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Dänische Regierungschefin: Keine größere Zelle hinter Attentäter

Gedenkfeier nach Terror in Dänemark : Zehntausende Menschen bei Gedenkfeier in Kopenhagen

In Kopenhagen haben sich am Montagabend mehrere zehntausend Menschen zu einer Gedenkfeier für die beiden Opfer der Terroranschläge versammelt. Mit dem Hashtag #JegSmilerTilbag ("Ich lächle zurück") wollen Dänen im Netz verhindern, dass die Tat Hass gegen Muslime schürt.

In Kopenhagen haben sich am Montagabend rund 30 000 Menschen nach Angaben der Veranstalter zu einer Gedenkstunde für die beiden Opfer der Terroranschläge versammelt. Bei der Feier in der Nähe des ersten Tatortes sollten unter anderem die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, sprechen. Unter den Gästen waren auch Dänemarks Kronprinz Frederik, Schwedens Regierungschef Stefan Löfven, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und der "Charlie Hebdo"-Redakteur Patrick Pelloux.

Der Attentäter hatte am Wochenende auf einer Konferenz zur Meinungsfreiheit zunächst den 55-jährigen Filmemacher Finn Nørgaard, und später an einer Synagoge einen jüdischen Wachmann erschossen. Der Schütze war am frühen Sonntag bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Zwei Verdächtige wurden als mutmaßliche Helfer festgenommen, ein Richter ordnete für sie am Montag zehn Tage Untersuchungshaft an.

#JegSmilerTilbage pic.twitter.com/PXCH5Bu71E"

Nach ersten Erkenntnissen gehörte der Attentäter zu keiner größeren Terrorzelle. Thorning-Schmidt sagte am Montag, es gebe keine Anzeichen dafür, dass hinter den tödlichen Angriffen vom Wochenende eine Gruppe stehe. Die Orte, die sich der 22-Jährige ausgewählt habe, deuteten aber auf Terrorakte hin, sagte sie. Es gehe nicht um "einen Konflikt zwischen Islam und dem Westen", sagte Thorning-Schmidt weiter. "Dies ist ein Konflikt zwischen den Hauptwerten unserer Gesellschaft und gewalttätigen Extremisten".

Mit dem Hashtag #JegSmilerTilbage ("Ich lächle zurück") kämpfen Dänen im Internet gegen mögliche Folge des islamischen Attentats, da die tödlichen Schüsse eines arabischstämmigen Täters auf einen jüdischen Wachmann und einen Filmemacher die dänische Gesellschaft spalten könnten.

Flowers outside the synagogue - we will meet violence with kindness #JegSmilerTilbage #cphshootings pic.twitter.com/HYT92cZLcZ

Sie wollen damit verhindern, dass die Tat Hass gegen Muslime schürt. In der dänischen Hauptstadt wurden die Landesfahnen auf Halbmast gesetzt. Es war der erste tödliche Terroranschlag in Dänemark seit 30 Jahren. An den Tatorten legten viele Menschen Blumen nieder. Doch auch an der Stelle, wo der Attentäter am Sonntag von der Polizei getötet wurde, fanden sich Blumen.

Der junge Attentäter fühlte sich nach Einschätzung der Behörden möglicherweise von den islamistischen Terrorangriffen von Paris im Januar angespornt. Laut Polizei handelt es sich um bei ihm um einen in Dänemark geborenen Mann, der bereits wegen Bandenkriminalität, Gewalt- und Waffendelikten aufgefallen und erst vor zwei Wochen aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Dänische Medien identifizierten den Schützen als Omar Abdel Hamid El-Hussein, zwei den Ermittlungen nahe stehende Quellen bestätigten am Montag diese Information der Nachrichtenagentur AP.

Den beiden Festgenommenen wird vorgeworfen, dem Attentäter auf der Flucht Unterschlupf gewährt zu haben, wie Verteidiger Michael Juul Eriksen sagte. Zudem sollen sie ihm geholfen haben, sich einer Waffe zu entledigen. Anwalt Anders Rohde sagte nach dem Haftprüfungstermin, die Staatsanwaltschaft habe vier Wochen Einzelhaft beantragt. Dass der Richter nur zehn Tage bewilligt habe, sei Beleg für die "dünne Beweislage", meinte der Verteidiger.

(ap)