kind. Trotzdem stach die damals 21-jährige Susan Atkins 16-mal auf die Schauspielerin ein. "Ich habe ihr gesagt, dass ich kein Mitleid mit ihr habe", sagte die Täterin später aus.

Am folgenden Tag brachte die Gruppe zwei weitere Menschen um. Andere Morde werden ihnen zugeschrieben, konnten aber nicht nachgewiesen werden. Susan Atkins, Charles Manson und zwei weitere Mitglieder der "Family" wurden 1970 zum Tode verurteilt, das Urteil wurde später in lebenslange Haft umgewandelt. Susan Atkins starb Ende September dieses Jahres nach einem langen Krebsleiden im Gefängnis.

Den erschütternden Mord an seiner Frau verarbeitete Polanski 1971 in "Macbeth", seinem blutigsten und hoffnungslosesten Werk.

Weltweit regt sich derweil Protest gegen die Festnahme Polanskis. Zahlreiche Besucher des Zürcher Filmfestivals machten mit Plakaten ihre Unterstützung für den Regisseur deutlich. Kulturschaffende, Prominente und Politiker wollen sich für den 76-Jährigen einsetzen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Roman Polanski: Skandale und Schicksale