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Dänemark: Kim-Wall-Mörder Madsen war nur fünf Minuten auf der Flucht

Gefängnis bei Kopenhagen : Kim-Wall-Mörder Madsen war nur fünf Minuten auf der Flucht

Der wegen Mordes inhaftierte Peter Madsen hat einem Medienbericht zufolge versucht, aus dem Gefängnis bei Kopenhagen zu fliehen. Er soll damit gedroht haben eine Bombe bei sich zu haben. Die Polizei konnte den Flüchtigen festnehmen.

Der dänische Erfinder und verurteilte Mörder Peter Madsen hat sich nach Justizangaben mit Drohungen den Weg aus dem Gefängnis gebahnt. Er habe einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin bedroht, sagte die Leiterin der Haftanstalt Herstedvester, Hanne Høegh Rasmussen, am Dienstag auf einer Pressekonferenz im dänischen Albertslund.

Physisch sei keiner der Angestellten verletzt worden, psychisch sei die Situation für die Betroffenen aber sehr belastend. Viel mehr könne sie noch nicht sagen - außer dass Madsen wieder in Gewahrsam genommen worden sei.

Um welche Mitarbeiterin oder welchen Mitarbeiter der Anstalt es sich konkret handelte, ließ Høegh Rasmussen offen. Die dänische Boulevardzeitung „Ekstra Bladet“ berichtete, Madsen habe eine Psychologin mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedroht.

Von solch einem Gegenstand sprach auch Polizeiermittler Mogens Lauridsen. Die Polizei glaube nicht, dass es sich um eine echte Waffe gehandelt habe. Madsen habe auch etwas am Körper getragen, das einem Bombengürtel geähnelt habe. Es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass dieser wirklich Sprengstoff enthalten habe.

Madsen sei gefasst worden, als er in einen weißen Lieferwagen habe springen wollen. Es deute nichts darauf hin, dass der Fahrer den Ausbrecher gekannt habe. Glücklicherweise sei Madsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum auf freiem Fuß gewesen: Um 10.21 Uhr habe die Haftanstalt den Ausbruch gemeldet, um 10.26 Uhr sei er gestoppt worden.

Er hatte am Dienstagvormittag versucht, aus dem Gefängnis Herstedvester rund 15 Kilometer westlich von Kopenhagen auszubrechen. Einige hundert Meter von der Haftanstalt entfernt wurde er von der Polizei festgesetzt.

Madsen war 2018 wegen Mordes an der jungen Journalistin Kim Wall auf einem von ihm gebauten U-Boot zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Laut Urteil hatte er die 30-jährige Schwedin im August 2017 im Inneren des U-Boots getötet. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sie mit sexuellem Motiv gefoltert und nach ihrem Tod zerstückelt über Bord geworfen hatte.

Madsen gestand den Mord nicht, räumte aber ein, dass Wall an Bord des U-Boots bei einem Unfall gestorben sei. Nach und nach änderte er seine Aussagen und erklärte schließlich, die Leiche zerstückelt und ins Wasser geworfen zu haben.

Wall hatte geplant, eine Reportage über Madsen, sein U-Boot „Nautilus“ und seine Raketenexperimente zu schreiben. Zuletzt war sie am Abend des 10. Augusts 2017 gesehen worden, als sie an Bord des U-Boots den Hafen von Kopenhagen verlassen hatte. Leichenteile von ihr wurden später nahe der Køgebucht südlich der dänischen Hauptstadt gefunden.

Eine Fernsehdokumentation über Madsen sorgte in Dänemark zuletzt für Diskussionen. Er soll in einem heimlich aufgezeichneten Telefoninterview angeblich zum ersten Mal den Mord an Wall gestanden haben - von offizieller Seite blieb das unbestätigt.

(ahar/dpa)